Von Klassik bis Tradition in jahrhundertealten Kirchen 23 Haus- und Hofkapellen öffneten ihre Türen für die Musik – Bei heißem Sommerwetter kamen die Besucher aus allen Richtungen

Maren Martell-Münkel  30. August 2016

Zünftiger Auftakt zum Kapellentag der Ammerseerenade am Westufer. Unterwegs „zwischen Himmel und See“ konnten sich die Besucher vor der Kapelle „Unsere liebe Frau“ in Bierdorf erst einmal bei einem Weißwurstfrühstück stärken. Dazu hatte der Förderverein der Kapelle eingeladen. Fotos (7): Maren Martell
In der Kapelle „Unsere liebe Frau“ in Bierdorf bei Dießen sang die Mezzosopranistin Maarja Purga aus Estland auf Einladung des Richard-Wagner-Verbands Ammersee Lieder von Brahms, Schumann und Grieg.

In der Kapelle „Unsere liebe Frau“ in Bierdorf bei Dießen sang die Mezzosopranistin Maarja Purga aus Estland auf Einladung des Richard-Wagner-Verbands Ammersee Lieder von Brahms, Schumann und Grieg.

Dießen/Schondorf – A Capella-Gesänge, traditionelle Blasmusik, Klassik und Weltmusik. Am vergangenen Sonntag hatte das Klassikfestival AmmerSeerenade die Türen von 23 kleinen, teils jahrhundertealten Gotteshäusern rund um den Ammersee geöffnet. Bei heißem Sommerwetter und strahlendem Sonnenschein waren die Besucher auf vier Kapellenrouten in allen Himmelsrichtungen unterwegs „zwischen Himmel und See”. Zünftig startete der Kapellentag am Westufer mit einem Weißwurstfrühschoppen vor der Kapelle „Mariä Heimsuchung – Unsere liebe Frau” in Bierdorf.

Dazu eingeladen hatte dortige Förderverein. Vorstandsvorsitzender Josef Vetterl freute sich über die große Resonanz. Schon in den frühen Morgenstunden hatten sich zahlreiche Besucher vor dem kleinen Kircherl eingefunden. Zuvor war noch ein Gewittersturm über den Ammersee gezogen. Doch dann war der Wettergott gnädig. Im Anschluss an das Weißwurstfrühstück sang Mezzosopranistin Maarja Purga aus Estland „Seelenlandschaften” – Lieder von Johannes Brahms, Robert Schumann und Edvard Grieg. Begleitet wurde sie von Michiko Tashiro am Klavier. Der Richard-Wagner-Verband Ammersee hatte das Konzert organisiert.

Im Kircherl St. Johannis Baptist in Breitbrunn spielte der frühere Andechser Organist Anton Ludwig Pfell auf der Zimmermann-Orgel von 1861.

Im Kircherl St. Johannis Baptist in Breitbrunn spielte der frühere Andechser Organist Anton Ludwig Pfell auf der Zimmermann-Orgel von 1861.

Vor der Hofkapelle zum „Auferstandenen Heiland“ der Familie Wernseher in St. Georgen hielt Pfarrer Kirchensteiner eine Andacht.

Vor der Hofkapelle zum „Auferstandenen Heiland“ der Familie Wernseher in St. Georgen hielt Pfarrer Kirchensteiner eine Andacht. Foto: oh

St. Georg in Rieden

In der Hofkapelle Maria Hilf in Riederau lockte Michael Leontchik zahlreiche Besucher an.

In der Hofkapelle Maria Hilf in Riederau lockte Michael Leontchik zahlreiche Besucher an.

In der Hofkapelle St. Georg in Rieden spielten Musiker des Odeon-

Gut besucht war auch die Pestkapelle St. Sebastian in Eching.

Gut besucht war auch die Pestkapelle St. Sebastian in Eching.

Jugendsinfonieorchesters Stücke von Mozart, Franz Lachner, Jules Massenet und Bernhard Henrick Crusell. An der Klarinette waren zu hören Anna Harzenetter und Simon Vater, am Fagott Markus Fromm, am Klavier Vero Koller. Es sang die Sopranistin Christina Story. Nach dem Konzert tischte die Eigentümerin der Hofkapelle, die Milchbäuerin Erika Höpfl, Kaffee und selbst gebackenen Kuchen unter schattigen Bäumen auf.

