Kiosk: Bürger fordern Neuplanung Bislang über 400 Unterschriften bei Bürgerbegehren – Änderungen vorgeschlagen

Petra Straub  8. Dezember 2015

Kurzfristig lieferten Planer aus Dießen, Schondorf und Raisting Entwürfe für einen Kiosk in den Dießener Seeanlagen. Die Bürger betrachteten sie mit Interesse. Fotos (4): Straub

Dießen – Das Interesse war groß an den ausgestellten Seekiosk-Entwürfen, die am Samstag und Sonntag im Rahmen eines Bürgerbegehrens, das sich gegen die Planung der Marktgemeinde richtet, im Blauen Haus gezeigt wurden. Planer aus Dießen, Raisting und Schondorf fertigten auf Anregung des Dießener Architekten Matthias Krapf Entwürfe. Krapf sowie Heide Tücking-Seidl und Frigga Dettmer wollen die vom Marktgemeinderat mit fünf Gegenstimmen genehmigte Planung des Stuttgarter Büros „Engelsmann Peters Beratende Architekten GmbH” stoppen und einen Wettbewerb für einen neuen Kiosk ausloben. Dieser soll eine überdachte Freifläche sowie Sitzflächen erhalten. Bürger haben von Donnerstag bis Sonntag erneut Gelegenheit, einen Blick auf die Entwürfe zu werfen. Zudem liegen in Dießener Geschäften Unterschriftslisten aus, in denen man gegen die Planung der Marktgemeinde und für eine Neuplanung im Rahmen eines Bürgerbegehrens votieren kann.

Joseph Pföderl aus Dießen entwarf einen Kiosk mit angedeuteter Welle.

Joseph Pföderl aus Dießen entwarf einen Kiosk mit angedeuteter Welle.

Bis jetzt haben deutlich über 400 Bürger ab 18 Jahre die Unterschriftenlisten in den ersten drei Tagen unterschrieben, laut Mitinitiator Matthias Krapf. Insgesamt sind 9 Prozent der Wahlberechtigten nötig, das wären rund 800, um aus dem Bürgerbegehren einen Bürgerentscheid zu machen. Bei diesem ist dann jeder wahlberechtigte Bürger aufgefordert, Stellung zu beziehen. Laut Bürgerbegehren soll auch die geplante Dachform mit drei asymmetrischen Satteldächern nicht zur Ausführung kommen. Warum? Begründet wird das Vorgehen damit, dass die Kommune als Bauherr des Kiosks nicht auf die Wünsche der Bürger eingehe. Und: Nur ein Kiosk mit genehmigter Sitzfläche und kleiner Bewirtung biete die wirtschaftliche Grundlage für einen Betrieb des Kiosks und die Möglichkeit zum Verweilen am See. Eine überdachte Freifläche sei als Unterstand für Kioskgäste, Spaziergänger, Radfahrer und die Fahrgäste der Ammersee-Schifffahrt bei Regen notwendig. Nur durch einen Wettbewerb, der durch die Regierung von Oberbayern zu sechzig Prozent gefördert werde, sei es möglich, aus mehreren Vorschlägen den optimalen auszuwählen.

Karl Dreer zeigt Bauten mit Flachdach und Sitzmöglichkeiten im Norden.

Karl Dreer zeigt Bauten mit Flachdach und Sitzmöglichkeiten im Norden.

