Die vom Ammersee sind die Stärksten Eine persönliche Bilanz der „Wiesn-Könige“ Jürgen Zirch und Peter Reichert. Von Beate Bentele

Beate Bentele  2. Dezember 2017

Jürgen Zirch und Kellnerin Line an Schänke vier in der Augustiner Festhalle.

Peter Reichert im Volksmusikantenzelt auf der oidn Wiesn – hier vor seiner Bühne, meistens steht er eher oben.Fotos (2): Beate Bentele

München/Ammersee – Die Ammersee-Luft scheint geheime Kräfte zu bündeln und beste Unterhaltungskultur auf Trab zu bringen: Zwei Ammerseeer – einer vom Westufer und einer vom Ostufer – haben tagtäglich von „dr Früh bis auf d‘ Nacht” die Wiesn 2017 in Schwung gebracht. Der eine in der Augustiner Festhalle, der andere mit seiner Premiere vom Original Münchner Volkssängerzelt „Zur Schönheitskönigin” auf der Oidn Wiesn: Jürgen Zirch aus Dießen und Peter Reichert aus Herrsching.

Wie im Flug sind die 16 Oktoberfest-Tage verflogen aber die Wiesn-Symbole tauchen immer wieder mal auf. Notorische Wiesn-Bummler erkennt man noch hie und da an den farbigen Einlass-Bändchen für das historische Oktoberfest, manches fesche Madl ziert sich noch mit einem Herzkasperl-Button oder schmückt ihren bairischen Filzjanker mit dem Goldenen Krönchen der Schönheitskönigin.

Goggerl waren auch heuer wieder der Hit der Speisekarte

„D‘ Wiesn 2017 haben wir eben alle in bester Erinnerung”, lacht auch Jürgen Zirch. Der Umsatz habe im Gegensatz zu 2016 tendenziell wieder angezogen. Aber das Schönste: „Die Besucher waren höchst angenehm”, schwärmt er über die Augustiner Festhalle, wo er seit 25 Jahren eine starke Rolle spielt. Vor allem hätten die Münchner Traditionsbewusstsein gezeigt: „Der richtige Münchner kommt zum Essen, trinkt zwoa Maß und dann geht er wieder heim.” Goggerl waren – auch wie früher – wieder der Hit auf der Speisekarte. Natürlich hat jeden Tag die Blasmusik aufgspuit bis 21 Uhr, was er ebenfalls als Publikumsmagnet bezeichnet.

„Klar, dass es Nächtens manchmal gewaltig kracht, wenn Halligalli ist – aber wir hatten heuer viel weniger Polizeieinsätze als bisher.” Sprich, beim Augustiner ist weniger geschlägert worden.

Kein Wunder, bei dem stattlichen Auftritt von unserem Dießener Schankkellner, der seit einem Vierteljahrhundert Herr über Schänke vier ist, und dessen Augenmerk auch den weiteren fünf Schänken gilt mit rund 300 Kellnerinnen und Kellnern, die unentwegt 6.000 Sitzplätze und 2.500 Biergartenplätze versorgen.

Für Jürgen, der im privaten Leben als Gemeinderat in Dießen wirkt, Vizevorsitzender vom Dießener Trachtenverein und Vorsitzender bei den Veteranen, Kirchenpfleger, Landwirt, Familienvater ist und auch noch das Alphorn bläst, ist die fünfte Jahreszeit wie ein Fixstern in seinem Leben.

Gut drei Wochen startet er jeden Morgen um 6.30 Uhr durch und gegen Mitternacht kommt er dann heim nach Dettenschwang.

Der Inhalt von gut fünfzig Holzfässern fließt täglich durch seinen Zapfhahn – dabei kommt er nicht zur Ruhe. Seine Hände tanzen gleich einem Ballett: Die rechte Hand schiebt den vollen Krug über den Tresen, während die linke gleichzeitig den nächsten schon gefüllt hat. Rechts, links, rechts links … blitzschnell füllen die Maßkrüge mit dem goldenen Gerstensaft den Tresen. Reihenweise, damit die Kellnerinnen – die wie auf Kommando in die Schenke eilen – mit der rechten Hand eine Krugreihe an sich drücken, mit der linken nachschieben und ohne Punkt und Komma die Schänke verlassen und im Getümmel „Platz da” rufen.

Die Schönheitskönigin

Weiter geht’s Richtung Riesenrad. Hinter den farbigen Gondeln befinden sich die Extra-Kassen, die den Weg zum historischen Vergnügungspark ebnen – mit dem „schönsten Zelt auf der oidn Wiesn”. Das Prädikat geht dem Ansager im Original Volkssängerzelt Zur Schönheitskönigin, dem Jürgen Kirner (Couplet AG, BR-Brettlspitzen) lässig von den Lippen.

Im Grunde hat er ja recht: Gesungen wird, dass „die Lungen pfeifen”, und bekannt, bekannter, am bekanntesten sind die Wirtshausmusikanten und Volkssänger, die der Chef des Zeltes, das heuer Premiere feierte, eingeladen hat.

Peter Reichert (vom Seehof Herrsching) hat einen Treffpunkt Heimat aus der Taufe gehoben, „wo jeder mit jedem redt, wo jeder neben jedem hockt und alle miteinander Gaudi haben”.

Es ist ihm prachtvoll gelungen, was er angekündigt hat: „Volkssänger erleben eine ungeahnte Renaissance und liegen voll im Trend. Genau da knüpfen wir mit Inhalt und Programm an. Wirtshauskultur erlebbar machen – die Lust am Wirtshausgesang wecken.” – Dazu noch eine klassische Traditionsküche.

Ja so a Kaiserschmarrn

Was mag man mehr, wenn dazu die Kapelle Kaiserschmarrn auftritt, die Tanngrindler Musikanten, die Boarische Roas, die Dellnhauser Musikanten, das Volkssänger Kabarett Häisd’n’daisd vomm mee. Junge Volkssänger-Talente sind da, und natürlich die Schönheitskönigin, die sich vor lauter Applaus kaum mehr retten kann.

Sie heißt im richtigen Leben Chrissy Ertel und ist mit Zwiadfach (Markus Moosburger, Stefan Brock) aus der Oberpfalz angereist, um als Salvermoser Zenz unter dem Bildnis der Bally Prell und den Plakaten mit dem Georg Blädel und dem Karl Valentin ihre wunderbare Figur anzupreisen.