Von wegen Mittsommernachtstraum Sommerspektakel der Uttinger Seebühne feierte trotz Regenwetter gelungene Premiere

Maren Martell-Münkel  18. Juli 2017

Der zum Esel verwandelte Weber Zettel (Gerhard Deininger) inmitten der Elfenschar. Foto: Martell

Utting – Shakespeare hätte daran seine wahre Freude gehabt. Keine Bühne, keine Aufbauten. Dafür ein knatternder Traktor, eine alte Simson und ein feuerrotes Käfercabrio. Zum Auftakt fuhren die Oldtimer den Seeweg entlang direkt vors Publikum. Regisseur Florian Münzer hatte für die zweite Auflage des „Mitsommernachtstraum” von William Shakespeare erneut eine ungewöhnliche Inszenierung gewählt.

Zwar war die Premiere noch wenige Minuten vor Beginn in Frage gestellt. Heftige Gewittergüsse gingen da in Utting nieder. Die Fans der Seebühne ließen sich davon aber nicht abschrecken. Mit Schirmen, Decken und Regenjacken ausgerüstet, warteten sie vor Beginn der Aufführung tapfer auf die Entscheidung der Organisatoren. Diese ließen die Premiere schließlich stattfinden. Und dann spielte auch der Wettergott mit. Tiefdunkle Regenwolken zogen zwar immer wieder auf, doch es blieb weitgehend trocken.

1593 verfasste Shakespeare diese heute noch so beliebte Komödie. 1843 wurde sie in Berlin durch Ludwig Tiecke mit der Musik von Felix Mendelsohn-Bartholdy in deutscher Übersetzung von August Wilhelm Schlegel aufgeführt.

Seither hat sie ihren festen Platz in den Spielplänen der Theater. Auch in Utting wurde sie bereits 2002 gespielt. Münzer hatte schon damals seinen Spaß daran: „Shakespeares Stücke könnte ich ständig rauf- und runterspielen. Die sind einfach toll.” Für die diesjährige Aufführung entschied Münzer sich erneut für eine puristische Bühnenausstattung. „Ich mag es einfach, wenn in Gras und Sand gespielt wird”, bekennt er. Für die Darsteller am Premierenabend war dies jedoch eine kleine Herausforderung, sich beim Rivalenkampf in den Matsch zu werfen oder zum Schlafen in die feuchte Wiese zu betten. Geradezu opulent und sehr phantasievoll hingegen die Kostüme, vor allem die der Elfen und ihres Königspaares Oberon und Titania.

Die Hochzeit von Prinz Theseus und Hippolyta soll gefeiert werden. Doch kurz vor dem Fest sind beide Hochzeitspaare hoffnunglos zerstritten. Die Situation ist verfahren und wird es noch mehr, als sich die Naturwelt einmischt, sehr überzeugend gespielt von Werner Högel in der Rolle des Elfenkönigs Oberon und Luis Graf als seinem Gehilfen, dem kleinen Puck.

Auch Birgit Quirchmayr als Elfenkönigin Titania begeisterte das Publikum, insbesondere als sie sich zum Liebesspiel mit dem zum Esel verwandelten Weber Zettel (Gerhard Deininger) am Ammerseeufer niederlässt. Wie schon in den Vorjahren standen Profis und Laiendarsteller auf der Bühne.

Das Stück war ein Potpourri aus Originaltext und bayerischem Lokalkolorit. Überzeugend das Spiel der vielen Amateure wie den Handwerkern, aber auch von Ferdinand Ascher als Demetrius, Ruben Hagspiel als Lysander, Lisa Bales als Hermia und Olivia Czwarno als Helena. Wunderschön die Elfen, vor allem als sie im Dunkeln mit kleinen Lichtern durchs seichte Ammerseewasser wateten. Passend dazu auch die Seekulisse als das späte Abendlicht Kloster Andechs in ein brennendes Rot tauchte und die letzten Segler an der Seebühne vorbeiglitten.

Seit 1997 bringt die Uttinger Seebühne am Ufer des Summerparks Theaterstücke zur Aufführung – von der Klassik bis zur Moderne, von Aristophanes bis Bert Brecht. Unterstützt wird sie von anderen Uttinger Vereinen und heimischen Betrieben.

Der Mitsommernachtstraum ist noch bis zum 5. August täglich außer montags zu sehen.

Uttinger Seebühne, Mittsommernachtstraum, bis 5. August, täglich außer montags, 20 Uhr. Karten: www.seebühne.de oder 0700-08806123, Utting Summerpark, Nähe Dampfersteg.