Kleine Mücken, große Folgen Informationen zur Mückenplage am Ammersee

Alois Kramer  18. Juli 2017

Zu Beginn der Veranstaltung trafen sich die Teilnehmer auf dem Parkplatz in Stegen und winkten mit ihren Mückenklatschen. Foto: Kramer

Eching/Stegen – Sie können einem den Schlaf rauben, das schönste Gespräch auf einer Terrasse versauen, Urlaubstage zum Alptraum werden lassen und massenhaft Touristen vertreiben. Die Rede ist von Stechmücken. Im Moment hält sich die Population zurück, sollte es jedoch zu Überschwemmungen an den Ufern des Ammersees kommen, dann sieht’s schlecht aus. Denn die Überschwemmungsmücken sind darauf spezialisiert ihre Eier auf Flächen abzulegen, die in den Frühjahrs- und Sommermonaten von Hochwasser überschwemmt werden.

Anfang Juni war die Plage besonders schlimm

Die Weibchen stechen den Menschen, um ihre Eier mit Blut zu versorgen, die Wissenschaft nennt es Blutmahlzeit. Zu Beginn des Monats Juni war die Plage so schlimm, dass Wirtin Miriam Pavic aus Eching ihr „Strandhaus“ vorübergehend schließen musste. Die Nachricht vom Ammersee fand Eingang auf die überregionalen Seiten der Tageszeitungen sowie ins Fernsehen. Jeder Gast habe im Durchschnitt 40 Mückenstiche erdulden müssen, erklärte Pavic.

Flugs gründete sie die Initiative „Mückenplage – NEIN danke“ im Internet und sammelte scharenweise Anhänger, die sie mit Unterschriften unterstützten. Seither gehen zahlreiche Kommentare auf dieser Homepage ein.

Tatsächlich berichtete die Dießener Touristinfo auf Anfrage unserer Zeitung, dass die Nachfrage nach Zimmern aufgrund von Berichten über die Mückenplage in diesem Jahr deutlich zurückgegangen sei. Rainer Jünger, Gemeinderat der CSU in Schondorf, forcierte nun das Begehren der Bürger am Ammersee mit einem „Biologieunterricht“ in der freien Natur. Am Freitagabend fand eine von ihm und anderen Mückengegnern initiierte Wanderung vom Parkplatz in Stegen über das Ampermoos bis zum Gasthof Eberhardt in Eching statt.

Seit vierzig Jahren am Oberrhein angewendet

Dort endete der kurze Spaziergang von fünfzig Interessierten mit einem Vortrag des Biologen Matthias Galm von der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur biologischen Stechmückenbekämpfung (KABS).

Der Eingetragene Verein setzt am Oberrhein seit mehr als vierzig Jahren das Bacillus thuringiensis israelensis (B.t.i.) erfolgreich gegen Mückenlarven ein. Es wurde zufällig von einem israelischen Wissenschaftler in der Wüste Negev entdeckt.

Nach Auskunft des Biologen ist das Mittel sowohl komplett giftfrei, naturverträglich, nebenwirkungsfrei und wirke sich nicht negativ auf die Nahrungskette etwa von Schwalben oder Fischen aus.

Mit einer Schöpfkelle demonstrierte der Badener Biologe in einer Wasserpfütze im Moos unterhalb der Autobahn wie sein Geschäft funktioniert. Sind mehr als fünfzig Larven pro Liter in der Kelle, wird’s kritisch.

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B.t.i. gegen die Mückenplage am See

Biologe Matthias Galm referierte nach dem Spaziergang im Gasthof Eberhardt in Eching

Dann empfiehlt sich die Behandlung mit B.t.i. Diese wird entweder zu Fuß mit einer Spritzpumpe oder mit einem Hubschrauber, der ein Granulat abwirft, durchgeführt. Rainer Jünger und auch sein Mitstreiter Siegfried Luge betonten im Gasthof Eberhard, dass es ihnen nicht darum ginge, Stechmücken am Ammersee auszurotten. Lediglich bei Populationsspitzen der Larven sollte gezielt B.t.i. angewendet werden. Luge und Jünger wiesen darauf hin, dass dieses Verfahren bereits seit Jahren erfolgreich am Chiemsee angewendet werde, betonten aber auch, dass dort Bürger elf Jahre gebraucht hätten, bis sie sich mit ihrer Forderung nach Eindämmung der Mückenplage durchsetzen konnten. Voraussetzung für den Einsatz und auch die Genehmigung durch die Naturschutzbehörden – insbesondere in Naturschutzgebieten – sei eine genaue Kartierung der betroffenen, überschwemmten Gebiete, referierte Galm. Hier könne man auf die Arbeit der Wasserwirtschaftsämter zurückgreifen. Bürgermeister Luge könnte sich vorstellen, dass eine von mehreren Ammerseegemeinden getragene kommunale Gesellschaft die Kosten, die anteilig pro Bürger und behandelten Quadratmetern berechnet werden, übernehmen solle. Der Abwasserzweckverband wäre dann für die Aktion verantwortlich. Luge erinnerte daran, er sei bereits vor mehr als zehn Jahren mit der Forderung nach gemeinsamem Handeln gegen die Mückenplage bei seinen Bürgermeisterkollegen gescheitert. „Leider haben wir zur Zeit keine Mückenplage, denn dann hätten wir eine Sporthalle für den heutigen Informationsabend voll bekommen“, klagte der Bürgermeister von Eching und forderte die etwa 80 Zuhörer im Gasthof Eberhard auf, Druck auf die Kommunen zu machen. Ein Diskussionsteilnehmer: „Nicht reden. ,Machen’ ist das Zauberwort.“ Mehr Informationen dazu unter www.mueckenplage-nein-danke.de.

Mit der Schöpfkelle holt Biologe Matthias Galm die Larven aus einer Pfütze im Ampermoos. Dann werden sie gezählt und die Population hochgerechnet. Rechts daneben Rainer Jünger, einer der Initiatoren. Foto: Kramer