FFH-Gebiete: Konsens gesucht! Veranstaltung in Rottenbuch kann Skepsis vieler Landwirte nicht ausräumen

Dr. Sabine Vetter  21. Juli 2017

Betroffene Flächen im Gebiet der Gemeinden Pähl-Fischen und Raisting. Grafik: AELF

Rottenbuch/Pähl/Raisting – Das Weilheimer Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) lud zusammen mit den unteren Naturschutzbehörden der Landkreise Weilheim-Schongau und Garmisch-Partenkirchen zu einer Auftaktveranstaltung in die Rottenbucher Gemeindehalle ein. Es ging um den Managementplan „Ammer vom Alpenrand bis zum Naturschutzgebiet Vogelfreistätte Ammersee-Südufer”, der mit allen Grundeigentümern und Nutzern der Flächen im Flora-Fauna-Habitat-Gebiet (FFH) 8331-302 „Ammersee-Südufer und Raistinger Wiese” erarbeitet werden soll. Ein Maßnahmekatalog ergibt sich aus der jetzt startenden Aufnahme des Bestands in diesem Gebiet. Alle Beteiligten kommen dann 2019 an einem Runden Tisch zusammen, um weiteres Vorgehen zu beschließen. Seit Jahren besteht zu diesem Thema ein Zwist zwischen Behörden und Grundeigentümern.

„Wir haben nur eine Welt”

Markus Heinrich, AELF Weilheim, mit Sitz in Schongau, lenkt zu Beginn der Veranstaltung den Blick auf die globalen Zusammenhänge und betont, dass wir nur eine Welt hätten: „7,5 Millionen Menschen brauchen Platz für Erzeugung von Nahrungsmitteln und Freizeit. Daneben gibt es die Notwendigkeit, natürliche Räume für wildlebende Pflanzen und Tiere zu erhalten. Wenn alle soviel Platz bekommen, wie sie meinen zu benötigen, dann reichen auch zwei Welten nicht aus.” Zum Regionalen wechselnd sagt Heinrich: „Das Ammersee-Südufer mit Raistinger Wiesen und dem Vogelschutzgebiet bis Wielenbach hat wegen seiner Größe und Komplexität Seltenheitswert. Dies sollten wir erhalten. Die Menschen, die hier wohnen und arbeiten profitieren von einer intakten Naturlandschaft.” Für FFH-Flächen gilt das „aktive Verschlechterungsverbot”, hier dürfen die Landwirte also nichts unternehmen, was die aktuelle Qualität des Lebensraums mindert. Sie sind aber auch nicht verpflichtet, diesen aktiv nach Vorgaben der Behörden zu ändern. Doch es gibt verschiedene Interessen, die seit Längerem unversöhnlich scheinen. Es geht unter anderem um die Fragen, nach welchen Kriterien Kartierer ihre Listen erstellen und welche Fläche zum FFH-Gebiet erklärt werden. Im vergangenen Jahr gab es schon über 6.300 schriftliche Einsprüche von oberbayerischen Grundeigentümern gegen das behördliche Vorgehen, die jedoch alle mit einem einzigen Serienbrief beantwortet wurden. In Heinrichs Augen waren diese Einsprüche zu zahlreich, um sie individuell zu beantworten: „Das wäre nicht zu schaffen gewesen.” Pähls Bürgermeister Grünbauer versteht seine Aufgabe darin, die Interessen der Gemeinde und der Bürger zu vertreten und sieht Probleme für Eigentümer und Landwirte, deren Grund in die nun betroffenen FFH-Gebiete am Südufer des Ammersees reichen (s. Karte). „Die Behörden sagen zwar, für private Eigentümer gelte nur das Verschlimmerungsverbot auf diesen Flächen. Aber die Ämter sitzen ja immer am längeren Hebel. Wenn ein Landwirt einen Stadl bauen will, ist es schon vorgekommen, dass es bereits bei der Bauanfrage Schwierigkeiten gibt. Die Klagen dagegen kann man nicht pauschal abhandeln.” Heinrich sieht die Situation weniger dramatisch: „Noch höhere Auflagen sind eher nicht in Sicht. Wir suchen einen Konsens mit den Menschen vor Ort, damit Schutzgebiete wie Streuwiesen und Kiesbänke für unsere Enkel erhalten bleiben.” Er bestätigt allerdings, dass die Ansprüche an die Flächen weit auseinandergehen. Verschiedene Treffen sollen diese in Einklang bringen.

Konsens schwierig

Bürgermeister Grünbauers Vertrauen ist jedoch „wegen Behördenwillkür zutiefst erschüttert”, sagt er. Gegen die „Sammelverordnung” wurde Klage verfasst, denn man könne nicht „alle Bauern an den Pranger stellen”. Doch manche Maßnahme käme einer „Enteignung” gleich und würde gegen Grundrechte verstoßen. „Bauernland gehört in Bauernhand, nicht in Staatshand, nicht in Naturschützerhand. Die Fördergelder, die an den Naturschutz gehen, etwa für die Kartierungen, könnten die Bauern gut gebrauchen.” Weniger betroffen als Pähl ist die Gemeinde Raisting. Hier sei noch nicht klar, welche Gebiete genau einbezogen werden, so Bürgermeister Martin Höck. Laut Karte handele es sich um den Äußeren Wachtfleckengraben und den benachbarten Acker, beide privat. Es seien vielleicht auch Wirtschaftsgräben darunter, die wären aber schon vor Jahren zusammen mit Vertretern des Naturschutzes entstanden. „Man wird sehen, worum es geht, wenn die Pläne mal ausliegen”, so Höck. Und wenn man mit den Ergebnissen der Kartierungen und den daraus entwickelten Vorgaben nicht einverstanden sei, müsse man vielleicht ein Gutachten einholen.

Die Kartierer beginnen jetzt mit ihrer Arbeit, daraufhin wird ein Maßnahmekatalog erstellt und öffentlich ausgelegt. Etwa im Herbst 2019 soll ein Runder Tisch mit allen Beteiligten stattfinden, um die Umsetzung der Maßnahmen zu besprechen.