Das “Kleine Format” endlich wieder da: Großer Andrang Dießen erwirbt drei Werke der Publikumslieblinge – Noch bis 1. November zu sehen

Dagmar Kübler  20. Oktober 2015

Die teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler beim "Kleinen Format" (Organisatorin Annunciata Foresti li. im Bild). Foto: Kübler

Dießen – Das Kleine Format ist zurück. Eine der ungewöhnlichsten Ausstellungen in der Region hatte am Freitagabend Vernissage. Bei großem Andrang wurde die Bilder- und Skulpturenschau eröffnet.

Bei der Produzentenausstellung präsentieren 31 Künstler rund 235 Gemälde, Skulpturen und Installationen im Blauen Haus in Dießen. Bei der Vernissage herrschte großer Besucherandrang. Rund 270 Gäste nutzen die Schau auch, um bei einem Glas Champagner mit den Künstlern ins Gespräch zu kommen. Der Bitte von MdL Dr. Sepp Dürr, die Werke nicht nur zu betrachten, sondern auch zu kaufen, kamen innerhalb kurzer Zeit etwa dreißig Kunstfreunde nach.

Das Kleine Format zeigt mit dieser Ausstellung, wie vielfältig und schöpferisch die Künstler in der Region und darüberhinaus sind. Es ist ein spannender Mix aus unterschiedlichsten Stilrichtungen. Mittlerweile ist das Kleine Format zu einer festen Größe im kulturellen Leben der Marktgemeinde geworden. Entstanden aus der Eigeninitiative von Annunciata Foresti, der Gründerin und Vorsitzenden des Vereins Kunstformat, von der das Kleine Format organisiert und kuratiert wird.

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Großer Andrang beim “Kleine Format”

Annunciata Foresti und Bürgermeister Herbert Kirsch vor den Werken von Bernd Zimmer (links) und den Gemälden der Gewinnerin des Publikumspreises, Angela Smets (rechts). Foto: Kübler

Annunciata Foresti und Bürgermeister Herbert Kirsch vor den Werken von Bernd Zimmer (links) und den Gemälden der Gewinnerin des Publikumspreises, Angela Smets (rechts). Foto: Kübler

Eine Überraschung jagte die andere bei der Vernissage der siebten Produzentenausstellung „Das kleine Format” im blauen Haus in Dießen. Die größte war die Wahl des Publikumslieblings. Die Mehrheit der Besucher entschied sich für die Werke der Malerin Angela Smets, die neben den farbkräftigen des bekannten Künstlers Bernd Zimmer zart und fast unscheinbar wirkten – aber dennoch viele Blicke auf sich gezogen hatten. Smets, die sich zum ersten Mal an der Ausstellung beteiligte, war ebenso wie Annunciata Foresti, die die Münchnerin eingeladen hatte, völlig erstaunt über diese Auszeichnung und freute sich riesig. Traditionsgemäß kauft die Gemeinde Dießen stets ein Werk aus dieser Prämierung: Heuer werden gleich drei Kunstwerke künftig das Dießener Rathaus verschönern, denn die ersten drei Plätze lagen Kopf an Kopf, so Bürgermeister Herbert Kirsch.

Zusammen mit den anwesenden Gemeinderäten wählte er ein Gemälde von Smets sowie eine Skulptur der zweitplatzierten Angelika Littwin-Pieper und ein Bild der drittplatzierten Malerin Ingried Stuckenberger aus. Überrascht und erfreut zeigten sich die Veranstalter um Annunciata Foresti auch von der Zahl und der Kauflust der Besucher: Im Ausstellungsraum herrschte zeitweilig Gedränge, vor manchen Hängungen musste auf den freien Blick geduldig gewartet werden. Etwa 30 Kunstwerke wechselten an diesem Abend den Besitzer. Das Konzept des „Kleinen Formats” ging auch heuer wieder auf. Kleine Formate erlauben eine Vielfalt verschiedener Künstler, eine große Zahl an Bildern und Skulpturen – zirka 235 Stücke werden ausgestellt – und relativ kleine Preise. Laut Liste liegen die Preise der gezeigten Werke zwischen 65 und 500 Euro.

Kunst schlägt eine Brücke

Foresti riet in ihrer Eröffnungsrede den Besuchern, sich von den Stimmungen, Farben und Kompositionen der Kunstwerke entführen zu lassen. „Die Kunst schlägt eine Brücke zu unserem Inneren.” Sie sei nichts für Anpasser und Gleichgänger und dürfe ihre Ecken und Kanten haben, so Foresti. Ihr Dank ging an die zwölf Menschen, die im Hintergrund arbeitend diese Ausstellung möglich und sogar eine Biennale daraus gemacht haben. Eine Sonderausstellung im Rahmen des „Kleine Formats” ist in den Räumen des Craft Bräu in Dießen zu sehen.

Fliegende Kühe und Schweinsnasen

Dort warten die Figuren von Holzbildhauer Johannes Rössle „auf Bier”. Bürgermeister Kirsch dankte Foresti: „Sie haben wieder eine tolle Ausstel lung auf die Füße gestellt.” Er hob insbesondere den Wert von Vernissagen hervor, die es den Besuchern ermöglichen, die Künstler kennenzulernen, die hinter den jeweiligen Kunstwerken stecken. MdL Dr. Sepp Dürr sprach in seiner Rede die Hoffnung aus, dass sich die Ausstellung auch für die Künstler lohnen möge. „Eine Kulturlandschaft kann sich nur dort erhalten, wo die Produzenten davon leben können. Es ist schön, ausgestellt zu werden, aber existenzsichernder, gekauft zu werden.”

Schnell klebten die ersten roten Punkte an einigen Werken, zum Beispiel an den Wolkenbildern von Dieter Ziegenfeuter aus Dortmund. Seine Wolken spiegeln Stimmungen: Die einen schweben leicht und weiß über pastellfarbener Landschaft, andere hängen tief und grau voller Schwermut. Viele skurrile Motive zogen die Gäste in ihren Bann: Die lebensechten Köpfe mit ihren kleinen Eigenheiten wie Schweinsnasen und Vampirzähne, geformt von Angela Eberhard beispielsweise, die fliegenden Kühe von Eva Hahn-Lüps, die man bereits auf dem Uttinger Sommermarkt bestaunen konnte, aber auch Stillleben von Anh Duc Nguyen, in denen Turnschuhe neben einem Totenkopf arrangiert wurden. Ihren Innenbildern und Seelenzuständen gibt die Malerin Katharina Schellenberger in ihren Bildern Raum. Foresti präsentierte Unikate: Fotos vom Ammersee, die sie in einer eigenentwickelten Technik auf Stahlplatten übertragen hatte.

Die Ausstellung ist noch bis 1. November zu sehen. Sie ist von Freitag bis Sonntag von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Am 18. und 25. Oktober um 15 Uhr begibt sich Nue Ammann während einer Führung gemeinsam mit den Besuchern in einen Dialog mit den Kunstwerken.