Geschichte wird lebendig Dauerausstellung über die Ortshistorie von Riederau eröffnet. Von Uschi Nagl

pm  20. November 2017

Macher und Unterstützer bei der Ausstellungseröffnung, v. l.: Alban Vetterl (Gemeinderat), Katrin Gabriel und Stephan Widler (Verschönerungsverein Riederau), Bürgermeister Herbert Kirsch, Gemeindearchivarin Elke Ahrens-Ratz, Herwig Stuckenberger (Ammersee-Heimatforscher), Ulrike Dilling-Widler, Hans Nabholz und Max Rotthaler (Unterstützer aus Riederau) sowie Werner Mayrock und Franz Böck (Sparkasse Landsberg-Dießen). Foto: Nagl

Riederau – Die erste datierbare Erwähnung über ein Gut in „Riderowe” findet sich in einer Urkunde, die vermutlich aus den Jahren 1126 bis 1128 stammt. Darüber berichtete 1977 eine Festschrift zur 850-Jahr-Feier von Riederau. Diese Broschüre fiel 30 Jahre später Stephan Widler in die Hände – und weckte seinen Forschergeist.

Denn eine umfassende Ortsgeschichte konnte der damalige, historisch interessierte Neubürger nicht finden. Seit einigen Jahren ist Widler nun Vorsitzender des Verschönerungsvereins Riederau.

Mit einer Dauerausstellung zur Ortshistorie in der ehemaligen Schalterhalle des Bahnhofs von Riederau möchte der Verein nun die Geschichte des Ortes, die „lange von der Bildfläche verschwunden war”, wieder sichtbar machen, sagte Widler. Am Dienstag wurde die Dauerausstellung eröffnet.

In insgesamt vier Schaukästen werden Kopien von historischen Urkunden und Flurplänen, Zeitungsausschnitte und Postkarten gezeigt.

Ein Schaukasten beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der Entstehungs- und Nutzungsgeschichte des Riederauer Bahnhofs, der seit vier Jahren Eigentum der Gemeinde Dießen ist. Sämtliche Exponate sind mit kenntnisreichen Kommentaren und Erläuterungen versehen. Puzzleteile, die, sobald man sich auf sie einlässt, Zeugnis von Riederaus Vergangenheit geben.

Gemeinsam mit Bürgermeister Herbert Kirsch (rechts) eröffnete Stephan Widler (Vorsitzender Verschönerungsverein Riederau) am Dienstag eine Dauerausstellung zur Ortshistorie im Riederauer Bahnhof. Foto: Nagl

Denn, so Widler mit den Worten des evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer: „Die Ehrfurcht vor der Vergangenheit und die Verantwortung gegenüber der Zukunft geben fürs Leben die richtige Haltung.” Zusammengetragen hat Stephan Widler seine privat finanzierte heimatkundliche Sammlung, die durchaus auch Kuriositäten, wie zum Beispiel einen kleinen Klick-Fernseher mit betagten Fotografien von Riederau und Dießen enthält, bei Flohmärkten, über Auktionsplattformen im Internet, in Archiven und nicht zuletzt in Privathaushalten – „mit Kontakten vom Ammersee bis nach Amerika”, wie er sagt.

 

Damit das Ganze nicht wieder in Vergessenheit gerät, habe er beschlossen, dieses Stück Heimatgeschichte nicht in Archiven einzumotten, sondern für alle Interessierten in Form einer Ausstellung – die er gemeinsam mit Bürgermeister Herbert Kirsch eröffnete – möglichst dauerhaft sichtbar zu machen. Ein Engagement, über das sich der Gemeindechef sichtlich freute. Kirsch wünschte der Ausstellung viele Besucher und bedankte sich bei Widler für dessen vorbildliches Engagement zugunsten der Gemeinschaft.

Erfreulicherweise, so Stephan Widler, habe sein Verein für die Ausstellungsidee bereits während der Entstehungsphase großen Zuspruch seitens der Gemeinde erhalten. Sie hat die Renovierung der Schalterhalle veranlasst und sich für eine Sparkassenspende eingesetzt. Auch viele Mitbürger hätten die Initiative kräftig unterstützt.

Oft sei ihm dabei ein Stück persönliche Identität, ein Stück Familiengeschichte in Form von Briefen, Postkarten oder Fotografien an die Hand gegeben worden. Ein Stück Vertrauen, für das sich Widler bei den zahlreich erschienenen Gästen bedankte.

Fachliche Unterstützung bekam der Verschönerungsverein unter anderem vom Arbeitskreis der Heimatforscher des Ammerseegebiets, von Elke Ahrens-Ratz (Archivarin der Marktgemeinde) und von dem Dießener Kunst- und Kulturhistoriker Dr. Thomas Raff. Beide sind für Fragen der Ortsgeschiche immer die richtigen Ansprechpartner.

Für die notwendige finanzielle Basis sorgte die Sparkasse Landsberg-Dießen mit einer großzügigen Spende von 3.500 Euro, die der Verschönerungsverein gut gebrauchen kann.

Ausbau der Ausstellung in die
Sommerwartehalle

Schließlich plant er, die Dauerausstellung im Bahnhof über die ehemalige Schalterhalle hinaus in die Sommerwartehalle hinein auszubauen. Außerdem sollen einzelne Themen auch an externen Punkten außerhalb des Bahnhofsgebäudes präsentiert werden. So zum Beispiel die Historie des letzten Riederauer Lebensmittelgeschäfts in „Gaby‘s Kaufladen” an der Seiboldstraße. Auch ein geführter Rundgang zu den Außenstationen im Ort ist bereits in Vorbereitung.