Die im Rahmen des Bürgerbegehrens gezeigten Entwürfe berücksichtigen bereits die Anforderungen mit überdachter Freifläche und Sitzplätzen: Matthias Krapfs Entwurf sieht Sitzplätze auf dem Dach des Kiosks vor, wodurch der Vorplatz des Kiosks überdacht wird. Auch der von Architekt Richard Stowasser aus Riederau gefertigte Entwurf zeigt eine Dachterrasse. Architekt Joseph Pföderl aus Dießen hatte die Idee zu einem auf der Rückseite nach außen gewölbten Gebäude, das einer auslaufenden Welle nachempfunden ist. Es enthält ein großes Vordach und auf der Südseite einen offenen Pavillon. Der ovale Korpus des von Architekt Wolf Frey aus Dießen gezeigten Entwurfs vom „Westside Kiox” mit Flachdach erinnert an den Aufbau eines Segelschiffs, und Karl Dreer aus Raisting zeigt moderne Flachdach-Varianten mit Sitzmöglichkeiten auf der Nordseite – mal im Freien, mal ummantelt. Innenarchitekt Jürgen Bahls präsentiert einen quadratischen Bau mit Flachdach und vorgesetztem, halbrunden Kiosk und Sitzmöglichkeiten im südlichen Außenbereich. Die Grafikerin Sascha Lehmann aus Dießen schlägt mit der Dachform einen Bogen zum benachbarten Künstlerpavillon und sieht eine überdachte Freifäche im südlichen Bereich vor.

Futuristisch das Modell eines ovalen Baukörpers von Wolf Frey aus Dießen.

Futuristisch das Modell eines ovalen Baukörpers von Wolf Frey aus Dießen.

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Kreatives Potential in der Ausstellung

Die Entwürfe zeigen eine überraschende Vielfalt an Lösungsmöglichkeiten für den Kiosk

Die Variante der Architekturstudentin Eva Maria Stainer aus Dießen zeigt ein Gebäude mit Giebeldach ohne Überstand und überdachten Sitzplätzen zwischen WCs und Verkauf. Skizzen mit verschiedensten Dachformen zeigt das Unternehmen „Sebastian Murr Architekten” aus Dießen. Auch Peter M. Gradl aus Schondorf beteiligt sich mit einem Entwurf eines eingeschossigen quadratischen Gebäudes mit Flachdach.

Jürgen Bahls Entwurf sieht einen halbrunden Kiosk mit Unterstellmöglichkeit vor.

Jürgen Bahls Entwurf sieht einen halbrunden Kiosk mit Unterstellmöglichkeit vor.

Es handelt sich um Entwürfe, die innerhalb von eineinhalb Wochen gezeichnet wurden. Bei vielen ist die Detailplanung, zum Beispiel behindertengerechte Ausführung, nicht berücksichtigt. Sie zeigen aber alle, welch kreatives Potential in der Marktgemeinde und in der näheren Umgebung vorhanden ist. Jürgen Bahls äußerte bei der Präsentation der Entwürfe gegenüber dem Ammersee Kurier, dass die Aufgabenstellung einer Kioskplanung durch die Erweiterung auf ein Café von manchen Planern nicht genau getroffen wurde. Matthias Krapf ist zuversichtlich, dass in den folgenden Tagen die geforderte Zahl der Unterschriften erreicht wird: „Bei uns haben in zwei Tagen mehr als 400 Bürger für das Bürgerbegehren votiert, also werden wir den Rest wahrscheinlich auch noch bekommen. Aber man darf nicht zu siegessicher sein.”

Mittlerweile sind auch Modelle einer Klasse der Mädchenrealschule für einen Kiosk ausgestellt. Die Unterschriftenliste für das Bürgerbegehren liegen aus im Dießener Kopierzentrum (Schützenstraße 1), bei Lissi Rott (Mode Schuhe Accessoires, Bahnhofstraße 5), im Grappa Shop (Mühlstraße 24), in der St. Hubertus Apotheke (Prinz-Ludwig-Straße 22), bei Schreibwaren Wagner (Mühlstraße 6), bei Feinkost Loh (Herrenstraße 22) und in der Römhild-Apotheke (Prinz-Ludwig-Straße 1). Die Ausstellung der Entwürfe im Blauen Haus ist von Donnerstag, 10. bis Sonntag, 13. Dezember, von 11 bis 18 Uhr, zugänglich.

Petra Straub/Alois Kramer