In der Uttinger Christuskirche lud die Sängerin Suzan Baker zu einer musikalischen Reise durch Jazz, Pop, Rock und Latin Soul ein. Begleitet wurde sie von Dennis Lüddicke an der Gitarre. In der Franziskuskapelle in Steinebach und in der Hofkapelle Maria Hilf in Riederau war der Meister auf dem Cymbalom zu hören. Auf dem russischen Hackbrett beeindruckte Michael Leontchik mit Stücken von Johann Sebastian Bach. In Riederau bot die Betreiberin des Restaurants Susanthás Urtel Albrecht kühle Biolimonaden, Sekt und Wasser an. Der Miteigentümer der Kapelle Dominik Schröder freute sich über ein Doppelkonzert. Weil Leontchik etwas spät eintraf, sprangen spontan die Klarinettisten des Odeon-Sinfonieorchesters ein und spielten quasi „als Vorgruppe”, wie sich die beiden jungen Musiker schmunzelnd ankündigten.

In der Hofkapelle Maria Hilf aus dem Jahre 1607 sprangen die Klarinettisten Anna Harznetter und Simon Vater vom Odeon Jugendsinfonieorchester kurzerhand als „Vorgruppe“ ein. Im Anschluss spielte der Meister auf dem Cymbalom Michael Leontchik.

In der Hofkapelle Maria Hilf aus dem Jahre 1607 sprangen die Klarinettisten Anna Harznetter und Simon Vater vom Odeon Jugendsinfonieorchester kurzerhand als „Vorgruppe“ ein. Im Anschluss spielte der Meister auf dem Cymbalom Michael Leontchik.

Andacht und Musik

Schon früh machten sich die Besucher auf zur Hofkapelle St. Georg in Rieden. Dort spielten die jungen Musiker des Oden-Jugendsinfonieorchesters aus München. Im Anschluss lud die Kapelleneigentümerin und Milchbäuerin Erika Höpfl zu Kaffee und selbstgebackenem Kuchen ein.

Schon früh machten sich die Besucher auf zur Hofkapelle St. Georg in Rieden. Dort spielten die jungen Musiker des Oden-Jugendsinfonieorchesters aus München. Im Anschluss lud die Kapelleneigentümerin und Milchbäuerin Erika Höpfl zu Kaffee und selbstgebackenem Kuchen ein.

In der Kapelle zum „Auferstandenen Heiland” der Familie Wernseher in Dießen-St.Georgen wurde eine Andacht gehalten, umrahmt von den Raistinger Musikanten und Klarinettenmadln. Im Fischerkircherl St. Alban – eine der ältesten Missionskirchen am See, die im Jahr 1000 von der Heiligen Kunissa gegründet wurde – waren Stefan Ronkov an der Orgel und Sofia Kiemer an der Geige zu hören. In der Gutskapelle St. Anna auf Gut Romenthal spielte das Haydn-Quartett, Schloss Esterházy. Sie waren extra aus Österreich angereist. Eine besondere Überraschung bot sich in der Kapelle Wangerbaur in Painhofen. Dort erklangen die A Capella-Gesänge der Cardellinis del Fontanino. Sie waren aus der Toskana an den Ammersee gekommen. Die italienische Weinregion hat bereits für diese außergewöhnlichen Musiker die Eintragung als Unesco-Weltkulturgut beantragt. Ein Höhepunkt war auch der musikalische Vortrag von Rudolf Wastl-Mayrhofer an der spanischen Gitarre in der Jakobskirche in Schondorf. Der künstlerische Leiter des Kapellentages trug Stücke von Francisco Tárrega, Isaac Albéniz und Augustin Barrios vor. Begleitet wurde er von seiner Frau Irmgard Mayrhofer, die unter dem Titel „Vom Schatten ins Licht” Gedichte und Texte las. Auf der anderen Seeseite ließ der frühere Andechser Kirchenmusiker Anton Ludwig Pfell in der Kirche St. Johannes Baptist in Breitbrunn Musik von bayerischen Klosterkomponisten auf der Zimmermann-Orgel von 1861 erklingen. In Greifenberg verlagerte der Eigentümer der privaten Kapelle „Maria und Elisabeth” Alfred Sunder-Plassmann aufgrund des großen Besucherandrangs das Konzert kurzerhand in seinen Innenhof. Zu hören waren barocke Stücke. Es spielten Francesca Rappay an der Violine und Franz Hämmerle am Contrabass.

Geschützt vor der mittäglichen Sonne lauschten die Besucher den Klängen der Raistinger Klarinettenmadln und der Jungen Raistinger Musikanten.

Geschützt vor der mittäglichen Sonne lauschten die Besucher den Klängen der Raistinger Klarinettenmadln und der Jungen Raistinger Musikanten.