Gutachten für Blaues Haus Marktgemeinderat lässt Gebäude prüfen und will dann über Nutzung sprechen

Petra Straub  1. März 2016

Bis Mitte 2017 ist das Blaue Haus in der Prinz-Ludwig-Straße an Innenarchitekt Jürgen Bahls verpachtet. Ein Gutachten soll die Suche nach einer Folgenutzung erleichtern. Foto: AK-Archiv

Dießen – Wie geht‘s weiter mit dem Blauen Haus in Dießen? Der Vertrag mit Innenarchitekt Jürgen Bahls, der das Gebäude fast 14 Jahre lang von der Marktgemeinde gepachtet hat, läuft Mitte nächsten Jahres aus und wird seitens der Kommune nicht verlängert. Bei der vergangenen Marktgemeinderatssitzung wurde der Antrag der CSU-Fraktion behandelt. Sie möchte, dass sich das Ratsgremium Gedanken macht über eine zukunftsorientierte Nutzung des Gebäudes an der Prinz-Ludwig-Straße und fordert eine Überprüfung der Gebäudesubstanz, die Ermittlung der Sanierungskosten und im Gleichzug die Kostenermittlung für einen Neubau mit Tiefgarage an der Stelle. Einem Gutachten stimmte der Gemeinderat zu. Die geforderte Kostenschätzung für einen Neubau, in dem sich die CSU laut Antrag ein Geschosswohnungsbau-Modell für Einheimische in Verbindung mit Arztpraxen und gewerblicher Nutzung vorstellen kann, lehnt das Gremium jedoch ab. Bei einem derart wichtigen und präg-nanten Gebäude müsse rechtzeitig geplant werden, forderte Edgar Maginot (CSU) bei der Zusammenkunft im Rathaus. Es bestehe bereits „Interesse an bestimmten Räumen”, fuhr er fort. Doch vorerst gehe es um die Prüfung und noch nicht um die Planung.

Im Oktober vergangenen Jahres sei bei einer Besprechung der Fraktionsvorsitzenden entschieden worden, dass 50.000 Euro in den Haushalt eingestellt werden, um die Gebäudesubstanz prüfen zu lassen, erinnerte Zweiter Bürgermeister Peter Fastl (Freie Wähler), der Bürgermeister Herbert Kirsch bei der Sitzung vertrat. Es werde bereits ein Gutachter gesucht.

Dießen sei „Ort der Kunst und Kultur”, sagte Michael Hofmann (Bayernpartei). Ihm fehle ein Kulturzentrum. Seinem Vorschlag nach könne das Blaue Haus als „Dießener Kulturzentrum” genutzt werden. Theateraufführungen, Vorträge, Konzerte und Sonderausstellungen könnten dort durchgeführt werden und eventuell ein Heimatmuseum eingerichtet und ein Förderverein gegründet werden. Hofmann kann sich vorstellen, für das Projekt europäische Zuschüsse vom Förderprogramm Leader zu erhalten, ähnlich dem Beispiel in Bernbeuern. Vor der Sitzung hat er mit Bürgern gesprochen und Ideen gesammelt. Demnach gebe es das Puppenmuseum und Zinn von Ilse Schweizer, antike Keramik der Werkstatt Lösche und Schmiedekunst und historische Grabkreuze von Walter Spensberger, die dort gezeigt werden könnten. Auch Fischzucht und Fischereihandwerk könnten dort erlebbar werden. Die historische Bader- und Friseureinrichtung von Alfons Kotzbauer könnte zeigen, wie früher in einem Salon gearbeitet wurde. Es gebe zudem einen Nachlass von Anton Keil; seine Eisenbahn stehe aktuell im alten Schulhaus wie auch die Modelle der Hammerschmiede Ettenhuber. Privatbesitz und Heimatforscher könnten Modeln der Lebzelter und Wachszieher aus der Sammlung Spitzenberger präsentieren und die Heimatforscher ein Büro einrichten. Aus dem Bestand der Gemeinde sei es möglich, Bilder der Ammerseemaler auszustellen. Hofmann kann sich weiterhin eine kleine Gastronomie im Parterre vorstellen. Jugendreferent Michael Fuchs-Gamböck sieht zudem die Möglichkeit eines autonom gestalteten Jugendcafés im Blauen Haus. Diese Nutzung könnte mit der kulturellen verknüpft werden, sagte er. Eine Arztpraxis, die bereits im Gespräch war, sei dort nicht geeignet.

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Dass vor der Übernahme des Gebäudes durch Jürgen Bahls bereits geplant gewesen sei, das Blaue Haus abzureißen, erwähnte Franz Kubat (Dießener Bürger). Die Kommune habe bereits Mittel für den Abbruch des Gebäudes im Haushalt berücksichtigt. Zu viele erhaltenswerte Gebäude sind seiner Meinung nach in Dießen in Vergangenheit entfernt worden. Er monierte deshalb auch den CSU-Antrag, der den Abbruch des um 1900 erstellten Gebäudes, des einstigen Hotels Ammersee, in Erwägung ziehe.

Die Begutachtung jetzt anzugehen, forderten Hanni Baur und Erich Schöpflin von der SPD. Marc Schlüpmann (Grüne) will zudem den Grundstückspreis für das Gelände ermitteln lassen.

Der Mietvertrag mit Bahls wurde nicht verlängert, weil man sich über anstehende Renovierungen nicht einig wurde. Bevor der Innenarchitekt das Gebäude 2003 übernahm, war der Abbruch bereits beschlossen. Bahls sanierte es und erhielt im Gegenzug günstige Mietbedingungen. Gerne hätte er das Gebäude, in dem Büros von Firmen und im Parterre ein Strickcafé beherbergt sind, für weitere fünf Jahre gepachtet.