Telemedizin treibt Innovationen voran Im Landkreis Landsberg am Lech soll ein Gesundheitspolitischer Arbeitskreis gebildet werden

Dagmar Kübler  18. Mai 2016

Peter Rahn, Vorstand des Klinikum Landsberg, MdL Bernhard Seidenath, Rainer Jünger, MdL Alex Dorow, Dr. Christian Alex und Ingmar Bertling von der Techniker Krankenkasse Südbayern diskutierten am gesundheitspolitischen Abend der CSU. Foto: Kübler

Hofstetten – In Landkreis Landsberg wird sich auf Initiative von Rainer Jünger, stellvertretender Vorsitzender der CSU-Ortsgruppe Schondorf, ein Gesundheitspolitischer Arbeitskreis bilden. Für die Leitung der Gruppe stellt sich Jünger zur Verfügung, wie er anlässlich des gesundheitspolitischen Abends im Landhotel zur Alten Post in Hofstetten sagte. Die Gründung des Arbeitskreises sowie die Wahlen könnten noch vor den Sommerferien stattfinden, so Jünger.

Zahlreiche Vertreter aus Ärztenetzwerken, Krankenkassen, Kliniken sowie Bürgermeister der Landkreisgemeinde habe er aufgefordert, im Arbeitskreis mitzuwirken. Die Resonanz sei positiv gewesen. Zur Auftaktveranstaltung erschienen waren Peter Rahn, Vorstand vom Klinikum Landsberg, sowie Ingmar Bertling von der Techniker Krankenkasse Südbayern.

Wie drängend gesundheitspolitische Fragen sind und was die Politik unternimmt zeigte MdL Bernhard Seidenath, der Gesundheits- und pflegepolitische Sprecher der CSU-Landtagsfraktion sowie Stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Gesundheit und Pflege, in seinem Impulsvortrag auf. Ziel sei es, die hervorragende medizinische Versorgung auf hohem Niveau zu halten. „Das ist eine Dauerbaustelle, deshalb sind ständig Reformen nötig”, so Seidenath. Viele Patienten kämen zum Beispiel aus den Vereinigten Arabischen Emiraten zur Behandlung nach Bayern, „da die Unikliniken am Puls der medizinischen Forschung sind.”

Mehr Pflegekräfte notwendig

Seidenath zeigte vielfältige Probleme auf, die sich vor allem durch die demografische Entwicklung und die veränderten Familienstrukturen noch verschärfen werden. „Jeder dritte junge Mensch mit mittlerem Schulabschluss müsste einen pflegenden Beruf erlernen und ihn auch dauerhaft ausüben”, sagte Seidenath. Nur so könne die Pflege der Baby-Boomer-Generation sichergestellt, eine humanitäre Katastrophe verhindert werden. Dazu sei das Image, die Bezahlung und die Arbeitsbedingungen dieser Berufe zu verbessern. Wichtig sei zu wissen, wie viele Pflegekräfte tätig seien; dazu soll eine Art Pflegekammer eingerichtet werden mit dem Ziel der Pflichtregistrierung.

Seidenath dankte allen Pflegenden, auch denjenigen, die zuhause tätig sind. Als „einen Zug, der auf eine Felswand zurast” bezeichnete der Abgeordnete die Finanzierung der Pflege. Pflegeversicherung, Eigenbeitrag und private Vorsorge sollen diese absichern, aber die derzeitige Zinspolitik verhindere dies.

Seidenath zeigte politische Maßnahmen auf, die Anreize für junge Mediziner setzen sollen, sich als Hausarzt niederzulassen. „Unsere Hausärzte überaltern und es ist sehr schwer, Nachwuchs zu finden.” Mit 60.000 Euro wird nun die Niederlassung auf dem Land gefördert, 200.000 Euro stehen für Arbeitszeitmodelle zur Verfügung, aus einem Stipendienprogramm erhalten Studenten über vier Jahre hinweg 500 Euro pro Monat, wenn sie sich anschließend im ländlichen Raum niederlassen. Die Wirkung der Integrativen Medizin, die den Menschen ganzheitlich betrachtet, soll erforscht werden. Dazu stellt eine Gesundheitsstiftung 2,5 Millionen Euro zur Verfügung, verkündete Seidenath.

Ziel: elektronische Patientenakte

Innovationstreiber sei die Telemedizin. Diagnosen seien damit rund um die Uhr möglich. Ziel ist die elektronische Patientenakte, auf die jeder Patient, aber auch jeder Arzt, zugreifen könne. „Große Internetkonzerne wie Apple und Goggle sammeln bereits Millionen von Gesundheitsdaten, das muss der Staat auch können”, so Seidenath. In Deutschland werde zu viel auf die Risiken der neuen Technik geschaut und zu wenig auf die Chancen, sagte dazu Rainer Jünger in Bezug auf den Datenschutz. „Ärztewissen muss vernetzt werden.”

Das erfordere ein Umdenken, vor allem bei älteren Ärzten. Zunehmend sollen auch anonymisierte Patientendaten zusammengeführt werden, um die Versorgungsforschung auf neue Beine zu stellen. Ein wichtiger Schritt ist das Krebsregistergesetz; sechs dezentrale Register werden nun gebündelt. Insbesondere für die Erforschung von seltenen Krebsarten sei dies ein Fortschritt, so Seidenath.

In der anschließenden Diskussion, die MdL Alex Dorow (CSU) moderierte, drehten sich viele Fragen um das Thema Pflege. Die privaten Haushalte seien damit überfordert, als Arbeitgeber für ausländische Pflegekräfte aufzutreten, sagte ein Zuhörer. Durch das Pflegestärkungsgesetz seien diese Arbeitskräfte nun nicht mehr illegal, das sei ein Fortschritt, bemerkte der Landesvorsitzende des Gesundheitspolitischen Arbeitskreises der CSU, Dr. Christian Alex. Er sieht die Pflege künftig in kleinen Pflegewohnanlagen, die am besten an jedem Ort mit unter 5.000 Einwohnern entstehen sollten. Die Eigentumswohnungen lassen sich gut verkaufen und anschließend vermieten. „Viele Senioren sind in ihrem Eigenheim unterversorgt. Die Kinder kommen nicht an das Haus ran, das erst nach dem Tod vererbt wird. Deshalb ziehen sie weg.” Ein Umdenken sei notwendig.

Steuerumverteilung notwendig

Bernhard Kösslinger, Vorsitzender der Mittelstandsunion sagte, die Gesamt-Gesundheitskostenstruktur müsse verändert werden. „44 Milliarden wird der Staat bis 2020 unerwartet mehr einnehmen. Sie können dort eingebracht werden, anstatt sich um Krisen in aller Welt zu kümmern.” Kösslinger erhielt breite Zustimmung für seinen Vorschlag. Seidenath fügte an, in der Gesundheitswirtschaft in Bayern seien mehr Menschen beschäftigt als in der Automobilindustrie; Vorteil sei, dass diese Arbeitsplätze nicht einfach ins Ausland verlagert werden können. Peter Rahn, Vorstand des Klinikums Landsberg, gab einen Einblick in den Klinikalltag. Alle Patientendaten zu digitalisieren sei aus Kostengründen nicht möglich. Ein komplett digitales System werde auch durch den Datenschutz behindert, lohne sich aber langfristig.