Herausforderung Generationenwechsel Informationskreis der Wirtschaft (IdW) veranstaltet Diskussionsabend zur Unternehmensnachfolge

ak  30. Juni 2017

Dr. Karsten Schween im Gespräch mit, v. l.: Isabella und Ingrid Rauch (Autohaus Ressle/Fahrdienst Ressle), Hermann Redl (Redl-Karton), Stefan Fichtl (Holzbau Fichtl) sowie Wolfgang Redl (ebenfalls Redl-Karton). Foto: Bader

Landsberg – Es ist ein Thema, das auf alle Familienbetriebe früher oder später zukommt: die Unternehmensnachfolge. Die Weitergabe an die nächste Generation – vorausgesetzt, diese hat überhaupt Interesse – verläuft nicht immer reibungslos. Was ist notwendig für einen erfolgreichen Übergang, welche Fallstricke gibt es? Was kann man von positiven wie negativen Beispielen lernen?

Zu all diesen Fragen veranstaltete der Informationskreis der Wirtschaft (IdW) kürzlich im Altstadtsaal der VR-Bank Landsberg-Ammersee einen Unternehmerabend mit Dr. Karsten Schween, einem der führenden Berater auf diesem Gebiet.

Bei einer Podiumsdiskussion berichteten anschließend die Inhaber dreier regionaler Familienbetriebe von ihren Erfahrungen mit dem Generationswechsel.

Eines machte Schween den rund 50 Teilnehmern gleich zu Beginn klar: „Patentlösungen gibt es nicht.“ Der Übergang von Senior zu Junior wirft zwar stets die gleichen Fragestellungen auf, verläuft aber in jedem Fall individuell – und durchaus nicht immer erfolgreich. „Von 100 Familienunternehmen werden 60 Prozent von der zweiten Generation weitergeführt“, so Schween, der viele dieser Veränderungsprozesse begleitet hat. „Dann halbiert es sich in jeder folgenden Generation.“

Gelingen kann die Nachfolge innerhalb der Familie nur, wenn das Thema frühzeitig angepackt und vorbereitet wird. Es geht unter anderem darum, gemeinsam Ziele für das Unternehmen zu definieren, Kompetenzen klar zu regeln und die Altersversorgung der ausscheidenden Generation sicherzustellen. Nur so lassen sich die „typischen Fallen“ (Schween) vermeiden, die sich auftun, wenn zum Beispiel der Senior nicht loslassen kann oder will, wenn übertriebene Rivalität zwischen Geschwistern herrscht oder die Nachfolger schlicht nicht geeignet sind. Von einem gerade stattfindenden Übergang konnten Ingrid und Isabella Rauch berichten, Mutter und Tochter aus dem Ludenhausener Autohaus Ressle. Mit Isabella Rauch führt bereits die dritte Generation den Betrieb. Optimierung und Aufgabenteilung sind die Schlagworte, die den Generationswechsel bei der Landsberger Firma Redl Karton kennzeichnen. Ihren ganz eigenen Weg fanden Vater und Sohn Erwin und Stefan Fichtl vom gleichnamigen Holzbaubetrieb in Hechenwang. Der Senior betreute weiterhin den gewachsenen Kundenkreis seiner Zimmerei, während Sohn Stefan gemeinsam mit seiner Frau die Firma zum Fertighaus-Bauunternehmen weiterentwickelte.

Dass jeder gelungene Generationswechsel nicht nur für das Unternehmen selbst ein Gewinn ist, machte der Sprecher des IdW und Vorstandsvorsitzende der VR-Bank Sefan Jörg klar. Denn auch für Geschäftspartner und Banken steht einiges auf dem Spiel. Wird der neue Unternehmer die Linie des Vorgängers fortsetzen, wird er Bewährtes erhalten oder alles umkrempeln? Bleiben die bisherigen Geschäftsverbindungen bestehen?

„Für die Banken ist eine hoffentlich gelungene Nachfolge eine der weitreichendsten Entscheidungen in der Geschäftsbeziehung mit einem Unternehmen“, so Jörg.

md