Co-Working am Ammersee als eine Zukunft der Arbeit „Cowork2015“: Das Ammersee Denkerhaus findet auf der Konferenz als Pionier für „Coworking auf dem Lande“ große Beachtung

ak  28. April 2015

In Deutschland gehört das Dießener Denkerhaus zu einer der 300 Co-Working-Spaces. Vielen Menschen gefällt die Atmosphäre, aber es ist nicht nur eine Bürogemeinschaft. Foto: oh

Dießen – Berlin, Düsseldorf, Hamburg, Karlsruhe, Leipzig, Mallorca, München, Salzburg, Stuttgart, Wolfsburg, Zürich… und mittendrin: Dießen am Ammersee. Die „Cowork2015, Coworking Barcamp & Konferenz”, Ende März in Stuttgart, führte die deutschsprachigen Coworking-Initiativen zusammen. Als „1. Coworking-Space auf dem Lande” präsentierte sich das Ammersee Denkerhaus – mit großem Erfolg.

Weltweit gibt es inzwischen 3.000 Coworking-Spaces, in Deutschland sind es etwa 300, in denen mehr als 11.000 Menschen arbeiten. „‘Coworking‘ wird oft mit ‚Bürogemeinschaft‘ gleichgesetzt”, erklärt Hans-Peter Sander vom Ammersee Denkerhaus, „doch geht es um weit mehr als Schreibtisch-Arbeitsplätze zu vermieten. Im Mittelpunkt stehen die hier geschaffenen Möglichkeiten zur Interaktion zwischen den unterschiedlichen Nutzern. Die Selbstständigen, aber auch in Home-Offices tätige Angestellte, finden bei uns wieder heraus aus ihrer sozialen Isolation, können sich austauschen, voneinander lernen, und sie können miteinander neue Geschäftsideen kreieren”.

Das gelingt mit dem Ammersee Denkerhaus in der Dießener Sonnenstraße 1 schon seit zwei Jahren. Auf der Jahreshauptversammlung der Ammersee Denkerhaus Genossenschaft am 13. April konnten die Betreiber nicht nur eine für ein so junges Unternehmen „beachtliche schwarze Null” präsentieren. Vielmehr betrachten sie die Gründung der Diessener Web-Marketing-Agentur IQONOMY durch ehemalige Nutzer des Ammersee-Denkerhauses, die sich hier kennengelernt und erste gemeinsame Projekte abgewickelt hatten, als einen ihrer ganz besonderen Erfolge.

Alternative auch für Mitarbeiter großer Firmen

Auf der Cowork2015 war Hans-Peter Sander vom Ammersee Denkerhaus dabei, der mit einem Blog-Beitrag Anfang 2009 die Coworking-Idee am Ammersee losgetreten hatte. Zum Auftakt der Stuttgarter Konferenz stellte das Fraunhofer Institut seine Studie „Faszination Coworking” vor. „Besonders interessierten mich Ausführungen, wie eine Zusammenarbeit zwischen Coworking-Spaces und größeren Unternehmen funktionieren kann. Denn unser Ammersee Denkerhaus liegt ja nicht weit von München und Augsburg; Städten mit Großunternehmen, die zunehmend ihren Beschäftigten die Möglichkeit einräumen in Home-Offices zu arbeiten. Da das aber längst nicht immer für diese Leute unproblematisch ist, wollen wir unsere flexiblen, professionellen Arbeitsmöglichkeiten ins Spiel bringen”, erklärt Sander. „Das ist bereits Wirklichkeit im Ammersee Denkerhaus. Hier arbeiten schon einige Angestellte von Unternehmen. Auch sie können bei uns in einer Wohlfühlatmosphäre ungestört, konzentriert arbeiten, was sich am heimischen Schreibtisch oftmals als schwierig erweist.”

Das Fraunhofer Institut hat untersucht, wie Unternehmen über Coworking denken, wie sie selbst Coworking-Ansätze realisieren und Coworking-Projekte fördern. „Es hat sich gezeigt: beide müssen zusammenpassen. Dann bietet die Zusammenarbeit mit Unternehmen erhebliches Potenzial, das Coworking-Geschäft voranzutreiben. Wir werden diesen Pfad auf jeden Fall bei uns weiter verfolgen”, so Sander.

Finanzlücken und Ferienparadiese

Die Cowork2015 als Barcamp-Konferenz gestalteten die Teilnehmer selbst mit ihren Themenvorschlägen, über die eingangs abgestimmt wurde. So gelangte das Vortragsthema des Ammersee Denkerhauses vom „Coworking auf dem Lande” auf die Tagesordnung.

Zuvor ging es in vielfältigen Workshops um aktuelle Fragen der Coworking-Community. Als ein brennendes Thema zeigte sich auch bei der diesjährigen Konferenz, „Coworking” in der Gesellschaft bekannter zu machen. Zu den wichtigsten Adressaten zählen die Coworker die Politik auf verschiedenen Ebenen: in der lokalen, wie der Landes-, Bundes- und Europa-Politik. „Wenn in diesem Kontext über Wirtschaftsförderung geredet und entschieden wird, geht es meistens über Start-up-Zentren nicht hinaus. Dabei können die noch flexibleren Coworking-Spaces ähnliche Wirkungen entfalten und mit ihren spezifischen Angeboten die wirtschaftliche Entwicklung nachhaltig vorantreiben. Dass sie die ihnen dafür gebührende Beachtung und Unterstützung künftig finden, dafür wurde in Stuttgart die ‚German Coworking Federation‘ gegründet.”

