Wettbewerb durch Hintertür? Vorgaben für Architekten beim Prix-Gelände gelockert

Renate Greil  11. August 2017

Viele Investoren zeigen am Prix-Gelände in Schondorf Interesse. Alternative Vorschläge dürfen nach der neuen Entscheidung des Schondorfer Gemeinderates auch beim derzeit laufenden Investorenwettbewerb eingereicht werden. Foto: Greil

Schondorf – Viel Gesprächsbedarf gab es in Schondorf zum Thema Investorenwettbewerb für das Prix-Gelände. Wie zweiter Bürgermeister Martin Wagner (CSU), der die jüngste Schondorfer Gemeinderatssitzung leitete, erläuterte, haben sich schon viele Interessenten die Unterlagen heruntergeladen. Dies ist nach einer Registrierung auf der Webseite der Gemeinde möglich. Inzwischen seien viele Fragen eingegangen, zum großen Teil auch technischer Natur wie wie zur Bodenbeschaffenheit. Die meisten Fragen werden vom Bauamt beantwortet, sagte Wagner, der die Antworten auch öffentlich für alle Interessenten zugänglich machen will.

Seit Mitte Juli läuft der Investorenwettbewerb für die Wohnbebauung auf dem Prix-Gelände in Schondorf. Neunzehn Reihenhäuser und dreistöckige Geschosswohnungsbauten mit einer Geschossfläche von insgesamt bis zu 8.838 Quadratmetern sollen gebaut werden, davon unterliegen mindestens dreißig Prozent einer Auflage für die soziale Komponente.

Wie Bauamtsleiter Matthias Seitz telefonisch dem Ammersee Kurier sagte, geht der Investorenwettbewerb bis zum 6. Oktober. Bislang wurde noch kein Vorschlag eingereicht, meinte er. Es müsse auch ein Gestaltungskonzept mit abgegeben werden. Bei den Fragen der Investoren ging es immer wieder um den Spielraum beim vorliegenden Bebauungsplanentwurf. Dieser hat inzwischen schon Planreife, ist aber noch nicht rechtskräftig. Wie Wagner berichtete, hatten auch mehrere Gemeinderäte bei Bürgermeister Alexander Herrmann (Grüne) vorgesprochen, damit auch alternative Vorschläge am Investorenwettbewerb teilnehmen dürfen. Bislang gilt, so Wagner, dass kleine Abweichungen möglich sind. Offen zu sein für Vorschläge, wünschte sich Wolfgang Schraml (Freie Wähler). Dies sei auch Konsens im Gemeinderat gewesen, meinte er. Über die Auslobungsunterlagen sei abgestimmt worden, entgegnete Wagner. Der Bebauungsplanentwurf vom Schondorfer Büro Vonmeiermohr Architekten war Grundlage. Dieser legt die Grundsätze wie das Maß der Bebauung, die Anzahl der Stockwerke oder die maximal möglichen Wohneinheiten fest. Ob der Bebauungsplanentwurf angepasst oder in kleinen Details angepasst werden darf, war letztlich die entscheidende Frage. Einen Architektenwettbewerb durch die Hintertür sah Rainer Jünger (CSU) kommen. Hier werde ein „sehr weites Tor aufgemacht“, sagte er. Keine großen Zugeständnisse wollte auch Marlene Orban (SPD) machen, die den erarbeiteten Bebauungsplanentwurf „wirklich gut“ fand. Anders sah es Kurt Bergmaier (Freie Wähler), der auch „gewisse Schwächen“ im derzeitigen Bebauungsplanentwurf sah und von Gesprächen mit Investoren berichtete, die durch die strikten Vorgaben „abgeschreckt“ werden. Auch Helga Gall (Grüne) wollte andere Vorschläge nicht ausschließen. Man müsse dann zusammen mit dem Planer schauen, ob es machbar ist, meinte sie. Eine Verschiebung der Entscheidung, wie Florian Gradl (Freie Wähler) sie angesichts des durch die Urlaubszeit auf elf Personen dezimierten Gemeinderats ansprach, hielt Wagner wegen des laufenden Wettbewerbes für nicht realistisch. Einen weiteren Aspekt sprach Stefanie Windhausen-Grellmann (Grüne) an, falls Investoren einen neuen eigenen Entwurf präsentierten, denn das Gebiet ist in fünf Lose aufgeteilt. Unter anderem ist ein Los für eine Bauherrengemeinschaft vorgesehen. Letztlich stimmen sieben Gemeinderäte für eine Streichung der Einschränkung „in kleinen Details“ und vier Gemeinderäte dagegen.