Der Dießener Bahnhof erstrahlt in Orginalfarben Auflagen des Denkmalschutzes – Die Post ist am Dienstag umgezogen – Ende des Monats eröffnet die Tourist-Info ihre Räume

Raimund Fellner  6. März 2015

Der Dießener Bahnhof, ein Schmuckstück mit den beiden Flügelgebäuden von den Bahngleisen und den Seeanlagen her gesehen. Farblich wurde er nach den Auflagen des Landesamtes für Denkmalpflege mit den damaligen Originalfarben renoviert. Ein Teil der Holzfassade musste erneuert werden und bekam einen braunen Anstrich. Dazu die Fenster mit Holzeinrahmung und Fensterläden in der grünen Originalfarbe der Bauzeit. Dazu passt auch die moderne Stahl-Glas-Außenfassade des Mittelteils, der jetzt geschlossenen ehemaligen Sommerhalle, in der Postagentur und Tourist-Info Dießen in getrennten Räumlichkeiten untergebracht sind. Foto: Fellner

Dießen – Seit Dienstag ist die Postagentur im Dießener Bahnhof in dem dafür umgebauten Raum, in der ehemaligen offenen, jetzt mit einer Stahl-Glas-Fassade zu den Bahnsteigen hin geschlossenen Sommerwartehalle des Bahngebäudes untergebracht. Dies ist nun der zweite Umzug im Bahnhofsgebäude. Nach dem Umzug der Postagentur bei Farben Feistl in der Prinz-Ludwig-Straße, in das 2011 von der Marktgemeinde Dießen erworbene Bahnhofsgebäude, war die Post zuerst in der alten Schalterhalle untergebracht. Nach den begonnenen Umbauarbeiten im Bahnhof, war dann ein Teil des alten Stellwerkes übergangsweise Post-Agenturraum.

Das Postagenturteam in den neuen Räumlichkeiten im Dießener Bahnhofsgebäude an der Schaltertheke v.l.: Daniel Metzer, Stefanie Zimmermann sowie Heike und Rudolf Metzer. Zum Team gehört weiter Katja Geiger. Foto: Fellner

Das Postagenturteam in den neuen Räumlichkeiten im Dießener Bahnhofsgebäude an der Schaltertheke v.l.: Daniel Metzer, Stefanie Zimmermann sowie Heike und Rudolf Metzer. Zum Team gehört weiter Katja Geiger. Foto: Fellner

Mit dem letzten Umzug hat die Post nun ihren zugewiesenen Raum gefunden. Am Dienstag konnten ab 9 Uhr die Postkunden zum ersten Mal ihre Postgeschäfte in der großzügigen, modernen und neumöbilierten Poststelle erledigen. Der behindertengerechte Zugang ist jetzt von der Bahnhofstraßenseite über den Durchgang zu den Bahnsteigen mit automatisch öffnenden und schließenden Türen möglich.

Wie von den Postagentur-Pächtern Heike und Rudolf Metzer zu erfahren war, hat ihr Sohn Daniel Metzer ab Februar verantwortlich die Poststelle übernommen. Neben den üblichen Postgeschäften mit Brief und Paketverkehr und den Postfächern können auch Postbankgeschäfte erledigt werden.

Im weiteren Angebot der Postagentur sind unter anderem Schreibwaren, Verpackungen für Postpakete, Glückwunsch- und Ansichtskarten sowie Paysafe-Gutschein-Karten aller Art sowie Karten für Mobiltelefone. Im südlichen Rückraum des Postschalterraumes befinden sich weitere von der Post genutzte Räumlichkeiten sowie ein Zugang für An- und Auslieferungen.

Neben der Postagentur zur Seeseite hin ist ein weiterer Raum geschaffen worden, in dem bis Ende März die Tourist-Info-Dießen einziehen wird. Von diesem Raum aus, durch die in Stahlrahmen gefasste thermische Glasfassade, sieht man nicht nur auf die Bahnsteige, sondern in die Seeanlagen und den Ammersee. Die Tourist-Info-Besucher bekommen durch den herrlichen Ausblick einen guten ersten Eindruck von Marktgemeinde.

Wie der für den Umbau des Bahnhofsgebäudes zuständige Architekt Matthias Krapf erklärte, war der Um- und Neubau der ehemaligen offenen Sommerwartehalle, wie auch des gesamten Bahnhofsgebäude nicht leicht und oft aufwändig, da es auch unter Denkmalschutz steht.

