Reanimation ist neu im Unterricht Schüler der 7. Klassen der Carl-Orff-Schule in Dießen trainieren Wiederbelebung

Beate Bentele  6. März 2015

Schüler der siebten Klassen der Carl-Orff-Schule üben an der MiniAnne die Reanimation. Professor Dr. Uwe Kreimeier vom Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München zeigt auf, wie es funktioniert. Foto: Bentele

Dießen – Die Carl-Orff-Schule in Dießen ist Vorreiter im Lande: Als erste und bisher einzige Schule in Bayern wurde am Mittwoch der Unterricht in Reanimation und Mund-zu-Mund-Beatmung eingeführt. Das zweistündige Training wird jetzt regelmäßig mehrmals im Jahr in den Oberstufen angeboten. Auf den Weg gebracht von Elternbeiratsvorsitzendem Andreas Lanzinger, sind die ersten fünfzig Schüler schon so weit informiert und trainiert, dass sie sich bereits erste Notfallhilfe zutrauen dürfen. Trainiert hat sie der bekannte Professor Dr. Uwe Kreimeier von der Uni-Klinik München, der sich neben seinen wissenschaftlichen Aufträgen vor allem auch für die sofortige Unfallhilfe einsetzt. Er ist Wegbereiter eines Modells, das ab dem Schuljahr 2015/16 laut Kultusministerkonferenz an allen bayerischen Schulen Kinder in die Lage versetzt, im Notfall mit Reanimation und Mund-zu-Mund-Beatmung Menschen sekundenschnell zu helfen, die in akuten Herzstillstand fallen.

Fünfzig Schüler aus den siebten Klassen der Carl-Orff-Schule sitzen auf dem Turnhallenboden und haben hautfarbene aufblasbare Puppen vor sich. Sie heißen alle gleich: MiniAnne. Gespannt blicken die Jugendlichen auf eine Leinwand, wo sie schrittweise lernen, bei Herzstillstand erste Hilfe zu leisten. Herz-Lungen-Wiederbelebung soll einen Atem- und Kreislaufstillstand beenden. Andere Namen sind cardiopulmonary resuscitation (CPR) oder Wiederbelebung und Reanimation.

Es ist anfangs gar nicht einfach und viele haben Berührungsängste, müssen sich mit ihrer MiniAnne erst anfreunden. Aber Uwe Kreimeier, der sensibel durch den Vormittag navigiert, nimmt die Ängste, indem er sich selbst auf den Turnhallenboden setzt und ein ums andere Mal die Handgriffe zeigt, die zu den richtigen Bewegungsabläufen und Handlungssträngen im Notfall wichtig sind. Mit dabei Elternbeiratsvorsitzender Andreas Lanzinger, der aufgrund eines Spiegel-Artikels auf das Unterrichtsmodell aufmerksam wurde, sowie die Lehrer der siebten Klassen Michael Seelos, Marie-Theres Salvamoser, Sebastian Goth und Schulleiter Michael Bauer, der immer wieder erklärend eingreift und die Bewegungsabläufe korrigiert. Siebzig Prozent von Kreislaufschwächen und Herzstillstand passieren daheim, berichtet der Professor. „Bei der ersten Hilfe könnt ihr nur einen Fehler machen”, fährt er fort, „nicht zu helfen.” Die Schüler erfahren, dass sie mit beherztem Reanimieren retten können, weil die Minuten bis der Notarzt eintrifft, über Leben und Tod entscheiden. Deshalb: „Please, don’t go” lautet das Gebot der Augenblicke, die man einem bewegungslosen Menschen gegenüber steht.

Das Bild zeigt den neuen „Defi“, der im Foyer der Mehrzweckhalle in Dießen installiert ist. Darüber freuen sich Elternbeirat Andreas Lanzinger (2. v. l.), Frank Fastl von der Sparkasse (r.),  Bürgermeister Herbert Kirsch und Schulleiter Michael Bauer (l.). Foto: Bentele

Das Bild zeigt den neuen „Defi“, der im Foyer der Mehrzweckhalle in Dießen installiert ist. Darüber freuen sich Elternbeirat Andreas Lanzinger (2. v. l.), Frank Fastl von der Sparkasse (r.),
Bürgermeister Herbert Kirsch und Schulleiter Michael Bauer (l.). Foto: Bentele

Wer hilft, macht nichts falsch

Schritt für Schritt wird der Notfall geübt. Die Schüler werden aufgefordert, den Patienten laut anzusprechen, den Kopf sachte zu bewegen und zu hören, ob noch Atmung vorhanden ist. Während man sofort laut um Hilfe ruft, wird nebenbei eine Hand auf die Stirn des Verletzten gelegt, mit zwei Fingern der Kopf nach hinten gedrückt, damit die Atemwege frei werden für die Reanimationsmassage. Die Jugendlichen lernen den Rhythmus der Massage und wenn sich der Brustkorb bewegt wird die Nase zugedrückt, damit bei der Mund-zu-Mund-Beatmung die Luft in die Lungen fließt und nicht entweicht. „Wer hilft, macht nichts falsch”, ermuntert der Professor immer wieder.”

Andreas Lanzinger informiert am Ende, dass die Schüler ihre MiniAnnes behalten dürfen. „Nehmt sie mit nach Hause und lasst sie nicht im Schrank verrotten”, regt er an, das Gelernte nicht nur regelmäßig aufzufrischen, sondern auch den Geschwistern, Freunden oder Familienmitgliedern zu vermitteln. „Ihr braucht nur einen Fernseher oder Computer mit DVD-Laufwerk und Fernbedienung und schon geht der Kurs los.”

„Unser Ziel ist es, Leben zu retten”, betont Dr. Kreimeier und erklärt die weiteren Hilfsmittel, die zur MiniAnne gehören. Zum Beispiel die Anleitung zum Einsatz des Automatisierten Externen Defibrillators (AED). Ein „Defi” ist ein medizinisches Gerät zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen durch Abgabe von Stromstößen. Im Gegensatz zu Defibrillatoren vom Rettungsdienst oder der Kliniken sind AEDs wegen ihrer Bau- und Funktionsweise besonders für Laienhelfer geeignet. Ist der Defi aktiviert, ist er verbunden mit der Rettungsleitstelle und leitet mit Sprachsignalen das Handeln des Helfers an.

Einen Defibrillator gibt es demnächst auch in der Mehrzweckhalle. Er ist bereits installiert im Foyer, auf der rechten Seite neben der Treppe. Bürgermeister Herbert Kirsch war beim Installieren dabei mit Frank Fastl von der Sparkasse Dießen, die den „Defi” finanziert hat.

 

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