Bitcoin und Blockchain – Was ist das? Vortrag über digitale Währung und Verschlüsselungstechnologie im Denkerhaus Dießen. Von Dr. Sabine Vetter

Dr. Sabine Vetter  20. November 2017

Daniel Grassinger, Experte für innovative Technologien, im Dießener Denkerhaus. Foto: Vetter

Dießen – Wieder einmal haben die Aktiven vom Dießener Denkerhaus ein aktuelles Thema geboten, das viele interessiert: Krypto-Währung, Geschäfte im Darknet, Datensicherheit, Möglichkeiten und Gefahren der anonymen Nutzung des Internets. Dipl.-Ing. Daniel Grassinger lebt in München, unterstützt Startups, ist Mitbegründer einer Firma für digitale Finanzinnovationen und gibt Seminare am Innovationszentrum der Technischen Universität München. Er sprach über Funktion, Entwicklung, Bedeutung sowie die Macher hinter „Bitcoin” und „Blockchain”.

Zwei Seiten des Darknet

Jeder der Anwesenden im vollbesetzten Raum des Denkerhauses hat schon davon gehört, manche sind vertraut mit der sogenannten Krypto-Währung, insbesondere Bitcoins, und nutzen das Darknet mit seinem hohen Maß an Datensicherheit und Anonymität. Aufwändige Verschlüsselungsverfahren erschweren Verfolgung erheblich. Diese Technologie ist auf Dezentralisierung der Kommunikationswege aufgebaut, im Gegensatz zum zentralisierten System, wie wir es normalerweise alltäglich nutzen, etwa die Systeme von Microsoft oder IBM. Durch Anonymisierung des Nutzers und seiner Tätigkeiten ist das Darknet einerseits attraktiv für kriminelle Geschäfte wie Drogen- und Waffenhandel, aber es bietet auch Schutz der Kommunikation von Bürgern in Diktaturen oder ermöglicht sichere Informationsübermittlung für Whistleblower (Enthüller) wie Edward Snowden. Daniel Grassinger kennt sich mit der Materie aus. „Ich bin aber kein Tekki”, womit er wohl meint, kein exzessiver IT-Nutzer oder -Entwickler zu sein. Auch wenn dies nicht so ganz überzeugend klingt, sind seine Ausflüge in Geschichte und Entwicklung der Krypto-Währung für einen „Tekki” doch eher ungewöhnlich. Vom Darknet für Geschäfte oder anonymen und zensurfreien Informationsaustausch spricht man schon seit den 70ern. Die digitale Währung Bitcoin mit weltweit verwendbarem und dezentralem Buchungssystem beschreibt Satoshi Nakamoto 2008 in einem Dokument. Bis heute weiß man nicht, wer hinter diesem Pseudonym steht. So zieht sich von Beginn an die Anonymität von Entwicklern und Betreibern bis heute durch. „Wer die Leute hinter der Technologie von Blockchain und Krypto-Währung sind, ist ein Mysterium”, so Grassinger.

Bitcoin und Blockchain

Bitcoin ist die erste Internet-Währung, sie wird in einem dezentralen Rechnernetz mit eigener Software verwaltet. Es gibt maximal 21 Millionen Bitcoins, jeder davon trägt eine eigene Nummer und kann nur einmal ausgegeben werden. Man weiß immer genau, wer, wann, wem Bitcoins gegeben hat, die Transaktionen werden permanent geprüft. Wer Bitcoins für Zahlungen nutzen möchte, benötigt eine Bitcoin-Wallet-Software. Es besteht ein eigenes Erwerbs- und Gebührensystem. Der Wert des Bitcoins steigt stetig: 2013 lag er bei 50 US-Dollar, am 24. Oktober 2017 (13 Uhr) bei 5.571,9832 Dollar oder 4.734,86 Euro. „Doch der Wert steigt und fällt sehr schnell, nix für Investoren mit schwachen Nerven”, warnt Grassinger. Bitcoins und viele andere digitale Währungen, die es inzwischen gibt, benötigen eine eigene Datenbank, die „Blockchain”, in der alle Transaktionen verzeichnet werden. Es handelt sich dabei um eine Kette von Datenblöcken, in der besonders schützenswerte Informationen durch ein spezielles Verschlüsselungssystem gesichert werden. Grassinger denkt neben Informationsaustausch, Einkäufen und Geldtransfer auch an die Ablage eines Testaments, digitale Daten wie Passwörter für Hinterbliebene oder an medizinische Daten. „Alle persönliche Daten kann man selbst verwalten und nur denjenigen zur Verfügung stellen, die man selbst bestimmt,” findet er sinnvoll. Aber das kann nicht jeder in seinem Publikum nachvollziehen. In der angeregten Diskussion fragt jemand: „Warum dieser komplizierte und teuere Aufwand, es reicht doch mein Passwort zur Sicherung?” Er spricht damit den immensen Energieaufwand an, den das Blockchain-System benötigt. Dass allerdings die Daten in unseren „normalen” Systemen nicht besonders sicher seien, davon sind hier viele überzeugt – und das Darknet wird an diesem Abend einige Nutzer dazu gewonnen haben.

Infos zum Denkerhaus: www.ammersee-denkerhaus.de.