Ein großartig gecasteter Film „Sommerhäuser“ der Dießenerin Sonja Maria Kröner ist in der Kinowelt zu sehen.

pm  1. Dezember 2017

Sonja Maria Kröner aus Dießen im Portrait, ihr neuer Kinofilm SOMMERHÄUSER läuft derzeit auf einigen Filmfestivals.

Dießen – Eine der aktuell meist beachtesten deutschen Regisseurinnen wohnt in Dießen: Sonja Maria Kröner. Ihr Kino-Debüt „Sommerhäuser”, das am Ammersee gedreht wurde, beeindruckt gerade Zuschauer und Presse im In- und Ausland. Auch im Hollywood Reporter wird der Film (auf Englisch „The Garden”), der komplett in einem Garten spielt, angepriesen. Und das völlig zurecht, denn „Sommerhäuser” ist ein großartig gecasteter (Thomas Loibl, Laura Tonke, Ursula Werner, Günther Maria Halmer, Christine Schorn, Mavie Hörbiger) Ensemblefilm, der die 70er Jahre, genauer den Jahrhundertsommer 1976, meisterhaft einfängt. Im Juni feierte der Film Premiere auf dem Filmfest München. Dort erhielt Kröner den begehrten „Förderpreis Neues Deutsches Kino” als beste Regisseurin.

„Die Idee zum Film entstand schon vor acht Jahren”, erzählt Kröner bei einem Cappuccino im Dießener Bahnhofs-Café. „Auch meine Familie hatte ein Grundstück am Stadtrand von München. Dort habe ich als Kind viel Zeit verbracht.” Das Zusammentreffen der Familie, das Kröner schildert, ist jedoch nicht autobiografisch. Sie selbst wurde erst 1979 geboren.

Aber die Charakterzüge der Figuren und viele der Konflikte kenne sie aus ihrer Verwandtschaft. „Für die 70er Jahre habe ich mich entschieden, weil da die Familienstruktur noch viel stärker war”, so Kröner, die insgesamt zwei Jahre lang am Drehbuch schrieb. Auf eine klassische Heldenreise in drei Akten hat die HFF-Absolventin verzichtet. Hauptprotagonist ist der Garten, in dem die Familienidylle, die eigentlich nie eine war, bröckelt, wie der auf Wachstischdecken servierte Kuchen. Der Film beginnt und endet mit einem Gewitter. Dazwischen erlebt der Zuschauer seinen persönlichen, schwülen Sommer, streift mit den Kindern durch das Gebüsch und trifft bei Frankfurter Kranz auf eigene Familienmitglieder. Und er kann sich ein wenig gruseln, sowie herrlich amüsieren, wie zum Beispiel über die Mogeleien der Kinder beim Wespenzählen oder über das textilfreie Sonnenbad.

Die Suche nach dem passenden Garten für den Film hat lange Zeit in Anspruch genommen. Fünf Monate dauerte es, bis die Location-Scouts ein geeignetes Grundstück in Bayern gefunden haben. Dass der Film in Lochschwab bei Herrsching gedreht wurde, war für Kröner ein praktischer Zufall. „Ich bin öfter mal mit dem Dampfer rübergefahren, um mit meiner Kamerafrau Julia Daschner den Dreh vorzubereiten”, so die Wahl-Dießenerin.

Erst später bei ihrem Filmgespräch im Kino Seefeld hat Kröner von einer Anwohnerin erfahren, dass das Grundstück, welches heute im Besitz der Schlösser- und Seenverwaltung ist, einst einem Nazi gehörte. „Der Garten hatte von Anfang an etwas Gruseliges, eine eigene Stimmung.” Im Gartenhaus des Grundstücks fand ihr Team noch viele Möbel und Accessoires aus den 70ern. Den Rest organisierte der ambitionierte Ausstatter, ein zweites Gartenhaus wurde eigens für den Film errichtet. Jedes kleinste Detail im Film scheint perfekt, von der Kittelschürze bis zum eng aussehenden Schuhwerk an geschwollenen Beinen. Und noch etwas fällt in „Sommerhäuser” auf: die Entschleunigung und das Fehlen der Smartphones.

Auch Kröner hat sich in ihrem Leben für die Entschleunigung entschieden und zog vor zwei Jahren mit ihrem Mann von München nach Dießen. Ihr dreijähriger Sohn besucht den Waldkindergarten, ihr jüngster Sohn ist erst im September geboren.

Die Familie verzichtet bewusst auf ein Auto und radelt stattdessen mit dem Fahrradanhänger. Die Smartphone-Nutzung bei Kindern sieht Kröner kritisch. Sie erzählt von einer Studie, die sie gelesen hat: „Durch den vielen Handy-Konsum geht die Phantasie der Kinder verloren.” Hätte Kröner als Mädchen gedaddelt, statt durch den Garten zu streifen, dann hätte sie vermutlich nicht die Kreativität und den genauen Blick entfalten können, die es braucht, um ein Filmjuwel wie „Sommerhäuser” zu schaffen.

Am Samstag, 18. November, um 18 Uhr läuft der Film im Kino Dießen. Anschließend Publikumsgespräch mit der Regisseurin.