Zukunft des ländlichen Raums Landesversammlung des Verbands für landwirtschaftliche Fachbildung. Von Dr. Sabine Vetter

Dr. Sabine Vetter  7. November 2017

Manfred Weber, Fraktionsvorsitzender der Europäischen Volkspartei EVP in Brüssel, kündigt Unterstützung für den ländlichen Raum an. Geld ginge sowohl in den Bildungsbereich wie in den Abbau der Bürokratie.Foto: Vetter

Herrsching – Etwa zweihundert Mitglieder folgten der Einladung ihres Verbands für landwirtschaftliche Fachbildung (vlf) ins Haus der bayerischen Landwirtschaft Herrsching. Der Landesvorsitzende Hans Koller begrüßte als Referenten den Bayerischen Landwirtschaftsminister Helmut Brunner, Walter Heidl, Präsident des Bauernverbands sowie Bernhard Kowatsch, Experte des UN Welternährungsprogramms. Außerdem hieß er Manfred Weber aus Brüssel willkommen. Er ist Fraktionsvorsitzender der Europäischen Volkspartei. Die Themen der Veranstaltung drehten sich um Förderung des Dialogs mit Verbrauchern, Produktentwicklung und Politik.

Landwirtschaft 4.0

Minister Brunner kennt die Vorteile von Ausbildung: „Es geht darum, einen Betrieb zu leiten mit Führungsqualitäten und unternehmerischem Denken, kreativ und praxisnah. Dafür ist der vlf unverzichtbar.“ Ziel sei Wertschöpfung durch Entwicklung neuer Marken. „Die Marke Bayern ist auch außerhalb des Landes ein Qualitätsbegriff, und spielt bei den Nahrungsmitteln in der Champions League.“ An den Fachschulen brauche man WLAN, Aufbau neuer Betriebszweige, Nachwuchsarbeit, neue Produkte und Qualitätssteigerung. „Wenn wir nicht die Größten sind, dann doch die Schnellsten und Besten. Standardprodukte bieten andere. Wir müssen dafür sorgen, dass Premiumprodukte nicht importiert werden.“ Intensivere Kommunikation mit den Verbrauchern würde Wertschätzung der regionalen Produkte stärken. Es fehle aber oft an der Bereitschaft, „einen gerechten und vernünftigen Preis zu zahlen“. Brunner schlägt auch eine „Obergrenze für Betriebe“ vor, kleine und mittlere Unternehmen seien zu fördern. „In Berlin steht wichtige Weichenstellung zur sozialen Absicherung der Landwirte bevor. Um 500 Millionen Euro erhöht sich die Förderung des ländlichen Raums – nicht nur im strukturschwachen Osten, auch in Bayern.“ Er kündigte 46 neue Planstellen für den Bildungsbereich an. Präsident Heidl ergänzte, die Bildungsarbeit müsse alle Ausbildungsstufen einbeziehen und Synergien schaffen. Auch Herrschings Bürgermeister Christian Schiller sprach zu den Gästen im Haus für Landwirtschaft. Er freue sich über dieses bedeutende Kommunikationszentrum in seiner Gemeinde, es stärke die „Marke Herrsching“. Doch die landwirtschaftlichen Beriebe hätten Probleme, da hier mittlerweile siebzig Euro für den Quadratmeter Nutzfläche verlangt würden. Zur Digitalisierung kommentiert er: „Wir wären schon glücklich, wenn man in Herrsching vernünftig telefonieren könnte.“

Agrarpolitik

Auch der Europaabgeordnete Manfred Weber rät zu Qualifizierung und Premiumprodukten, „denn was für die deutsche Autoindustrie gilt, muss auch für die Landwirtschaft gelten, wenn man weltweit geschätzt werden will“.

Bei einem Abstecher in die Berliner Politik spricht er von schwierigen Koalitionsverhandlungen. „Die AfD führt dazu, dass wir mit den Grünen verhandeln müssen. Ob es funktioniert, sehen wir in den nächsten Wochen.“ Er plädiere dafür, den „landwirtschaftlichen Kulturkampf“ zu beenden, man kümmere sich schließlich auch um Nachhaltigkeit und Tierschutz. „Schluss mit diesen Attacken auf unsere Bayerische Landwirtschaft!“ Unsicherheit sieht er im Agrarhaushalt: „Der Brexit stellt die Finanzen auf den Kopf. Großbritannien fällt als Nettozahler weg, Europa muss mehr tragen.“ Weber wehrt sich auch gegen den Vorwurf, die Landwirtschaft erhalte zu viele Subventionen. Es seien nicht Almosen, sondern Ausgleich für Leistungen, die sonst niemand biete. Und die Landwirte in Niederbayern hätten keine anderen Erwerbsmöglichkeiten. „Ohne die Investitionen wäre die Landwirtschaft im Bayerischen Wald wegen Insolvenz geschlossen.“ Europa sei bereit, den ländlichen Raum zu unterstützen, Gelder gingen sowohl in den Bildungsbereich als auch in den Abbau der Bürokratie. Mit Blick auf die Bedeutung des internationalen Handels sagt Weber: „Europäische Agrarpolitik ist Weltpolitik.“ Man müsse Ideen und Technologien stärken, um Menschen in Afrika zu unterstützen und Fluchtbewegungen zu vermindern. Freier Handel müsse fair sein. „Auch der Agrarhandel braucht offene Märkte. Doch wir sehen an China, Trump und Katalonien, dass die Welt nicht so stabil ist, wie wir glauben möchten.“

Bernhard Kowatsch ist Experte bei den Vereinten Nationen (UN), zuständig für Welternährungsprogramme. Er stellte neue Technologien und Konzepte vor, die Hunger in afrikanischen Ländern auf Dauer mindern könnten. Dazu gehörten Innovationen und Ausbildung in den Bereichen Hydrokultur zur Ernährung von Menschen und Tieren. Kowatsch ist überzeugt, dass Politik änderbar ist, um Menschen in ihren Ländern zu halten. Landwirtschaft sei dabei zentral.