Den Dingen ein Obdach geben Andreas Kloker zeigt heimatlose Gegenstände im Schondorfer Skriptorium. Von Maren Martell

Maren Martell-Münkel  2. Dezember 2017

„Gegenstände, die sich seit langer Zeit in meinem Haus herumtreiben“, stellt der Schondorfer Künstler Andreas Kloker aus. Foto: Maren Martell

Schondorf – Zwei Marmorsteine aus dem syrischen Oasenstadt Palmyra, eine Essigmutter im Glas, der Herzknochen eines Rindes oder ein Eisenmeteorit aus Afrika. In seinem Skriptorium in der Schondorfer Bahnhofstraße präsentiert der Installations- und Performancekünstler Andreas Kloker Gegenstände, „die sich seit langer Zeit in meinem Haus herumtreiben, aber nicht zum täglichen Gebrauch taugen”.

Alle diese Dinge habe er nicht gekauft. Sie seien eher zufällig, aus ganz verschiedenen Anlässen zu ihm gekommen. „Aber immer war Sympathie im Spiel, auch Interesse, sogar Neugier und Empathie. Es waren Obdachlose”, erläutert Kloker. Bis Weihnachten will er im ein- bis zweiwöchigen Wechsel diesen Gegenständen einen „Auftritt in seinem Schaufenster” bereiten. Während dieser Zeit sind ihm auch Gäste willkommen. Parallel zu den „Auftritten” wird Kloker sukzessive die Fassade seines Skriptoriums bearbeiten und die Schriftzüge seiner vorherigen Kunstaktion „Die Sprache der Mutter” in mühevoller Kleinarbeit abkratzen.

„Die vorherige Aktion steht in Bezug zur aktuellen. „Da ging es um Menschen, ihre Sprache und ihre Heimat. Jetzt stelle ich Gegenstände aus, die bei mir eine Heimat gefunden haben „, erklärt der Plastiker und gelernte Kalligraph. Doch sie werden nicht nur einfach „ins Rampenlicht” gesetzt. Sie bekommen von Kloker auch eine Sprache, einen kurzen Text. Es ist keine genaue Beschreibung, eher ein Gedankenspiel, vielleicht ein Hinweis auf ihre Herkunft. „Es geht mir dabei nicht ums Museale, sondern mehr um ein Sein, ein Dasein und Zwischenspiel, wie ein Gewahrwerden eines Moments, ein Erkennen des inneren Scheins in ihrer Unscheinbarkeit.”

„Ossa Cordis – Herzknochen. Ursprüngliche Heimat im Herzen eines Rindes”, ist da zu lesen. Oder zur Essigmutter: „Seit wieviel Jahren ich diese Muter im Glas beherberge, weiß ich nicht. Auch wie sie zu mir kam, liegt im Dunkel meines Gedächtnisses. Doch seither verwandelt sie mir den Saft der Äpfel vom Baum vor meinem Haus in Essig.”

Und zu den kleinen Steinen aus Palmyra schreibt Kloker: „Als der Steinmetz an diesem Stück kristallinen Marmor arbeitete, glitzerte er noch in der Sonne mitten in der syrischen Wüste. Er ist bestimmt für ein Stück Gesimse einer Kolonadenallee, die zu einem Tempel führt. Ob ich je Gelegenheit haben werde, die beiden Stücke, die ich vor 45 Jahren unbedacht aus Begeisterung mitnahm, wieder in ihre Heimat zurückzubringen?”

Die Idee zu der jetzigen Kunstaktion hatte Kloker für die Kreiskulturtage im Sommer entwickelt. Auch bei den Kulturwochen im Landkreis Landsberg ging es um das Thema Heimat. Klokers geplante Performance in der umstrittenen Güterhalle wurde vom Gemeinderat jedoch abgelehnt.

Das Schondorfer Skriptorium – schon lange eine kulturelle Instanz – hatte er fünf Jahre lang an die Dießener Künstlerin Katharina Ranftl untervermietet. Sie erstellte hier unter anderem ihre mittlerweile populären kleinen Montagsfiguren aus Holz. Seit dem Spätsommer nutzt Kloker das ehemalige Buswartehäuschen, in dem auch mal das Fremdenverkehrsbüro war, wieder für seine eigene Kunst.