Es macht ihn glücklich, wenn sich andere trauen Sommerinterview Nr. 5 mit Martin Höck, Bürgermeister von Raisting – Wohnbau, Nahwärme und Gewerbeansiedlung geplant

ak  30. August 2016

Raistings Bürgermeister Martin Höck hat sich viel vorgenommen in den letzten vier Jahren seiner ersten Amtsperiode. Neben dem Bau einer Seniorenwohnanlage will er das Gewerbegebiet erweitern, eine Nahwärmeversorgung der gemeindlichen Liegenschaften errichten und Bauland schaffen. Foto: Straub

Raisting – Wie in den vergangenen Jahren sucht der Ammersee Kurier auch dieses Jahr das Gespräch mit den Kommunalpolitikern und befragt in seinen Sommerinterviews Bürgermeister vom Ammersee. Heute lesen Sie das Interview mit Bürgermeister Martin Höck aus Raisting. Er ist seit 2014 im Amt. Das Gespräch führte Petra Straub.

Ammersee Kurier: Wir leben in Deutschland seit den jüngsten Anschlägen in sehr unruhigen Zeiten. Wie beurteilen Sie die Situation in Ihrer Gemeinde?

Hier haben wir es mit einem globalen Problem zu tun – insofern ist eine Reduzierung auf die Gemeinde nicht möglich. In Raisting beurteile ich die Situation als sicher! Allerdings sind unsere Bürgerinnen und Bürger im Urlaub oder auch dienstlich weltweit unterwegs. Viele Raistingerinnen und Raistinger pendeln nach München oder Augsburg. Insofern wirkt sich die geänderte Sicherheitslage auch auf die Menschen in Raisting aus. Aktuell lebt eine vierköpfige Familie aus Syrien im Ort. Sie ist auf Wohnungssuche. Ehrenamtliche Helfer unterstützen sie vorbildlich. Weil der Flüchtlingsstrom nach Deutschland nachgelassen hat, liegt der Bau der Unterkunft für Asylbewerber auf dem Probstgelände auf Eis. Auch das Forsthaus steht nun für Asylbewerber offen.

Sind die Bürger an Entscheidungen der Gemeinde über den Gemeinderat hinaus beteiligt? Welche Projekte gibt es da?

Die Gemeinde beziehungsweise der Gemeinderat informiert die Bürgerinnen und Bürger über bevorstehende Projekte, zum Beispiel bei den Gemeinderatssitzungen, im Mitteilungsblatt und in der Bürgerversammlung. Die Mitglieder des Gemeinderates und ich stehen jederzeit für die Fragen und Anregungen der Bürgerinnen und Bürger zur Verfügung. Insofern sehe ich die Beteiligung der Bürger absolut gewährleistet. Bei der Neuaufstellung des Flächennutzungsplans wurde ein Informationsabend angeboten, ebenso hat die Gemeinde über die Unterbringung von Asylbewerbern informiert. Für das Jahr 2017 steht der Ausbau der Rothstraße aufgrund der Erneuerung der Oberflächenentwässerung an. Hier werden die Anlieger informiert, sobald eine Planung mit belastbaren Zahlen vorliegt.

Die Mieten steigen, Immobilien werden immer teurer. Für viele Einheimische ist Wohnraum kaum mehr erschwinglich. Was tun Sie, damit die Bürger im Ort bleiben können?

Die Gemeinde Raisting hat den großen Bedarf an Wohnraum schon vor längerer Zeit erkannt. Auch aus diesem Grund befinden wir uns im Verfahren zur Neuaufstellung des Flächennutzungsplans. Im Herbst erwarten wir das Ergebnis eines Gutachtens, das aufzeigen wird, ob die geplante Wohnbebauung am Hartweg möglich ist. Ebenso verhandelt die Gemeinde derzeit mit verschiedenen Grundstückseigentümern über den Erwerb von entsprechenden Grundstücken, die dann für Einheimische und junge Familien zur Verfügung gestellt werden sollen.

Auch der Bedarf an günstigen Wohnungen ist erkannt – aus diesem Grund besteht im Gemeinderat weitgehend Konsens darüber, dass, sofern sich die Flüchtlingssituation in der Zukunft weiterhin stabil zeigt, auf dem Probstgelände entsprechende Wohnungen geschaffen werden sollen.

Ist Ihre Gemeinde seniorengerecht?

Hier stellt sich zunächst die Frage, wie „seniorengerecht” definiert wird. Ich denke, die Gemeinde wird durch den Bau der Seniorenwohnanlage „Selbstbestimmtes und barrierefreies Wohnen 60+” in der Bahnhofstraße einen großen Schritt hin zu seniorengerechterem Leben in Raisting machen. Bereits jetzt leistet die Dorfgemeinschaft viel für die Senioren. Aus meiner Sicht sind die Senioren in Raisting sehr gut vernetzt – das sieht man an den zahlreichen gemeinsamen privaten Aktivitäten, aber auch an den Angeboten der Vereine und Verbände, zum Beispiel der Arbeiterwohlfahrt, des Ortsvereins des katholischen Frauenbundes oder der Nachbarschaftshilfe Pähl-Raisting-Fischen. Zudem ist die Versorgung vor Ort sehr gut. Die Gemeinde achtet im Rahmen der Möglichkeiten auch verstärkt auf Barrierefreiheit im öffentlichen Raum. Zusammenfassend aus meiner Sicht: Ja!