Im nordöstlichen Bereich des Bahnhofsgebäudes, zu den Bahnsteigen und zum Busbahnhof hin,  wurde als Ersatz für die offene Sommerwartehalle ein überdachter Anbau erstellt, der in seiner Gestaltung dem Gebäude angepasst wurde. Dieser Wartebereich für Bahn- und Busfahrkunden wird noch zum Teil verglast.  Rechts im Bild das geschlossene Fenster der ehemaligen Paketanlieferung, dort soll der geplante Kiosk hinkommen.

Im nordöstlichen Bereich des Bahnhofsgebäudes, zu den Bahnsteigen und zum Busbahnhof hin, wurde als Ersatz für die offene Sommerwartehalle ein überdachter Anbau erstellt, der in seiner Gestaltung dem Gebäude angepasst wurde. Dieser Wartebereich für Bahn- und Busfahrkunden wird noch zum Teil verglast. Rechts im Bild das geschlossene Fenster der ehemaligen Paketanlieferung, dort soll der geplante Kiosk hinkommen. Foto: Fellner

Die ehemalige Sommerwartehalle war eigentlich ein überdachter Außenbereich, der in einen sogenannten Wohnbereich beziehungsweise Aufenthaltsraum mit aufwändiger neuer Bodenplatte umgebaut werden musste. Diese liegt auf mehreren 17 Meter langen Bodenpfählen.

Die Pfähle waren nötig, um für das Gebäude, die Dachträger und die Bodenplatte eine tragfähige Auflage zu schaffen.

Fortsetzung auf den Sonderseiten 10 und 11

Dießen – Die östlichen Außenfassaden sowie die Abgrenzung der Räume für Postagentur und Tourist-Info zum Durchgang zu den Bahnsteigen mussten mit einer farblich passenden thermischen Stahl-Glas-Fassade geschlossen werden. Zu den Denkmalschutzauflagen gehörte auch der Erhalt der geschrubbten dunklelbraunen Holzdecke und der bestehenden Solnhofer Sockelfliesen, die an der bestehenden westlichen Wand bis knapp unter die Fenster gehen.

Ein Großteil der alten Fliesen war locker und beschädigt, einige sind beim Entfernen kaputtgegangen und so musste man ähnliche neue Fliesen beschaffen und diese mit den gereinigten Orginalfliesen wieder anbringen.

Durch den behindertengerecht gestalteten Haupteingang von der Bahnhofstraße aus, mit der Wandmalerei des Dießener Künstlers und Lüftlmalers Sebastan Wirsching (1908-1963), geht es  in den Postagentur Schalterraum und in die Räumlichkeiten der Tourist-Info Dießen, die Ende März oder Anfang April, einziehen wird. Foto: Fellner

Durch den behindertengerecht gestalteten Haupteingang von der Bahnhofstraße aus, mit der Wandmalerei des Dießener Künstlers und Lüftlmalers Sebastan Wirsching (1908-1963), geht es in den Postagentur Schalterraum und in die Räumlichkeiten der Tourist-Info Dießen, die Ende März oder Anfang April, einziehen wird. Foto: Fellner

Farbgestaltung vorgegeben

Die Farben des Außenanstrichs und der Innenräume wurden durch das Landesamt für Denkmalpflege vorgegeben, berichtet Architekt Krapf beim Gang durch das nun fast fertig umgebaute Bahnhofsgebäude. Denn man wollte die Orginalfarben.

Dazu wurde ein Fachmann beauftragt, um die Orginalfarben des denkmalgeschützten Bahnhofsgebäudes zu finden und festzulegen. Dabei wurden alle in den vergangenen Jahrzehnten aufgetragenen Farbschichten der Innenräume und an der Außenfassade, der Holzfassade mit den Fensterläden, abgetragen und freigelegt, um die Orginalfarben zu finden. In diesen Farbtönen wurde jetzt das ganze Bahnhofsgebäude wieder gestrichen.

Mehrzweckraum, Café und Bahnhofskiosk

Im zweiten und letzten Bauabschnitt werden jetzt von den Handwerksfirmen die Umbauarbeiten des nordöstlichen Teils des Bahnhofsgebäudes begonnen. Zu den Bahnsteigen und zum See hin ist in den Räumen des ehemaligen Stellwerkes und dem Schalterraum ein Café geplant sowie ein Bahnhofskiosk zum Busbahnhof hin. Aus der ehemaligen geschlossenen Winterwartehalle mit den bemalten Wandfliesen, wo früher der Fahrkartenschalter war mit dem Modell der Waffenschmiede in St. Georgen (steht jetzt im Foyer der Carl-Orff-Schule) soll ein Mehrzweckraum werden, der über Zugänge zum Café aus versorgt werden kann, erläutert Architekt Krapf.

