Heimat: In Utting erinnern sich die Alten Ausstellung „Schnittstelle Heimat“ im Uttinger Bürgertreff

Jutta Bäzner  30. Juni 2017

Im Rahmen der Landsberger Kulturtage zum Thema „Schnittstelle Heimat“ installierte Fotograf Harry Sternberg im Summerpark Tafeln, die er „Flucht und Vertreibung“ nennt. Er dokumentiert das Leben seines Schwiegervaters Franz Riedel, der, aus Böhmen vertrieben, in Utting Heimat fand. Sternberg zeigt auch Fotos des geflüchteten jungen Syrers Abd Allah A, der nun in Utting eine Lehrstelle antritt. Fotos (2): Bäzner

Utting – Trotz drückender Hitze kamen sie in den Bürgertreff, die Alten und die sehr Alten: In Utting geboren, hier aufwachsen, zugezogen oder als Flüchtlinge undVertriebene hierher verschlagen. Sie interessierten sich für die Foto-Ausstellung „Schnittstelle Heimat“, die anlässlich der landkreisweiten gleichnamigen Kulturtagen dort gezeigt wird.

Bei Kaffee und Kuchen sprachen sie von damals, schauten sich die Fotos an, auf denen sich viele wiedererkannten: „Das bin ja ich! Da bin zur Schule gekommen. Da: mein Bruder! Der lebt ja nicht mehr.“ Oder vor einem anderen Foto: „Das da ist mein Vater, Da kam er aus der Kriegsgefangenschaft. Mei, wie mager! Und ich klammere mich an die Mama, der Papa war mir so fremd.“

Amrei Lang, Sozialpädagogin beim Verein „Füreinander e.V.“, hatte die Ausstellung mitgestaltet und begrüßte die Gäste, von denen sie viele kannte, weil sie regelmäßig zu den Veranstaltungen im Bürgertreff kommen. Sie überbrachte die Wünsche von Landrat Thomas Eichinger zu diesen erstmals im Landkreis stattfindenden Kulturtagen, bei der Künstlerinnen und Künstler,aber auch Vereine in den Kommunen ihren Beitrag zum Thema „Heimat“ einbringen. So stehen auch die 9.Uttinger Ateliertage unter diesem Motto. Zum Beispiel hat Fotokünstler Harry Sternberg im Summerpark große Stellwände installiert, auf denen er das Leben seines kürzlich verstorbenen Schwiegervaters Franz Riedel und des jungen Syrers Abd Allah A in Fotos und Texten darstellt: „Flucht und Vetreibung“. Aus Böhmen und aus Syrien.

Den Nebenraum vom Bürgertreff hat Barbara Schiller ganz ihrem Vater Rudolf Schiller gewidmet. Sie ist in Utting geboren und lebt heute die Tradition der Sudetendeutschen weiter, auch wenn der Vater 2012 gestorben ist. Aus hunderten hat sie Fotos ausgewählt und sie mit erklärenden Texten versehen. Rudolf Schiller wurde 1925 in der Nähe von Karlsbad geboren. Sein Vater,überzeugter Sozialdemokrat, bewahrte Rudolf vor der Hitler-Jugend, konnte aber nicht verhindern, dass der Neunzehnjährige zum Kriegsdienst eingezogen wurde. „Über den Krieg konnte unser Vater nie sprechen“, sagt Barbara heute. 1946 wurde die Familie (Eltern, Großmutter und Tante) vom Deutschen Roten Kreuz nach Utting transportiert, zusammen mit 18 weiteren Familien. Leitgedanke der Schillers: „Wir sind jetzt hier, und das wird unsere neue Heimat. Wir sind noch fremd und müssen uns einfügen und einbringen“.

Rudolf heiratete 1949 Ella, eine Uttingerin. Drei Söhne und zwei Töchter wurden geboren, der älteste, Helmut, und Tochter Barbara leben heute in Utting. Beide engagierte SPDler – wie Vater Rudolf. Helmut ist SPD-Gemeinderat und Kreisvorsitzender der AWO. Barbara unterstützt seit Herbst 2016 den Verein „Füreinander e.V.“ als zweite Vorsitzende. Diese Dokumentation über ihren Vater ist ihr Herzensangelegenheit, auch weil ihr Vater so oft Gast im Bürgertreff gewesen war, ob samstagvormittags bei Weißbier und Brezn oder mittwochs beim Mittagstisch.

Bei der Frage „Wo ist Ihre Heimat?“, kommt von den alten Menschen meist die Antwort „Hier, in Utting, Hier ist meine Tochter, meine Enkelkinder.“ Und „Da kenn‘ ich fast jeden. Aber es werden immer weniger, die sterben halt.“ Wie wichtig ist Heimat? „Das wichtigste! Ich muss schon oft an die Flüchtlinge aus Syrien denken. Die haben nix mehr…“

Die Ausstellung „Schnittstelle Heimat“ im Uttinger Bürgertreff, Bahnhofstraße 17, ist noch am Samstag, 1. Juli, von 10 bis 12 Uhr zu besichtigen.