Wie ist in Ihrer Gemeinde die Situation für Jugendliche?

Für die Kinder in der Gemeinde wurde in der Vergangenheit sehr viel geleistet. Ich denke da an die Einrichtung des Kinderhortes und der Mittagsbetreuung an unserer Grundschule. Hier wurde ein optimaler Rahmen für die Betreuung der Kinder am Nachmittag geschaffen. Alle Raistinger Vereine bemühen sich um unsere Jugendlichen und leisten eine sehr gute und engagierte Jugendarbeit. Ich denke, dass so ein sehr breites Angebot für Jugendliche vorhanden ist. Dies bestätigt sich durch Rückmeldungen von verschiedenen Jugendlichen, mit denen ich in den verschiedenen Vereinen ins Gespräch komme. Auch aus dem Freundeskreis meiner beiden Töchter (15 und 18 Jahre) wurden bislang keine Anregungen an mich herangetragen. Bisher war jedenfalls noch kein Jugendlicher bei mir, der um Unterstützung für ein konkretes Projekt gebeten hat. Durch die gute Bahnverbindung haben unsere Jugendlichen zusätzlich gute Möglichkeiten, Angebote aus der Region wahrzunehmen.

Welche Ziele haben Sie für die Jahre 2016/2017 und den Rest Ihrer Amtsperiode?

Da gibt es einige: den Bau und die Fertigstellung der Seniorenwohnanlage, die Erweiterung des Gewerbegebietes, die Errichtung der Nahwärmeversorgung für die gemeindlichen Liegenschaften im Ortszentrum, den Abschluss des Verfahrens zur Neuaufstellung des Flächennutzungsplans, die Ausweisung von Bauland für Einheimische und junge Familien – in der weiteren Zukunft: die Schaffung von sozialem Wohnraum auf dem Probstgelände und eine Generalsanierung der Grundschule. Auch den Radweg nach Dießen und den Ausbau und die Verbesserung von maroden Straßen habe ich im Blick. Bei Letzterem geht es zunächst darum, wie wir in der Gemeinde mit den neuen gesetzlichen Möglichkeiten der Erhebung von Straßenausbaubeiträgen umgehen: weiterhin einmalige Beiträge oder wiederkehrende Beiträge? Darüber muss man sich noch sehr eingehend unterhalten – und die Bürgerinnen und Bürger auf dem Weg dorthin mitnehmen.

Gibt es Pläne zu Projekten für alternative Energien in Ihrer Gemeinde?

Ja – die Nahwärmeversorgung für die gemeindlichen Liegenschaften im Ortszentrum. Im Rahmen der ergebnisoffenen Prüfung wird auch der Einsatz einer Energieerzeugung aus Biomasse in Erwägung gezogen.

Wie sehen Sie die wirtschaftliche Situation in Ihrer Gemeinde?

Aus meiner Sicht steht die Gemeinde wirtschaftlich auf einer sehr soliden Basis. Die gute Auftragslage insbesondere in unserer Region wirkt sich natürlich auf das Gewerbesteueraufkommen und den Anteil an der Einkommenssteuer aus. Die Gemeinde Raisting ist nach wie vor schuldenfrei. Die im Haushalt und im Finanzplan geplante Kreditaufnahme beschränkt sich auf Projekte wie zum Beispiel die Seniorenwohnanlage oder den sozialen Wohnungsbau. Dies sind zum einen Investitionen, mit denen ein dauerhafter Gegenwert geschaffen wird. Zum anderen zahlen sich diese Aufwendungen im Laufe der Jahre durch Mieteinnahmen ab – also rentierliche Schulden. Auch der Kapitaleinsatz zum Erwerb von Grundstücken zur Entwicklung von Bauland und Gewerbegrund kommt durch den anschließenden Verkauf dieser Grundstücke wieder zurück. Ich hoffe, dass die gute wirtschaftliche Lage weiter anhält – so kann die Gemeinde weiterhin neben den Pflichtaufgaben auch die freiwilligen Aufgaben zur Weiterentwicklung unseres Ortes wahrnehmen. Wichtig ist auch, dem heimischen Gewerbe Platz zur Expansion anzubieten. Deshalb wird das Gewerbegebiet erneut erweitert. Doch ich bin mir nicht sicher, ob wir auf den zwei Hektar Gewerbegrund alle Nachfragen decken können. Wir müssen sparsam mit den Flächen umgehen und bei der Ansiedlung von Gewerbe auf eine gute Mischung achten.

Was hat Sie bis jetzt in Ihrem Amt am meisten gefreut?

Es ist schwer zu sagen, was mich am meisten gefreut hat. Ich kann mich an den kleinen Erfolgen oder Momenten im Leben erfreuen – das gibt in der Summe sehr viel an Energie zurück. Ich denke da zum Beispiel an die eine oder andere Trauung, die ich vornehmen durfte – das sind auch für mich sehr emotionale Momente. Worüber ich mich auch sehr gefreut habe, ist der Erwerb des Kindergartens St. Raphael. In der Folge hat sich auch das Verhältnis zwischen der Gemeinde und der Katholischen Pfarrkirchenstiftung wieder deutlich verbessert. Besonders freue ich mich auch immer wenn ich mit dem Radl durch unser Dorf fahre und sehe, wie schön und gut wir hier leben dürfen!

Herr Bürgermeister Höck, wir bedanken uns für das Gespräch!