Auswirkungen „nicht erheblich“ Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft nimmt Stellung zu Zustand der Pähler Schlucht

Petra Straub  12. Juli 2016

Die Wege entlang des Burgleitenbachs in der Pähler Schlucht (Foto vom März 2016) sollen wieder hergerichtet werden. Foto: AK-Archiv

Pähl – Pähls Bürgermeister Werner Grünbauer stellte bei der jüngsten Gemeinderatssitzung das Gutachten der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) wegen Gefährdung der schutzbedürftigen Pähler Schucht vor. Es war im Rahmen des staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahrens in Folge der forstlichen Maßnahme im Jahr 2014 erstellt worden. Der Bund Naturschutz Bayern hatte im November 2015 Strafantrag und Strafanzeige gegen die Eigentümerin der Pähler Schlucht und den zuständigen Förster wegen Verstoßes gegen Umweltstrafrecht und Ordnungswidrigkeiten bei der Staatsanwaltschaft München II gestellt. Ergebnis des Gutachtens: Die Hiebmaßnahme hat zu keiner nachhaltigen, erheblichen Verschlechterung der Waldstrukturen geführt.

Es sei eindeutig widerlegt worden, was der Eigentümerin der Pähler Schlucht seitens der Umwelt-Behörde unterstellt worden sei, so Grünbauer. Die Staatsanwaltschaft werde das Verfahren nun einstellen, vermutet sein Stellvertreter Alexander Zink, der auf die Notwendigkeit der Durchforstung als Hochwasserschutz einging.

Sachgemäße Entnahme

In der gutachterlichen Stellungnahme ist zu lesen, dass die Hiebmaßnahme auf spezielle Veranlassung der Gemeinde eingeleitet wurde, um akuten und sich abzeichnenden Gefährdungen in Bezug auf die Verkehrssicherheit entlang der Wanderwege zu begegnen. Zudem seien Verpflichtungen zur Abwehr von Naturgefahren im Raum gestanden, insbesondere die Gefahr des erneuten Verschlusses des Burgleitenbachs durch angeschwemmtes Treibgut, der es vorzubeugen galt. 2002 hatte eingekeiltes Schwemmmaterial für eine erhebliche Überschwemmung im Ort gesorgt. Forstwirtschaftliche Nutzungsüberlegungen seien bei der Maßnahme nicht im Vordergrund gestanden, vielmehr eine Waldverjüngung im Sinne einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung.

Auf einer Fläche von knapp 13 Hektar seien zirka 2.800 Festmeter Holz entnommen worden. Das entspreche einer durchschnittlichen Entnahmemenge von dreißig Prozent des aufstockenden Holzvorrats und sei auch forstlich als „durchaus sachgemäß” anzusehen. Die höchste Entnahme sei im Buchenmischwald erfolgt. Sie werde als „Beeinträchtigung” dargestellt, doch eine Verjüngung gehe häufig mit kräftigeren Eingriffen einher, um weniger konkurrenzkräftige Baumarten erfolgreich an der nächsten Waldgeneration zu beteiligen. Die vorwiegend aus Edellaubhölzern bestehende Vorausverjüngung sowie die Entnahme auch Fichtenreicherer Bestockungsteile erlauben laut LWF die Einschätzung, dass der Folgebestand künftig reich an Edellaubbäumen und somit baumartenreicher und „möglicherweise sogar naturnäher als der Ausgangsbestand” sein werde. Somit sei die Maßnahme nicht nur zulässig, sondern „mit den Zielen eines günstigen Erhaltungszustands im Sinne der FFH-Richtlinie wie auch den Schutzzielen der Naturschutzgebieteverordnung sowie des Bayerischen Waldgesetzes „gut vereinbar”. Beim Schluchtwald sei durch die Hiebmaßnahme in der engen Schlucht keine Veränderung des Bestandsklimas eingetreten, im westlichen Teil seien eher Einzelstamm- bis truppweise oder kleinflächige Maßnahmen getroffen worden. Allenfalls indirekt seien die Auswirkungen dort, etwa durch vermehrtes Auftreten austrocknender Winde. Obwohl dadurch eine mittelbare Veränderung des Eigenklimas wahrscheinlich scheint, sei keine repräsentative, sensible Artengruppe bekannt, die im Gebiet fehle und von der anzunehmen ist, dass sie durch den Eingriff ausgestorben ist.