Ein weiteres, jedes Jahr wiederkehrendes Tagungsthema sind Fragen der Finanzierung und Förderung von Coworking-Spaces. Auch Stuttgart zeigte, dieses Problem ist weit verbreitet und zumeist unbefriedigend gelöst. Der Erfahrungsaustausch brachte aber auch positive Beispiele aus Kommunen wie Stuttgart und Wolfsburg zur Sprache. Mancherorts werden Coworking-Spaces als Keimzellen wirtschaftlicher Entwicklung gefördert; etwa mit Miet-erlassen in der Startphase. In Wolfsburg ist das Coworking-Space sogar eine 100-prozentige städtische Einrichtung mit drei festen Angestellten.

In die weite Welt zog Coworking mit der Tagungs-Session „Coworking im Ferienparadies”. Vorgestellt wurden eine Neugründung auf Mallorca und ein Coworking-Camp, das Ende 2015 vor allem IT-Gründer aus aller Herren Länder für sechs Wochen in Tunesien zusammenbringen wird. „Wenn es zutrifft, dass die Grenzen von Arbeiten und Urlaubmachen immer mehr verschwimmen, steckt doch für uns im ‚Ferienparadies Ammersee‘ eine Riesenchance”, ist Sander überzeugt.

„Wer bei uns segeln, radeln, wandern, kitesurfen will, könnte zugleich professionelle Arbeitsbedingungen, dazu noch in einem Kreise von Gleichgesinnten, vorfinden. Eine Zusammenarbeit mit Event-Organisatoren und mit Segelschulen kann das Coworking in unserer Region, und speziell das Ammersee Denkerhaus, sicher voranbringen.”

Erfolgsgeheimnisse vom Ammersee

Ein Workshop der Cowork2015 war schließlich „Coworking auf dem Lande” überschrieben. In der Session stellte Hans-Peter Sander das Ammersee Denkerhaus mit seiner Gründungsgeschichte und den dabei gesammelten Erfahrungen vor.

Dabei ging er auf die Besonderheiten der Ammersee-Region ein, mit ihren mehreren hundert Selbstständigen, die zumeist in ihren Home-Offices schaffen. Sander berichtete von der intensiven Vorbereitungszeit, in der vorab großer Wert auf die Bildung einer Coworking-Community gelegt wurde, von der Gründung der Ammersee-Denkerhaus-Genossenschaft, von den Erfahrungen mit der LEADER-Förderung und vom Arbeitsalltag.

„Unsere Erfolgsgeheimnisse – Community, Networking, ganz viel Engagement, handfester Nutzen für die Mieter, grundsolides Wirtschaften und dennoch immer wieder Neues ausprobieren sowie Wohlfühlen, Wohlfühlen und nochmals Wohlfühlen – haben uns die erfolgreichen Coworker aus den größeren Städten bestätigt”, berichtet Sander. „Die Cowork2015 hat gezeigt: Wir sind mit dem Ammersee Denkerhaus richtig gut dabei. Vor zwei, drei Jahren haben wir uns bei anderen Coworking-Spaces noch selbst beraten lassen. Inzwischen sind wir ziemlich weit vorne und helfen anderen auf ihrem Weg.”

Denkerhaus

….bietet einen Coworking-Space mit 7 Schreibtischen, 4 Büros, eine Café-Lounge, einen kleinen Besprechungsraum, Rezeption mit Schließ- und Postfächern, Damen- sowie Herrentoilette.

Im Coworking-Space, dem flexiblen „Gemeinschaftsbüro”, das bei Verfügbarkeit auch als geräumiger Seminar-Raum zur Verfügung steht, können die Schreibtische nach individuellem Bedarf, Gefallen und Verfügbarkeit frei ausgewählt und besetzt werden. Zu jedem gehört ein stylischer, bequemer Büro-Sessel und überall ist Strom und WLAN mit Zugriff auf einen hochmodernen Farbdrucker.

Ohne Reservierung können Interessenten während der Öffnungszeiten jederzeit einfach vorbeischauen, ihren Laptop aufklappen und losarbeiten – auch probeweise für ein paar Stunden kostenlos. Für Fragen steht am Empfang ein Ansprechpartner zur Verfügung. Wie die Nutzungsdauer und -intensität, kann auch die Bezahlung nach individuellen Bedürfnissen gestaltet werden. Die Optionen reichen vom Halbtagesticket über eine 10-Stunden-Streifenkarte bis zum Monatsticket, das einen 24/7-Zugang zum Denkerhaus beinhaltet.

Ammersee Denkerhaus

Sonnenstraße 1, 86911 Dießen
+49 8807 2758047 / info@ammersee-denkerhaus.de
Montag bis Freitag, von 8:30 bis 18:30 (außer an ges. Feiertagen)
www.ammersee-denkerhaus.de

Das Ammersee Denkerhaus wird gefördert durch das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und den Europäischen Landwirtschaftsfond für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER).

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