Von Ketten und Fesseln befreien Patroziniumsgottesdienst der Wengener Kapelle mit Umritt und Segnung der Pferde. Von Raimund Fellner

Raimund Fellner  7. November 2017

Beim dreifachen Umritt um die Wengener St. Leonhardskapelle wurden die Reiter mit ihren Pferden von Pfarrer Josef Kirchensteiner mit Kreuz, Weihwasser und Weihrauch gesegnet. Fotos (3): Fellner

Wengen – Bei schönem Spätherbstwetter am vergangenen Samstag hatten sich zum traditionellen Leonhardifest mit Gottesdienst und dreifachem Umritt der Pferde im Dießener Ortsteil Wengen wieder einige hundert Besucher am Wengener Dorfplatz vor der dortigen St. Leonhardikapelle eingefunden. Unter der Begleitung der Blasmusik des Musikvereins Dießen ging der Zug vor Beginn des Festgottesdienstes mit über 40 Pferden mit ihren Reiterinnen und Reitern vom Wengener Feuerwehrhaus über die Dorfbrücke mit dem dort geschmückten Festbogen zum Dorfplatz um die Leonhardkapelle.

Mit Glockengeläut und einem persönlichen Gruß wurden die Reiter mit ihren Pferden sowie die Gottesdienstbesucher von Dießens Pfarrer Josef Kirchensteiner (l.) empfangen. Gertrud und Andreas Bernhard kümmern sich das ganze Jahr über um die Kapelle.

„Es ist jetzt schon fast 300 Jahre her, dass an diesem Ort, im Jahre 1719/20, nach einer verheerenden Viehseuche die bäuerliche Bevölkerung gelobte, zu Ehren der Hl. Leonhard und Wendelin eine Kapelle zu errichten, zu einem Zeitpunkt, bevor das heutige Marienmünster als Klosterkirche erbaut wurde, blickte Dießens Pfarrherr Josef Kirchensteiner auf die Historie zurück. In der damaligen Zeit wurden um das Leonhardsfest bis zu sechs Hl. Messen gelesen, wie es in der kirchlichen Chronik steht. Kirchensteiner wies weiter darauf hin, dass im Jahre 2020 die Kapelle 300 Jahre besteht und man sich Gedanken machen sollte, dies in einem größeren als den heutigen Rahmen zu feiern. In seiner Predigt blickte Kirchensteiner auf das Leben des Hl. Leonhard in Süddeutschland zurück mit seinem Leben in der Einsamkeit, um zu beten und den Menschen zu helfen und nicht wie ihm angeboten als Bischof in Frankreich zu arbeiten und zu residieren. „Es heißt auch, dass er sich um Gefangene und die Armen kümmerte. So wurden die Ketten, die der Hl. Leonhard in den Darstellungen hält, uminterpretiert zu den Ketten, mit denen die Haustiere angebunden waren. So wurde er auch zum Patron der Pferde, die für die Bauern als Helfer und Partner sehr wichtig waren.“

Pfarrer Kirchensteiner stellte sich auch die Frage, was sollen die Ketten in der heutigen Zeit für uns aufzeigen, die einen fesseln etwa wie ein guter Roman oder Film oder auch Personen. Auch Arbeit könne einen begeistern und fesseln aber auch im negativen Sinne durch Überforderung fesseln. Krankheit könne uns ans Bett fesseln wie auch verschiedene Süchte, die eine schlimme Fessel sein können. „Man kann sich von Fesseln befreien durch gute Gedanken, durch Gebete und durch handeln nach dem Gewissen“, so Kirchensteiner. Die Freiheit und Befreiung von persönlicher Fesselung könne uns auch der Glauben an Gott geben. „Wenn wir an Gott glauben und dankbar sind, was er uns an Geschenk gegeben hat, wie die herrliche Natur und das Leben mit den kleineren und größeren Geschöpfen der Erde, wie auch die Pferde“, so Kirchensteiner.

Der Weg der Reiter mit ihren Pferden geht über die Dorfbrücke in Wengen, unter einem gebundenen Festbogen hindurch.

Zu Ende des Gottesdienstes unter den Klängen der Blaskapelle Dießen, die auch den Patroziniumsgottesdienst musikalisch begleiteten, umrundeten die über 40 Reiterinnen und Reiter mit ihren Pferden traditionell dreimal die Wengener St. Leonhard-Kapelle, wobei sie von Pfarrer Josef Kirchensteiner mit Kreuz, Weihwasser und Weihrauch gesegnet wurden. Mit einem Rosenkranz am Nachmittag endet der kirchliche Festtag im Dießener Ortsteil. Um die Organisation des traditionellen Leonhardiumrittes in Wengen mit der Pflege der Leonhardikapelle kümmern sich seit Jahrzehnten die Männer und Frauen der Burschenschaft Wengen. In den Tagen vor dem Patrozinium der Wengener Kapelle wird der Schmuck für die Kapelle mit Festbogen von Mitgliedern der Burschenschaft gebunden und aufgestellt und nach altem Brauch mit weißen, rosa und roten Papierrosen verziert.