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Urteil: Mindestens „guter” Zustand

Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft: Keine Verschlechterung der Pähler Schlucht

Es sei anzunehmen, dass sich der Wald bei Ausbleiben weiterer Störeinflüsse „mit hoher Wahrscheinlichkeit” regenerieren werde. Der Schlucht- beziehungsweise Hangmischwald sei auch durch eine intensive Freizeitnutzung durch Ketterer vorbelastet. Ob die bachbegleitenden Eschen aufgrund von Erkrankungen oder einer Gefährdungslage entnommen wurden, lässt sich nicht mehr feststellen. Eschen im Umfeld der Hiebmaßnahme sind jedenfalls von Pilzen befallen.

Zusammenhänge zwischen der Hiebmaßnahme und später aufgetretenen Sturmschäden kann die LWF nicht herstellen. Denn bei den vergangenen Sturmereignissen habe die Region Weilheim zu den stärksten betroffenen Landesteilen Bayerns gezählt.

Die LWF stellt weiter fest, dass bei der Klage Auflichtungen angeführt wurde, die nicht der Beklagten gehören.

Festgestellt wurde auch, dass es laut den Darlegungen der Anzeige zu einer Fällung und Entnahme von Totholzstämmen und Biotopbäumen gekommen sei. Im Nachhinein sei der Umfang jedoch nicht qunatifizierbar, da vor dem Eingriff keine Aufnahme oder Zählung der Waldstrukturen erfolgt sei. Das Begangsprotokoll des Forstunternehmens mit der Waldbesitzerin und dem Bürgermeister 2014 gebe Hinweise darauf, dass die Waldbesitzerin Höhlenbäume und Totholz gurndsätzlich erhalten wollte. Die LWF attestiert einen „mindestens guten Erhaltungszustand”, nicht jedoch einen hervorragenden Zustand. Demnach habe eine Verschlechterung nicht stattgefunden.

Bei der Ortseinsicht Ende 2015 habe die LWF festgestellt, dass ausreichend Alt- sowie Biotopbäume und Totholz verblieben sind, um spezialisierter Fauna und Flora ein hinreichendes Refugium zu bieten. Zu den Erschließungsmaßnahmen im Rahmen der Hiebmaßnahme mit durch erweitertem Rückeweg und temporär angelegtem Verbindungsweg zwischen den auf beiden Hangschultern stellte die LWF fest, dass es nicht zu einer nachhaltigen Veränderung der Bodeneigenschaften und Flächenverlusten geschützter Lebensräume kam, sondern dass der Aus- und Neubau grundsätzlich genehmigt gewesen sei und die Auswirkungen auf die Wald-Lebensraumtypen „lediglich geringfügig und reversibel” seien und zu keiner Verschlechterung geführt hätten. Schwierige Ausgangsbedingungen bei der Holzernte hätten zwangsweise Auswirkungen auf die vielfältigen Schutzobjekte.

Doch die Befahrung des Bachbetts habe nicht zwingend eine negative und vor allem nachhaltige Auswirkung auf dieses Ökosystem. Eine Ortsbegehung habe keine gravierenden Beeinträchtigungen festgestellt worden, die eindeutig der forstlichen Maßnahme zugeordnet werden können. Der Burgleitenbach sei bei zurückliegenden Hochwasserereignissen 1999 und 2002 intensiv durch Baggerarbeiten im Zuge des Hochwasserschutzmaßnahmen stark überprägt worden. Auch bei der Wasserqualität sieht das LWF keinen kausalen Zusammenhang mit den forstlichen Maßnahmen.