Die innere Struktur von Farbe Arbeiten von Cigdem Akyigit im Schondorfer Studio Rose noch am Wochenende zu sehen

ak  15. Mai 2015

Die Künsterlin Cigdem Akyigit mit dem Laudator Dr. Hajo Düchting (r.) und der Leiter des Studio Rose, Michael Sorger. Fotos (2): hd

Schondorf – Das renommierte Studio Rose in Schondorf zeigt neue Arbeiten der jungen Künstlerin Cigdem Akyigit (Jahrgang 1989), die in München bei Professor Jerry Zeniuk studierte und aktuell in Karlsruhe bei Professor Helmut Dorner. Ab 2013 wandte sie sich ganz der abstrakten Malerei zu.

Dies ist die konsequente Folgerung ihrer intensiven Suche nach einer Struktur, die sich nicht mit Assoziationen aufdrängt, aber doch materiell genug ist, um der Farbe, ihr eigentliches Thema, einen „Grund” zu geben. Ausgangspunkt ihrer Untersuchungen zur Farbe waren am Anfang ihrer Studienzeit gegenständliche Arbeiten, in denen jedoch schon die Ablösung der Farbe vom Gegenstand vorgegeben war. Immer stärker hat sich dabei ein Bildelement verselbstständigt und herausgelöst, das sowohl in der gegenständlichen wie in der abstrakten Malerei eine dominante Rolle spielen kann: der Streifen.

Farbe ist das wichtigste gestalterische Element der Malerin.

Farbe ist das wichtigste gestalterische Element der Malerin.

In einem ihrer letzten gegenständlichen Bilder, der „Streifenlandschaft” (2012), ist diese zunehmende Fixierung auf die kompositionelle Struktur in Streifen bereits in einen hohen Grad der Abstraktion übergegangen, wären da nicht die eingefügten Häuser (und ein Traktor), die die Konnotation als Landschaft dominieren. In einem nächsten Schritt fallen dann alle gegenständlich lesbaren Elemente zugunsten einer vollkommen abstrakt-autonomen Bildstruktur aus Farbleisten und -streifen weg. Die Komposition baut sich nun aus übereinander gelegten und teilweise ineinander verflochtenen Lagen von intensiven Farben auf, die sich teils als rechteckig geformte Leisten, teils als locker gestische Streifen geben.

Während sich die gestischer gesetzten Streifen in Bildmitte konzentrieren, umgibt sie vom Rand her ein System aus verschränkten Leisten, die der Komposition immer einen festen Rahmen verleihen. Der Schwerpunkt ihrer malerischen Forschung liegt aber ganz ohne Zweifel in der Suche nach einer autonomen Farb-Struktur, die sich im Bild ohne Zwang, ohne Bindung an feste farbtheoretische Regeln, entfalten kann.

Es wechseln dabei leuchtende Primärfarben mit gedämpfteren Nuancen und auch Grauwerten, die aber insgesamt keine farbharmonische Austarierung anstreben, sondern sich gegenseitig zu einer selbstreflexiven Malerei unterstützen. Farbe ist ein Thema, das viele Maler ein Leben lang nicht mehr loslässt!

Farbe bleibt das wichtigste Element des bildnerischen Gestaltens, wird aber stets wieder neu und auf je andere Weise angewandt. Die Funktion der Farbe veränderte sich sowohl in den unterschiedlichen Epochen der Kunstgeschichte wie auch von Maler zu Maler und von Werk zu Werk. Der bleibende Wert der Malerei liegt gerade in dieser individuellen Ansprache auf Farbe und Material, das auch im Ansturm der Neuen Medien nie seinen Reiz und seine Wirkung auf den Betrachter verlieren wird.

Auch Cigdem Akyigit steht am Anfang einer – hoffentlich – lebenslangen Forschung an und mit der Farbe, zu der sie ihre ersten beachtlichen Ergebnisse vorgelegt hat.

Ihre Bilder gehen bereits jetzt weit über das in der Kunstszene übliche Angebot von Farbstilen hinaus und offenbaren ein wahres Talent, eine Hingabe und Intensität, die sicher noch reiche Früchte tragen wird! Ausstellung Cigdem Akyigit im Studio Rose, Bahnhofstr. 35, 86938 Schondorf, Öffnungszeiten: nur noch am Samstag, 16. und Sonntag, 17. Mai, jeweils von 11 bis 18 Uhr.

Dr. Hajo Düchting

 

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