Tuba, Trompete, Gitarre, Alphörner, Akkordeon Hans Well und die Wellbappn begeisterten am Freitag das Dießener Publikum im Maurerhansl

Michael Fuchs-Gamböck  3. März 2015

Hans Well (2. v. r.) mit seinen hochmusikalischen Kindern, v. l. Jonas, Sarah und Tabea. Sie sind die Wellbappn. Fröhlich, musikalisch auf höchtsem Niveau der bayerischen Volksmusik ver- pflichtet. Foto: Carsten F. Mantel

Dießen – Die Bühne des Nebenraums im Dießener Lokal „Maurerhansl” ist klein, das ist bekannt. Wobei sie für vier Personen durchaus genügend Platz bietet. Wenn diese vier Personen allerdings ein rundes Dutzend Instrumente wie Tuba, Trompete, Gitarre, Akkordeon, zwei Alphörner (!) und so einiges teilweise Exotisches mehr hinter, vor und neben sich scharen, dann freilich wird es extrem eng auf diesen gefühlten fünf Quadratmetern Fläche. Hans Well sowie seine drei Kinder Sarah, Tabea und Jonas – in der Öffentlichkeit als Wellbappn ein Begriff – stört dieser klaustrophobische Umstand nicht die Spur.

„Zusammenhalt” ist das Stichwort des Well-Clans

Da rückt man eben zusammen, man ist eine Familie, somit nichts anderes gewohnt. „Zusammenhalt” ist das Stichwort, das den Well-Clan seit jeher ausgezeichnet hat. Vor allem ist man eine harmonische Familie, daran lässt der zweistündige Auftritt (plus 30-minütiger Pause) der Wellbappn am Freitagabend im voll bepackten „Maurerhansl” keinen Zweifel. Die Wellbappn also, eingeladen von Veranstalter Sebastian Goy, der für diese Ausnahmeformation sogar den Anspruch seiner Reihe „Letzte Montage” in den Wind fahren ließ, eben eine Ausnahme machte und die Veranstaltung statt wie gewohnt am Montag auf einen Freitag verlegte.

Für die Rente zu jung fühlte sich Hans Well

Die Wellbappn, das ist die Erfindung des oberbayerischen Multiinstrumentalisten Hans Well. 35 Jahre lang unterhielt der ausgebildete Lehrer mit seinen Brüdern Stofferl und Michi die erfolgreiche Mundart-Combo Biermösl Blosn, ehe man im Januar 2012 auseinander ging. Der heute 61-jährige Hans fühlte sich für die Rente viel zu jung, also re-krutierte er kurzerhand seine gleichfalls hochmusikalischen Kinder, die aktuell 23, 22 und 18 zählen. Schwups, waren die Wellbappn gegründet! Das im Hause Well ansteckende kreative Familien-Fieber war einmal mehr entfacht.

Und da stand der Vierer also vor dem dicht gedrängten Publikum, knapp hundert Leute hatten die Ehre, diesem besonderen Abend beizuwohnen. Sebastian Goy hätte mehr als doppelt so viele Eintrittskarten verkaufen können, wie er dem Ammersee Kurier rückblickend stolz berichtet. Entspannt wirkte das Quartett, fröhlich, dabei musikalisch auf höchstem Niveau der bayerischen Volksmusik verpflichtet.

Bayerische Spezl-Politik durch den Kakao gezogen

Und dabei inhaltlich extrem motiviert, in den Texten zumindest genauso bissig zu sein wie die kultisch verehrten Biermösl Blosn. Die waren seit jeher berühmt-berüchtigt dafür, speziell die bayerische Spezl-Politik und ihre Verfechter genüsslich zu sezieren und durch den Kakao (manchmal auch Schlimmeres) zu ziehen. Los ging’s mit einem Stück, das man spontan am Nachmittag zusammen komponiert hatte: Ein „Dießen-Gstanzl”, in dem auf die politische Situation in der Marktgemeinde eingegangen wurde.

Vor allem über den Umbau der Mühlstraße, der nach Ansicht der Wellbappn hinter verschlossenen Rathaus-Türen und unter Ausschluss der Öffentlichkeit viel zu teuer genehmigt worden war, wurde nicht wenig Häme ausgeschüttet.

Der Großteil der Besucher hatte seine Freude daran und spendete johlend Applaus.

Der Einstieg in einen mal vergnüglichen, mal fatalistischen Abend war geschafft! Munter weiter ging’s im derben Derblecken unserer aktuellen Politiker-Garde, quer durch alle Fraktionen.

Wobei die Wellbappn unverschämt sein mögen – aber beleidigend unter die Gürtellinie werden sie nie. Stattdessen zogen sie die begeisterten Zuhörer mit tief-bayerischem Grant und entlarvender Ironie das Publikum vom Start weg auf ihre Seite.

Feinnervige Musik: Ein wahrer Ohrenschmaus

Dazu feinnervige Musik, ein wahrer Ohrenschmaus: Bajuwarische Folklore als Zentrum, doch die Wellbappn können auch Tango, Ethno, gar den Blues oder sogar mal einen kurzen Ausflug in den Jazz. Herrlich!

Zwei Meter lange Alphörner auf der Bühne des Maurerhansls

Nur folgerichtig ist auch, dass an diesem Abend so ziemlich jeder der momentanen „Verdächtigen” den Kopf gewaschen und sein Fett weg bekam – mögen sie jetzt Uli Hoeneß, Alexander Dobrindt, Horst Seehofer oder Hansi Hinterseer heißen. Während der Zugabe wurde so richtig bewusst, warum das „Maurerhansl”-Nebenzimmer viel zu klein ist für die Größe der Wellbappn: Vater Hans und Sohnemann Jonas zerrten ihre über zwei Meter langen Alphörner auf die Bühne, deren untere Hälfte im vorderen Teil des Publikums geschultert wurden, um den perfekten Klang zu gewährleisten.

Euphorischer Beifall vom Dießener Publikum

Ob einige der Schulterer seither mit Tinnitus und Taubheit gestraft sind, ist nicht bekannt. Nach dem voluminösen Alphorn-Einsatz gab es zum Abschluss passend ein „Gute-Nacht-Lied”. „Das ist übrigens nicht zum Einschlafen gedacht”, erklärte Hans Well augenzwinkernd, „sondern dazu, wachsam zu bleiben in unserer Welt. Vor allem und gerade gegen Total-Überwachung.” Das Publikum applaudierte euphorisch, wohl wissend, einem äußerst ungewöhnlichen Konzert beigewohnt zu haben.

 

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