Die zwei Super-Cineasten vom Ammersee Dr. Doris Apell-Kölmel und Dr. Michael Kölmel sind mehr als nur die Betreiber des Dießener Kinos

Michael Fuchs-Gamböck  21. Juli 2015

Dr. Apell-Kölmel ist Kunsthistorikerin und Dr. Michael Kölmel studierte Mathematik und Volkswirtschaftslehre. Beide verbindet die Liebe zum Kino. Foto: Kramer

Dießen – Und wieder ein Steinchen im kuriosen Erfolgs-Mosaik der Ehegatten Doris Apell-Kölmel und Michael Kölmel: Ab dem 23. Juli wird in der Dießener „Kinowelt” – also in einem der beiden eigenen Vorführsäle des Paars – der auf der diesjährigen Berlinale mit dem „Goldenen Bären” ausgezeichnete Film „Taxi Teheran” des iranischen Regisseurs Jafar Panahi über die Leinwand flimmern.

„Ich habe es geliebt im Kino Filme anzuschauen”

Ein Außenseiter-Projekt. Und ein grandioses Roadmovie des in seiner Heimat bekanntesten politischen Gefangenen aus der Kunstwelt. Panahi wurde mehrfach inhaftiert, 2010 zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt mit 20 Jahren Berufs- und Reiseverbot. Gegen eine hohe Kaution kam er frei. Trotz vieler Schikanen gelang es ihm, einen Film zu drehen und auf verschlungenen Pfaden außer Landes zum Wettbewerb der Berlinale zu schmuggeln. „Taxi Teheran” ist der bislang beste Film des großen iranischen Regiemeisters. Was aber hat so ein aufrührerischer Film mit dem idyllischen Ammersee und seinem Kinoprogramm zu tun? Und: Was hat er schließlich mit dem Ehepaar Apell-Kölmel/Kölmel zu tun? Eine ganze Menge, wenn man sich die Biographien der Beiden betrachtet.

Michael Kölmel initiiert den Filmclub an der Uni Göttingen

Michael Kölmel wird 1954 in Karlsruhe geboren. Er studiert Mathematik und Volkswirtschaftslehre zunächst in Göttingen. Hoch-Wissenschaftliches demnach – „doch tief im Herzen war ich schon seit meiner frühen Jugend Cineast, ich habe es geliebt, Filme im Kino anzuschauen”, schwärmt der sympathische Zeitgenosse mit jungenhaftem Grinsen auf den Lippen. Kölmel initiiert 1978 an der Uni Göttingen einen Filmclub.

Doris Apell promoviert im Fach Kunstgeschichte und leitet zu der Zeit das „Göttinger Filmfest”, für das Michael sich bald engagiert. Doris und Michael verstehen sich prächtig, die Obsession entflammt schon bald nicht nur für Low-Budget-Filme, sondern auch untereinander. Rasch ist man ein Liebespaar, das ist man bis heute. „Die Arbeitsteilung zwischen uns wurde damals festgelegt”, feixt Kölmel: „Ich war der Vorführer, Doris die Organisatorin.

Seit 1. April 2010 Honorarprofessor an der Uni Leipzig

Daran hat sich im Laufe der Jahrzehnte nichts Wesentliches geändert. Und das ist gut so. Denn meine Frau hat die Verwaltung im Griff, wofür ich ihr extrem dankbar bin. Ich hingegen bin fürs kreative Element zuständig.” So nüchtern das Leben als studierter Mathematiker sein mag – Kölmel ist seit dem 1. April 2010 Honorarprofessor an der Universität Leipzig am Lehrstuhl Medienwissenschaft und Medienkultur –, so abenteuerlich ist sein sonstiges Berufsleben.

1984 gründete er mit seinem sieben Jahre älteren Bruder Rainer den Filmverleih „Kinowelt”, der spezialisiert war auf relativ unbekannte Produktionen für Programmkinos. „Das plätscherte vor sich hin”, reflektiert der Karlsruher, „doch 1996 bekamen wir die Rechte für den Blockbuster ,Der englische Patient´. Danach ging es richtig aufwärts mit der Firma.” Aber nicht nur Kino ist eine gewaltige Leidenschaft des Karlsruhers, sondern auch der Kampf ums runde
Leder.

Fußballfreund

Im Jahr 2000 bekommt Kölmel den Zuschlag für Umbau und Betrieb des Leipziger „Zentralstadions”. Kölmel erzählt: „Wir haben damals eher schwach aufgestellte Clubs wie Eintracht Braunschweig, Union Berlin oder meinen geliebten Heimatverein Karlsruher SC finanziell unterstützt, damit die wieder auf die Beine kommen. Hat meistens recht gut geklappt.

Und das Stadion in Leipzig ist heutzutage nicht nur eine Arena, in der gekickt wird. Sondern in der auch Stars wie Coldplay oder Herbert Grönemeyer Konzerte absolvieren.” Ein Erfolgs-Mosaiksteinchen des Ehepaars Kölmel. 2006 wurde bekannt, dass sich Kölmel auch bei der alteingesessenen, von der Hippie-Kultur stark verehrten Frankfurter Verlags-, Musik- und Buchhandelsfirma „Zweitausendeins” beteiligt.

Den Zweitausendeins-Verlag radikal umgewandelt

Doris Apell-Kölmel sowie ihr Ehemann Michael gestalten das 1969 gegründete Kult-Unternehmen radikal um: „Wir haben nach und nach die eigenen Läden geschlossen”, erklärt Kölmel, „stattdessen haben wir auf Internet-Versand umgestellt. Und es gibt jetzt immer mehr Kooperationen mit ausschließlich unabhängig agierenden Buchläden. Stolz sind wir auf die große Filmedition auf DVD und Blu-Ray mit Werken bedeutender deutscher und europäischer Regisseure wie Werner Herzog oder Aki Kaurismäki sowie Buchtitel wie „Die Tagebücher der Brüder Goncourt” und unser umfangreiches Musikprogramm.”

Und sonst? Seit Kurzem gibt es die Firma „Weltkino”, einen Filmverleih, den Michael gemeinsam mit dem Münchner Filmproduzenten Dietmar Güntsche betreibt, der eben „Taxi Teheran” in die Kinos bringt.

Dießener Kino 1999 erstanden

Und zu guter Letzt gibt es die „Kinowelt am Ammersee” in Dießen samt zwei Vorführsälen, mit dem das Ehepaar einiges vorhat: „Wir haben das ehemalige Kinogebäude 1999 erstanden”, berichtet Doris Apell-Kölmel, „um es nach unseren Vorstellungen umzubauen. Kino und Restaurant „CineBar”, da kann man Filme schauen und hinterher sich treffen oder tagsüber am Bach einen Cappuccino trinken.

Die neue Nordterrasse wird jetzt parallel zur Mühlstraßensanierung fertiggestellt. Im Kino zeigen wir Kinderfilme, Blockbuster und natürlich Arthaus-Filme. Im Saal wurden sogar schon Heiratsanträge beim extra gebuchten Lieblingsfilm gemacht – wie romantisch!

Jetzt kommt der wundervoll witzige und ernste Film „Taxi Teheran”, eine Liebeserklärung an das Filmemachen, ein Plädoyer für freie Meinungsäußerung. So etwas wird es in unserem Kino immer wieder zu bestaunen geben.”