„Heimat ist hier anderswo überall“ RBK-Künstler setzen sich in Holzhausen mit einem nicht einfachen Begriff auseinander

Maren Martell-Münkel  30. Juni 2017

Alois Kramer eröffnete die Ausstellung der RBK-Künstler am Sonntag in Holzhausen. Foto: Martell

HolzhausenSind Trachten- und Heimatvereine der „natürliche“ Ort von Heimat? In welchen Vermittlungsformen erfahren wir Heimat? Welche politischen Implikationen hat Heimat? Wie hat sich der Heimatbegriff verändert? Alles Fragen, die der Philosoph und Journalist Alois Kramer in seiner Laudatio zur Eröffnung der Holzhausener Ausstellung des Regionalverbands Bildender Künstler (RBK) aufwarf. (Den zweiten Teil der vollständigen Rede können Sie in der heutigen Ausgabe nachlesen). „Schnittstelle Heimat“. Das Motto der ersten Kreiskulturtage im Landkreis Landsberg nahmen die Künstler zum Anlass, sich auf ihre Art und Weise dem Thema zu nähern.

Der diesjährige Kunstpreisträger Bert Praxenthaler setzt sich mit seinem „Heimataltar“ eher ironisch damit auseinander. In einem geöffneten traditionellen Bierkrug ist im Hintergrund ein Paar in Lederhose und Dirndl zu sehen, beides fast etwas lächerlich erscheinende Spielzeugfiguren. Umrahmt wird der Altar von lauter abgenutzten Gegenständen so einem Schlüssel, einem Stück Seil, einem Stecker oder einem Kronkorken von einer Bierflasche.

Auch das in Reichling lebende Künstlerpaar Monika Lehmann und Josef Thalhofer betrachtet das Thema eher kritisch. Monika Lehmann präsentiert in einem weißen Glaskästchen verschiedene Koordinaten-Angaben. In weißer, zerlaufender Farbe ist zu lesen: „Heimat ist hier anderswo überall“, im Hintergrund ein Haufen kleiner Schächtelchen und ein Geflecht von feinen weißen Fäden. Auch Thalhofer präsentiert ein Kästchen. Darin ist eine Feldpostkarte aus einem der Weltkriege zu sehen. Darunter ein Bleistift, Stacheldraht und Erde. „Heimaterde“. Die in Eching am Ammersee lebende Künstlerin Anemone Rapp präsentiert auf vier Quertafeln ein schwarzes Boot. Dahinter schimmert es blau und grün durch. Ist es ein Flüchtlingsshiff irgendwo auf dem Mittelmeer oder nur ein Boot, in dem eine Blüte hineinragt? Die Interpretation bleibt offen. „Sein dürfen – Heimat sein“, lautet der Titel. Die Künstlerin beschreibt sich als einen Menschen, der immer wieder umgezogen und nirgendwo zu Hause ist. Dennoch ist Heimat für sie da, „wo ich mich wohlfühle“. Auch Gisela Detzer hat für ihre Arbeit vier Platten im Querformat gewählt – „das hatten wir vorher so in unserer Schondorfer Ateliersgemeinschaft festgelegt“. Drei der Platten sind monochrom himmelblau, eine schwarz-weiß. Man erkennt Stege und das Seeufer. Seeleben, sehr abstrakt. Nicht von ungefähr sicher auch der Titel „Assoziationen“. Und über dem Treppenaufgang hängt ein großes Schild aus alten verwitterten Holzlatten. „Heimat“ ist darauf in schwarz-weißer Schrift auf tiefgrünem „Wiesen“-Grund zu lesen. „Heimat ist für mich Natur, Landschaft“, erläutert die Künstlerin Gabi Becker.

Zu der diesjährigen RBK-Ausstellung „N 48° 0‘27‘‘ – O11°5‘46‘‘“ in der Bayerischen Verwaltungsschule in Holzhausen sind auch ausländische Künstler dazu gebeten worden, so die junge Syrerin Hassan Rawan, die einen Lynoldruck präsentiert, sowie die aus Polen stammende Magdalena Willem-Pisarek mit ihrer Arbeit „innen“. Helmut Hager hat zusammen mit dem US-Künstler Baird Cornell eine Installation aus Stühlen und Blumen erstellt.

„The open table“, so der Titel. Alle Werke finden hier nur einen Platz auf Zeit“, betont die RBK-Vorsitzende Silvia Großkopf. Zur sehr gut besuchten Vernissage spielte der derzeit in Dießen beheimatete Syrer Refaat Ebrahim auf der traditionellen Uhd. Im Hintergrund die großformatige, dreiteilige Arbeit von Gerhard Stachora. Auch hier ein sehr bezeichnender, ja nachdenklich stimmender Titel für das erdige Werk: „Blut, Boden, Asche, Holz und Eisen“.

RBK-Ausstellung anlässlich der Kreiskulturtage in Holzhausen bis 30. Juli geöffnet, Montag bis Freitag, von 10 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag, 11 bis 17 Uhr, www.kreiskulturtage-landsberg.de; www.rbk-oberbayern.org.