Sicherheit für den Töpfermarkt Markt Dießen möchte Besucher bei Großveranstaltungen schützen. Von Petra Straub

Petra Straub  8. November 2017

Der Töpfermarkt bekommt ein Sicherheitskonzept. Darauf hat sich der Marktgemeinderat geeinigt. Foto: Straub

Dießen – Die Marktgemeinde Dießen will Besucher bei Großveranstaltungen im Ort besser vor Gefahren schützen. Deshalb forderte sie jüngst für das Magic-Lake-Festival ein Sicherheitskonzept. Nun soll auch der Töpfermarkt sicherer werden. Denn dabei handelt es sich um die größte Veranstaltung in Dießen mit bis zu 50.000 Besuchern an vier Tagen. Der Marktgemeinderat einigte sich darauf, Mittel in Höhe von 20.000 Euro in den Haushalt von 2018 für die Erarbeitung eines Sicherheitskonzepts einzustellen und sich bei einem empfohlenen Münchener Fachbüro diesbezüglich Vorschläge erarbeiten zu lassen. Zudem will die Marktgemeinde für Veranstalter eine Informationsveranstaltung durchführen.

Das Polizeipräsidium verlangt ein Sicherheitskonzept bei Großveranstaltungen ab 1.000 Besucher, erklärte Geschäftsleiter Karl Heinz Springer von der Marktgemeinde. Beim Töpfermarkt seien 3.000 bis 4.000 Besucher gleichzeitig auf dem Gelände. Die Kommunen als Sicherheitsbehörde forderten von Veranstaltern entsprechende Konzepte. Bei der Konzeption orientiere man sich an der Gefahrenlage. Nicht nur durch die zunehmenden Terroranschläge müsse gehandelt werden, auch durch Gefahren wie Sturm oder Brand könnten Besucher in Panik geraten und versuchen, das Gelände fluchtartig zu verlassen. Dies müsse möglichst gefahrlos abgewickelt werden. Beim Magic-Lake-Festival habe geklärt werden müssen, wie Hilfskräfte aufs Veranstaltungsgelände kommen und eine ärztliche Versorgung sichergestellt wird. Eine sinnvolle Beschilderung und Fluchtwege mussten ausgearbeitet und ein Hubschrauberlandeplatz ausgesucht werden. Es musste ein Treffpunkt für ein Krisenteam vereinbart und mussten Ansprechpartner von Sicherheitsorganisationen eruiert werden. Springer riet dringend dazu, auch für den Töpfermarkt ein Sicherheitskonzept in Auftrag zu geben und noch Vergleichsangebote einzuholen. Den angegebenen Betrag von 20.000 Euro hielt er für „nicht abwegig“.

Terrorgefahr berücksichtigen

Ob das Konzept jährlich erneuert werden muss, fragte SPD-Gemeinderätin Kathrin Kubat. Dies sei nicht der Fall, erklärte Springer. Michael Fuchs-Gamböck (parteifrei) wollte über den Inhalt des Konzepts Bescheid wissen. Es würden anfangs Informationen etwa über Gelände, Stände, Besucher und Fluchtwege aufgenommen und anschließend Sicherheitsmaßnahmen entwickelt, so Springer. Sechzig Seiten umfasse das Konzept für das Magic-Lake-Festival.

Durch die neue Terrorgefahr riet Johannes Grosser (CSU) Betonpoller an den Zufahrten zum Töpfermarktgelände anzubringen. Zudem forderte er, das Büro, das die Seeanlagengestaltung plant, zu informieren, um gegebenenfalls gemeinsame Lösungen zu finden. Das von der Gemeinde angeregte Konzept hält Grosser jedoch für überzogen. Das Gelände sei nicht eingezäunt, sagte er. Auch Fraktionskollege Edgar Maginot ist das Konzept zu teuer. Dass es nicht pauschal bei allen Veranstaltungen in den Seeanlagen beziehungsweise in Dießen greift, erklärte Springer auf Maginots Anfrage. Deshalb sei eine Informationsveranstaltung für alle Veranstalter in Dießen wichtig. Dabei würde die Notwendigkeit eines Sicherheitskonzepts und dessen Inhalt erläutert.

Bislang müssen Veranstaltungen ab einer bestimmten Größe nach dem Landesstraf- und Verordnungsgesetz genehmigt werden.

Der Bürgermeister sei für die Sicherheit verantwortlich, so Springer. Die Verwaltung habe jedoch nicht das Knowhow, ein Sicherheitskonzept zu entwickeln. Nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt sei München nicht mehr belächelt worden, als die Stadt die Wiesn einzäunte, so Kirsch. Auch an das Unglück bei der Loveparade 2010 in Düsseldorf mit 21 Toten erinnerte er. Man wolle keine Szenario heraufbeschwören, werde jedoch von Bürgern gefragt, ob man sich Gedanken über die Sicherheit von Veranstaltungsbesuchern mache. „Die Lage hat sich in der Republik geändert“, so Kirsch.

Bisher hätten Polizei und Feuerwehr bei Veranstaltungen für Sicherheit gesorgt. Zu prüfen, ob diese Maßnahmen auch in Zukunft ausreichen, forderte Gemeinderatsmitglied Erich Schöpflin (SPD). Nach der Rolle der örtlichen Polizei fragte Beatrice von Liel (Dießener Bürger). Sie will persönlich bei der Polizei nachfragen, inwieweit diese verpflichtet ist, bei Veranstaltungen für Sicherheit zu sorgen.

Der falsche Weg?

Erst seien die Standgebühren für die Aussteller erhöht worden, nun würde über weitere Ausgaben für ein Sicherheitskonzept gesprochen, monierten Schöpflin und Ratskollege Marc Schlüpmann von den Grünen. Der umgekehrte Weg wäre für die beiden der richtige gewesen.

Die Kosten für das Sicherzeitskonzept nicht auf die Aussteller des Töpfermarktes abzuwälzen, forderte Antoinette Bagusat (Dießener Bürger). Dadurch könnten die besten Leute abspringen, befürchtet sie. Die Kosten umzulegen sei nicht geplant, erläuterte Springer. Der Töpfermarkt sei Dießens größte Werbeveranstaltung. Deshalb übernimmt die Marktgemeinde die Kosten für das Sicherheitskonzept.

Konzept auch für „Dießen leuchtet“ und Marktsonntag

Ob auch für die Veranstaltungen „Dießen leuchtet“ und Marktsonntag des Gewerbeverbands ein Sicherheitskonzept gefordert werde, wollte der ehemalige Gewerbeverbandsvorsitzende Michael Hofmann (Bayernpartei) wissen.

Um Gefahr abzuwenden, ist dies auch für die genannten Großveranstaltungen gefordert, hieß es. Dass es in diesem Jahr nicht mehr umgesetzt werden kann, ist sich Michael Hofmann sicher. „Die Einladungen sind draußen!“

Die Gemeinde gehe mit gutem Beispiel voran, so Springer. Kirsch hofft, vom Fachbüro ein Sicherheitskonzept für den Töpfermarkt zu erhalten, das teilweise auch auf weitere Veranstaltungen im Ort übertragen werden kann.

Für die Durchführung einer Informationsveranstaltung plädierten unter anderem Jürgen Zirch (CDU), Erich Schöpflin und Zweier Bürgermeister Peter Fastl (Freie Wähler). Damit seien auch die Veranstalter auf der sicheren Seite, sagte Fastl. Dann wüssten beispielsweise auch die Veranstalter der Flohmärkte, woran sie sind.