„Bayer“ war auch Profiteur des Kriegs Vortrag von Philipp Mimkes bei Mittwochsdisko im Gasthof Maurerhansl in Dießen

Michael Fuchs-Gamböck  22. März 2016

Philipp Mimkes, Physiker und Vorstandsmitglied der „Coordination gegen Bayer-Gefahren“, referierte in Dießen im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Mittwochsdisko“ über die Geschäfte des Bayer-Konzerns. Foto (Ausschnitt): Rogner

Dießen – Die Veranstaltung im Saal des Dießener Maurerhansl begann vergangenen Mittwoch mit einem Bonmot: „Hier geht es um Bayer, nicht um Bayern”, meinte Veranstalter Peter Bierl zu den gut zwanzig anwesenden Gästen. Grund für diese launige Einführung: Während Bierl im Rahmen der regelmäßig stattfindenden Diskussionsveranstaltung „Mittwochsdisko” einen kundigen Referenten zum Thema „Die Geschäfte des Bayer-Konzerns” eingeladen hatte, fand parallel am selben Abend die von Fußballfans heiß ersehnte Champions League-Partie Bayern München – Juventus Turin statt. Es sollte der einzige Witz bei dieser Veranstaltung bleiben, weil deren Thema viel zu ernst, gelegentlich niederschmetternd war.

s8_NEUMittwochsdiskoReferent Philipp Mimkes führte den Zuhörer in seinem knapp einstündigen Vortrag in eine Welt ein, die geprägt ist von Pestiziden und Gentechnik, von gefährlichen Medikamenten und riskanten Altlasten. Und von der Gier nach möglichst viel Gewinn. Der Kölner ist studierter Physiker, er sitzt im Vorstand der „Coordination gegen Bayer-Gefahren” – einem Verein, der sich seit über vierzig Jahren kritisch mit dem Chemie-Multi auseinandersetzt sowie Kampagnen und Proteste gegen dessen Machenschaften organisiert.

Der 48-jährige Mimkes führte zunächst in die abwechslungsreiche Historie der 1863 in Nordrhein-Westfalen gegründeten Bayer AG ein. Er wies darauf hin, dass dieser Großkonzern seit jeher mit Problemen zu tun hatte – „nur waren es die ersten siebzig Jahre eher hausinterne Probleme, also Gefahren für die Arbeiter in den Werken, etwa Kessel-Explosionen, oder die Vergiftung der Natur rund um die Fabriken”, erklärte der Kölner. „Später allerdings wurde die breite Öffentlichkeit geschädigt, durch etliche der von Bayer hergestellten Produkte.”

Und heutzutage, fügte Mimkes hinzu, „geht die größte Belastung von Bayers nicht nachhaltigem Ressourcenverbrauch aus – es entstehen riesige Zerstörungen durch massiven Rohstoffabbau. Außerdem lehnt der Konzern ökologisch sinnvolle oder sicherheitstechnische Verbesserungen fast ausnahmslos ab. Das würde ja den Profit schmälern.”

Größter Sprengstofflieferant im Deutschen Reich

Der Profit ist und war stets der Hauptanspruch von Bayer, wie Philipp Mimkes nachdrücklich und dabei stets sachlich anhand etlicher Beispiele aus der Firmengeschichte belegen konnte. Das kurioseste Exempel ist wohl die massenhafte Herstellung von Heroin als Schmerzpräparat, ein Renner zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Trotz massiver Suchtgefahr wurde das Medikament über Jahre hinweg verkauft. Ansonsten waren der I. wie der II. Weltkrieg extrem lukrativ für den Großkonzern, erzählte der Kölner Physiker: „Bayer war der größte Sprengstofflieferant im Deutschen Reich, zudem war er dafür zuständig, das Militär mit ständig neuen Munitionsnachschub zu versorgen.” Am Ende des Abends stellte Philipp Mimkes ernüchtert fest: „Die Geschichte von Bayer ist diejenige eines Multis, dem Profit alles, Ethik nichts bedeutet. Kein Wunder, dass Bayer für Krieg war. Der bringt einem solchen Unternehmen mehr Umsatz als die Friedenszeit.” Und heute? „Hat man sich in erster Linie auf das Umweltthema in der Produktion verlegt. Bayer ist der zweitgrößte Pestizidhersteller der Welt.”

Zu guter Letzt, nach einer anregenden Diskussion, entließ Philipp Mimkes die Besucher immerhin mit einer vagen Hoffnung: „Der David-gegen-Goliath-Effekt wirkt immer mal wieder. Sprich: Wenn man die Bayer-Machenschaften zumindest ein bisschen in den Griff bekommen möchte, muss man sich gegen sie auflehnen und organisieren. Das führt innerhalb der Firmenstrukturen schon mal zu einem positiven Umdenken. Auf Dauer kann Bayer doch nicht gegen die eigene Kundschaft vorgehen. Oder?”