Asyl: Ehrenamtliche Betreuer gesucht – Informationsveranstaltung für Interessierte im Katholischen Pfarrheim

Dagmar Kübler  7. November 2014

Sabine Schroer, Koordinatorin der Ehrenamtlichen, Thomas Sczcepkowski und Christian Ott vom Landratsamt Landsberg, Landrat Thomas Eichinger, Bürgermeister Josef Lutzenberger, Monsignore Weiß und Pfarrer Christian Wünsche beantworteten Fragen zur Aufnahme von 25 Asylbewerbern in Utting. Foto: Kübler

Utting – Bürgermeister Josef Lutzenberger hatte eingeladen und rund hundert Interessierte waren gekommen, um sich im Katholischen Pfarrheim in Utting über die Unterbringung weiterer Asylbewerber im Ort zu informieren. Knapp zwanzig Flüchtlinge haben dort bereits eine vorübergehende Heimat gefunden, zum Teil in gemeindeeigenen Wohnungen, zum Teil in Privathäusern. Ab dem 10. November sollen weitere Asylbewerber eintreffen. Sie werden im Kreisjugendübernachtungshaus auf der Ludwigshöhe untergebracht, das Platz für 25 Menschen bietet. Vorzugsweise sollen aufgrund der Nähe zum Kindergarten Familien dort einziehen.

2015: Anstieg auf 720 Asylbewerber im Landkreis

„Momentan leben über 400 Asylbewerber im Landkreis, für 2015 erwarten wir einen Anstieg auf 720“, informierte Landrat Thomas Eichinger. Man wünsche sich, alle menschenwürdig und dezentral unterzubringen. Dass jetzt achtzig Flüchtlinge in der Lechturnhalle in Landsberg leben müssen, bezeichnete der Landrat als „keine schöne Entwicklung“. Als Ursache für den knappen Wohnraum für Flüchtlinge thematisierte Eichinger zwei Themen: Anerkannte Asylbewerber sollen ihre Unterkunft so schnell wie möglich für nachrückende freimachen. Sie finden jedoch nur schwer eine Wohnung und belegen deshalb die Unterkünfte zu lang. Und: „Nur zehn von 31 Gemeinden im Landkreis stellen momentan Wohnraum zur Verfügung“, so Eichinger. „In anderen Landkreisen werden Flüchtlinge nach einem Schlüssel auf die Gemeinden verteilt“, informierte Renate Standfest, die sich im Netzwerk Asyl Ammersee-West engagiert. Daran werde bereits gearbeitet, antwortete Eichinger, denn im Winter sei mit einer Verschärfung der Situation zu rechnen. Der Winternotfallplan der Bayerischen Staatsregierung verlange von den Gemeinden, innerhalb von zwei Wochen Platz für 200 Flüchtlinge zu schaffen. „Deshalb werden wir auch öffentliche Gebäude wie Gemeindeleerstände, Schulen und Turnhallen beschlagnahmen, jedoch keinen privaten Wohnraum wie nach 1945“, so Eichinger.

Am Leben teilhaben lassen

Sabine Schroer, Koordinatorin der Ehrenamtlichen, warb um ehrenamtliche Helfer. Für fünf Asylbewerber sollte ein Ehrenamtlicher zur Verfügung stehen, um beim Einkaufen zu helfen, Fragen zu beantworten, bei Arztterminen zu begleiten oder sie einfach am Leben teilhaben zu lassen. Besonders wichtig sei Deutschunterricht. „Wir brauchen Lehrer oder Menschen mit Talent zum Unterrichten.“ Interessierte konnten Fragen stellen, die von den zahlreich anwesenden bereits tätigen Ehrenamtlichen sowie von den Mitarbeitern des Landratsamtes, Thomas Sczcepkowski und Christian Ott, den Pfarrern der Ammersee-West-Gemeinden, Monsignore Weiß und Christian Wünsche sowie Michaela Zeilmeier vom BRK beantwortet wurden. „Wohin kann man sich bei Beschwerden wenden“, wollte eine Mutter wissen, deren Kinder den nahe gelegenen Kindergarten besuchen. Monsignore Weiß erntete mit seiner Antwort viel Applaus, bitte zuerst ihn als Vertreter der Kirche, die Träger des Kindergartens sei, anzusprechen, bevor die überlasteten Ämter kontaktiert würden.

Spendengelder für Krippenplätze

Weitere Fragen drehten sich um die Überwindung von Sprachproblemen und um die Schulpflicht der Kinder. „Jedes schulpflichtige Kind geht in die Schule“, antwortete Eichinger. Auch die Berufsschule Landsberg hätte zwei Klassen eingerichtet. Für Kindergartenkinder hat sich die Situation inzwischen verbessert. Wurden bis vor kurzem nur die Kosten für das letzte Kindergartenjahr übernommen, werden jetzt schon Dreijährige aufgenommen. Auf Krippenplätze besteht jedoch kein Anspruch. Diese könnten teilweise aus Spendengeldern bezahlt werden, informierte Standfest. Sie mahnte außerdem an, dass die Ehrenamtlichen überlastet seien und forderte neue Strukturen. Dies gelte auch für die Mitarbeiter im Ausländerwesen, so Eichinger. „Sie leisten seit Monaten Übermenschliches.“

Asylbewerber genießen keine Sonderrechte. Bei nicht gesetzeskonformem Verhalten sollten die Bürger nicht in eine „Duckhaltung“ gehen, sondern die Polizei rufen, beantwortete der Landrat die Frage eines Zuhörers. Bislang seien lediglich Ladendiebstähle, aber keine Gewaltdelikte aufgetreten.
Bürgermeister Lutzenberger beendete die Veranstaltung mit dem Hinweis auf die Zeit nach 1945. „Es ist zu schaffen, damals musste noch viel mehr geleistet werden“, werde ihm von Senioren aus der Gemeinde oft gesagt. Interessierte können sich unter Telefon 08191 – 9409189 an das Asyl-Netz wenden oder an die Gemeinde Utting.

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