Menschen am Ammersee: Künstler Martin Gensbaur Das Motto des Dießener Malers ist: „Die Dinge groß sehen“ – Weglassen, Zusammenfassen, monumental Zeitloses erfassen

Alois Kramer  12. Mai 2015

Martin Gensbaur ist ein hoch reflektierter Künstler. Das Foto enstand in seinem Atelierraum, der hinter dem Kunstfenster liegt. Fotos (4): Kramer

Dießen – „Glauben Sie Leuten, die Bilder machen, nichts! Bilder sind keine Realität, sondern Vision, Ansichtssache, reine Erfindung, allenfalls von der Wirklichkeit ermöglicht. Bilder sind Inszenierungen, dem Auge eines Anderen zu verdanken. Alles, was an Realität in ihnen steckt, ist bestenfalls ein Déjà vu des Betrachters, die Erinnerung, so etwas schon irgendwann und irgendwo einmal gesehen zu haben.” Hier spricht einer, der von der Sache etwas versteht. Der Dießener Martin Gensbaur ist nicht nur ein exzellenter, sondern auch ein gelehrter Künstler, der theoretisch über seine Arbeiten reflektieren kann.

1958 in München geboren, studierte Gensbaur von 1977 bis 1984 an der Akademie der Bildenden Künste in München. Er erwarb dort das Diplom für Malerei und Graphik und absolvierte das Erste und Zweite Staatsexamen. Seit 1984 arbeitet Gensbaur als Kunsterzieher am Gymnasium. Außerdem ist der Studiendirektor Leiter des Fachseminars Kunst am Erasmus-Grasser-Gymnasium in Münchnen.

Die Werke des Künstlers sind in den vergangenen Jahren in zahlreichen Einzelausstellungen in München, Herrsching Bissingen, Landsberg, Schondorf und selbstverständlich auch in Dießen gezeigt worden. Eines seiner gegenwärtige Projekte ist das „Kunstfenster”.

Das Kunstfenster an der Hofmark Nr. 13 in Dießen soll zur Auseinandersetzung mit Kunst einladen. Wenn auch nur für den Bruchteil von Sekunden im Vorbeifahren. Foto: oh

Das Kunstfenster an der Hofmark Nr. 13 in Dießen soll zur Auseinandersetzung mit Kunst einladen. Wenn auch nur für den Bruchteil von Sekunden im Vorbeifahren. Foto: oh

Nach dem Vorbild vergleichbarer Initiativen in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist an einer der verkehrsreichsten Stellern der Region Ammersee-West an der Hofmark in Dießen im Kunstfenster eine ständige Präsentation zu sehen. Zwei bis dreimal im Jahr finden hier Ausstellungen, Vorträge und offene Werkstattgespräche statt, zu denen Martin Gensbaur und seine Frau, die Kunsthistorikerin Dr. Ulrike Gensbaur, einladen.

Ein Merkmal der Fenster ist deren schmucklose Präsenz im öffentlichen Raum. Sie sind transparent und bereit für den Dialog mit denen, die die Engstelle täglich passieren. Es ist eine Einladung zu einer spontanen Begegnung mit zeitgenössischer Kunst. Wenn auch nur im Vorbeifahren.

Gensbaur ist ein Maler, der vor Ort malt, nicht nur im Atelier. Dadurch lässt er eine ganz andere Nähe zum gemalten Gegenstand entstehen. Das spürt man in seine Bildern. So kann es aber auch sein, sagt der Künstler, dass er erst beim Malen in der freien Natur oder in der Stadt sein Motiv findet.

Martin Gensbaur macht den Ort selbst zum Gegenstand seiner Bilder.

Martin Gensbaur macht den Ort selbst zum Gegenstand seiner Bilder.

Im aktuellen Kunstfenster werden die Bilder des Malers Gensbaur mit den Fotoarbeiten des Dießener Fotografen Jörg Kranzfelder kontrastiert. So kann ein Dialog zweier unterschiedlicher Bildmedien entstehen. „Das gemeinsame Projekt hat sich einfach ergeben. Wo wir das Fotostativ oder die Staffelei aufbauen, packt kein Tourist die Kamera aus.” Nach dem Programm: Die Dinge groß sehen.

Dieses Bild entstand im Frühjahr an der Via Aurelia in Italien. Gensbaur arbeitet mit der Staffelei vor Ort.

Dieses Bild entstand im Frühjahr an der Via Aurelia in Italien. Gensbaur arbeitet mit der Staffelei vor Ort.

Zum Töpfermarkt öffnen sich die Fenster für einen „showroom” mit Malerei und Fotografie im Dialog. Beide Künstler sind am Sonntag, 17. Mai, von 16 Uhr bis 18 Uhr, in der Ausstellung anwesend.

Aktuelle Informationen im Internet unter: www.kunstfenster-diessen.de

Durch die Malerei wird der Ort verwandelt.

Durch die Malerei wird der Ort verwandelt.

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