Man will damit erreichen, dass der Raum auch bewirtet werden kann. Bei den noch zu schaffenden Durchgängen dürfen jedoch nicht die denkmalgeschützten bemalten Wandfliesen beschädigt werden. Die Durchbrüche sind dort geplant, wo sich die alten Heizkörper befanden mit den Vitrinen darüber.

Durchgang von der Bahnhofstraße zur Postagentur und der Tourist-Info Dießen rechts sowie zu den Bahnsteigen.Foto: Fellner

Durchgang von der Bahnhofstraße zur Postagentur und der Tourist-Info Dießen rechts sowie zu den Bahnsteigen.Foto: Fellner

Nach der Vorstellung der Marktgemeinde und der Bauplaner soll der Mehrzweckraum für Veranstaltungen, Seminare, Ausstellungen oder private Feiern angemietet werden können.

Dießens Bürgermeister Herbert Kirsch ist auf Nachfrage des Ammersee Kurier sehr froh, dass der Marktgemeinderat 2011 die Chance genutzt hat, dieses Gebäude, das eine besondere ortshistorische Bedeutung hat, zu erwerben. „Des Weiteren ist für uns als Gemeinde von Bedeutung, dass mit der Post und der Tourist-Info öffentliche Nutzungen angeboten werden können, die für den Ort notwendig und von Einheimischen und Gästen gut zu erreichen sind.”

Er sei zuversichtlich, dass mit dem Gastronomiebereich und den Räumlichkeiten, die für Sondernutzungen zur Verfügung stehen und die im nördlichen Gebäudeteil in einem 2. Bauabschnitt demnächst realisiert werden, für den Ort ein weiteres wichtiges Angebot geschaffen wird.

Erfreulich sei auch, dass sich bei den Gewerkausschreibungen zum Bahnhof Aus- und Umbau viele Handwerksfirmen aus der Marktgemeinde Dießen beteiligten und auch Zuschläge bekamen.

Diesen herrlichen Ausblick zu den Seeanlagen und zum Ammersee über die Gleisanlagen  können zukünftig nicht nur die Mitarbeiter des Tourist-Info Dießen genießen, sondern auch die Besucher, die dort Übernachtungen und Aufenthalt in der Marktgemeinde buchen.  Foto: Fellner

Diesen herrlichen Ausblick zu den Seeanlagen und zum Ammersee über die Gleisanlagen können zukünftig nicht nur die Mitarbeiter des Tourist-Info Dießen genießen, sondern auch die Besucher, die dort Übernachtungen und Aufenthalt in der Marktgemeinde buchen. Foto: Fellner

450.000 Euro kommen aus der  Städtebauförderung

Für das Bahnhofsgebäude Dießen wurde im Bauabschnitt 1 mit Außensanierung und Umbau der Sommerwartehalle mit den neuen Räumen der Postagentur und Tourist-Info Dießen bis zum Jahresende 2014 549.000 Euro ausgegeben. Mit Gesamtkosten von 1,1 Mio. Euro wird gerechnet, davon sind etwa 750.000 Euro förderfähig. Die Marktgemeinde Dießen erhielt zum Jahresende 2014 von der Regierung von Oberbayern einen Bewilligungsbescheid, dass Zuschüsse für die Renovierung und Ausbau des Dießener Bahnhofsgebäudes im Rahmen der Städtebauförderung von über 450.000 Euro zu erwarten sind. Für den Bau der öffentlichen Toiletten im Bahnhofsgebäude hat die Marktgemeinde bereits einen öffentlichen Zuschuss von 68.500 Euro erhalten.

Im Haushaltsplan 2015 sind für die Baumaßnahmen des jetzt letzten Bauabschnittes 2, der über die Städtebauförderung nicht förderfähig ist, 370.000 Euro eingestellt.

Die öffentlich zugänglichen Damen- und Herren-WC am Bahnhof Dießen mit  Wickelraum und Behinderten-WC sind schon seit längerem fertiggestellt. Foto: Fellner

Die öffentlich zugänglichen Damen- und Herren-WC am Bahnhof Dießen mit
Wickelraum und Behinderten-WC sind schon seit längerem fertiggestellt. Foto: Fellner

 

 

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