Mit Diplomatie Herzen öffnen Erzabt Notker Wolf bekam den Mirok-Li-Preis überreicht – Beide hatten eine Mission. Von Romi Löbhard

Romi Löbhard  1. Dezember 2017

Verleihung des Mirok-Li-Preises der deutsch-koreanischen Gesellschaft an Abt. em. Notker Wolf OSB im Rittersaal des Exerzitienhaus St. Ottilien. Unser Bild zeigt v. l. Lothar H. Weise, Notker Wolf, Jooh-Kuh Song, Hye-Soon Un-Schoof und Hartmut Koschyk. Foto: Löbhard

Sankt Ottilien – Besonders geehrt wurde Notker Wolf, früherer Abtprimas aller Benediktiner. Mit einem Festakt im Rittersaal des Klosters Sankt Ottilien wurde er mit dem Mirok-Li-Preis ausgezeichnet. Die Urkunde wird von der Deutsch-Koreanischen (DKG) an Personen verliehen, die sich in besonderer Weise um Austausch und Beziehungen zwischen den beiden Ländern verdient gemacht haben. Und sie ist, wie DKG-Präsident Lothar H. Weise bei der Veranstaltung sagte, „die einzige Ehrung zwischen Deutschland und Korea”.

Mit der Auszeichnung von Notker Wolf sollen laut Laudator Hartmut Koschyk nicht nur dessen persönliche Verdienste um den Aufbau eines Krankenhauses in Nordkorea eine Würdigung erfahren, sondern auch die über 100-jährige Arbeit der Benediktiner von Sankt Ottilien auf der koreanischen Halbinsel. Der Festnachmittag begann mit einer Führung durch die Korea-Abteilung des Missionsmuseums und möglicherweise auch mit einem Besuch der Ausstellung in der Klostergalerie, die, weil sie die künstlerischen Verbindungen zwischen Deutschland und Korea zum Inhalt hatte, extra um zwei Wochen verlängert wurde.

Seit 100 Jahren Einsatz der
Erzabtei in Korea

Im Rittersaal dann durften die Festgäste ein illustres künstlerisches Programm mit Musik, Tänzen und Liedern von der ostasiatischen Halbinsel genießen. Den eigentlichen Festakt eröffnete DKG-Präsident Weise, der in seiner Begrüßung das persönliche Engagement von Dr. Wolf hervorhob, der sich mehrfach auch in Nordkorea aufgehalten habe „und seine Hand zur Versöhnung ausstreckte”.

Gleichzeitig würdigte Weise den seit mehr als 100 Jahre andauernden Einsatz der Erzabtei in Korea. Die Korea-Abteilung im Museum sei Zeugnis der Verbundenheit. Der jetzt Ausgezeichnete sei nach dem Politologen Gottfried Kindermann und der in München ansässigen, von Joon-Kun Song vertretenen Mirok-Li-Gedächtnis-Gesellschaft der dritte bayrische Preisträger, erklärte Hartmut Koschyk zu Beginn seiner Laudatio. Beim Blick auf das Leben von Dr. Notker Wolf, einem Schneiderssohn aus Bad Grönenbach, der „auf dem Dachboden mit dem Fund eines Missionsheftes sein persönliches Erweckungserlebnis hatte”, deckte Koschyk etliche Parallelen zu Mirok Li auf. Auch der 1899 als Sohn eines Gutsbesitzers geborene Koreaner, der wegen seiner Beteiligung an den Aufständen gegen die japanische Kolonialherrschaft 1919 aus seinem Heimatland fliehen musste, promovierte, wie Notker Wolf, in naturwissenschaftlichen Fächern.

Beiden war die Missionierung wichtig, Mirok Li, der nach seiner Flucht zunächst in Münsterschwarzach landete, wo der Grundstein für die Missionsbenediktiner gelegt wurde. Aufstand gegen das Establishment, vom ehemaligen Abtprimas als Musiker seiner Rockband „Feedback” und mit Metal-Klassikern wie „Highway to Hell” ausgelebt, sei neben literarischer Arbeit eine weitere Parallele zu Mirok Li. Beide haben Bücher geschrieben, Mirok Lis autobiografischer Roman „Der Yalu fließt” habe auch in Korea große Beachtung gefunden. Der Koreaner, der 1950 in München starb, ohne seine Heimat wiedergesehen zu haben, hatte laut Koschyk auch Kontakt zu Kurt Huber, der wegen seiner Beteiligung an der „Weißen Rose” 1943 vom NS-Regime hingerichtet wurde. Auch habe Li mehrfach mit dem Verleger Reinhard Piper korrespondiert.

„Für mich ist die Ehrung heute ein bewegender Augenblick”, erklärte Dr. Notker Wolf in seiner Dankesrede.

Er gab einen Rückblick auf die über 100-jährigen Verbindungen von Sankt Ottilien zu Korea. In dem fernen Land wurde nach der Erzabtei, das zweite Kloster der Benediktinerkongregation gegründet. Der Geehrte ging auf die Gründung des Krankenhauses ein. „Ich hatte auch immer Nordkorea im Auge”, so Wolf, „als Touristengruppe gelang uns 1994 eine Äbtereise dorthin.” Im Jahr 2005 konnte das „National Catholic Hospital” eröffnet werden.

Bei der Einweihung habe er neben Mozart auch „Arirang”, die inoffizielle koreanische Nationalhymne gespielt und Herzen geöffnet. „Auch so kann diplomatisch gearbeitet werden, so öffnen sich Türen.”