Neue Nutzung für Blaues Haus Gemeinde beendet das Mietverhältnis mit Architekt Jürgen Bahls im Juli 2017

Petra Straub  30. Oktober 2015

Architekt Jürgen Bahls hat das Blaue Haus in der Prinz-Ludwig-Straße in Dießen bis Mitte 2017 gemietet. Wie das Gebäude anschließend genutzt wird, ist noch nicht klar. Foto: Millonig

Dießen – Bis Mitte 2017 hat Architekt Jürgen Bahls das Blaue Haus in der Prinz-Ludwig-Straße in Dießen von der Gemeinde gemietet. Der Finanzausschuss entschied, den Vertrag nicht mehr zu verlängern. Wie das Gebäude anschließend genutzt wird, ist noch unklar. Der Gemeinderat wird sich, laut Bürgermeister Herbert Kirsch, im nächsten Jahr mit dem Thema befassen.

Als Bahls das Gebäude übernahm, schwebte eigentlich schon die Abrissbirne über dem alten Haus. Die Kommune hatte bereits Mittel für den Abriss des um 1900 entstandenen Gebäudes bereitgestellt. Doch als der Heimatverein Dießen dort im Frühjahr 2003 zu einer Lesung einlud, war das Gebäude plötzlich wieder Gesprächsthema. Bahls bekundete Interesse daran, man kam vertraglich überein. Eigenen Angaben zufolge investierte er knapp eine halbe Million Euro in die Sanierung und erhielt dafür von der Gemeinde einen günstigen Mietpreis. Er richtete sich dort ein Architekturbüro ein und vermietete Räumlichkeiten unter. Es entstand ein Veranstaltungsraum, in dem einige Jahre regelmäßig Veranstaltungen des Kulturforums stattfanden. Zudem gab es ein Café mit drei verschiedenen Pächtern.

Einst ein edles Hotel

Anfangs war das edle Gebäude als Hotel Ammersee genutzt worden. Im Pavillon auf der Ostseite fanden häufig Veranstaltungen statt. Mehrere Besitzerwechsel folgten. Im Nationalsozialismus war dort eine Schule untergebracht und wurde das Gebäude zur Kinderlandverschickung genutzt. Nach dem Krieg war es in Besitz des Freistaats; es wurden schwerstverletzte ehemalige Soldaten beherbergt. Vom Coop-Revisionsverband der Deutschen Konsumgenossenschaft wurde das Gebäude in den 1950er Jahren erworben. Er führte es als Schulungsheim („Coop-Seminar”). Als privates Schulungszentrum lief es bis 1989. Flüchtlinge aus der ehemaligen DDR waren untergebracht. 1992 kaufte die Gemeinde das Gebäude, fand jedoch keine sinnvolle Nutzung dafür.

Jürgen Bahls hat das Gebäude anfangs für sieben Jahre angemietet, anschließend zweimal für drei Jahre. Seinen Angaben nach war er erneut an einem Mietvertrag für fünf Jahre interessiert und habe er dem Ratsgremium sein Konzept präsentiert. Dies wäre jedoch seitens der Kommune mit einer Sanierung verknüpft gewesen. Dachsanierung und Malerarbeiten wären gefordert gewesen. Die Kommune habe zudem die Kosten für die Ausstattung des Gebäudes mit Wohnungen wissen wollen: 2,1 Millionen Euro schätzt Bahls für die Maßnahme an dem Objekt mit rund 900 Quadratmetern Nutzfläche.

Bis Vertragsende noch Mieter zu finden sei schwierig, sagt Bahls. Grundsätzlich sei jedoch Nachfrage vorhanden. Das Café wird bis Ende Januar, von Donnerstag bis Sonntag, 10 bis 18 Uhr, als Strickcafé weiter betrieben. „All we knit is love” ist das Motto der Dreimonatsaktion von Christine Graf, die heute dort startet. Im Rahmen des Charityprojekts zugunsten des Netzwerks Asyl Ammersee-West und des Vereins „Zukunft für Kinder der Welt” wird in dem Kultcafé bei Kaffee, Kuchen und Suppe gestrickt, und es besteht die Möglichkeit, Wolle und Designerware zu erwerben sowie wechselnde Künstlerpräsentationen zu erleben. Auch der Veranstaltungsraum werde weiter genutzt. Architekt Bahls möchte sich aus dem Beruf zurückziehen und mit der Familie in Norddeutschland leben.