Das Herz als Symbol der Liebe Am Sonntag feierte Raisting das Herz-Jesu-Fest – Regen verhinderte die Prozession

Dr. Sabine Vetter  30. Juni 2017

Am Sonntag wurde zum 251. Mal in der Raistinger Pfarrkiche St. Remigius im Zeichen der „Bruderschaft zum Allerheiligsten Herzen Jesu“ gefeiert. Fotos (3): Vetter

Raisting – Wieder war die Raistinger Pfarrkirche St. Remigius feierlich geschmückt, und zu ihrem höchsten Fest kamen viele Bürger ebenfalls im Festgewand. Sie versammelten sich im Zeichen der „Bruderschaft zum Allerheiligsten Herzen Jesu“ zum 251. Mal.

Traditionell schließt sich an den Festgottesdienst die Herz-Jesu-Prozession an. Jedoch kam der Regen ausgerechnet an diesem Morgen und man konnte nicht geschlossen mit den Bruderschaftsstäben und dem Himmel über den wertvollen Heiligenfiguren durch den Ort gehen. So Mancher fragte sich, ob der Regen Fluch oder Segen sei, denn lange wartete man schon auf eine Erfrischung für Mensch und Land.

Gründung der Bruderschaft 1766

Dekan Stanislaus Kaiser trat 1766 in der Nachfolge von Franz Sales Gailler sein Amt als Pfarrer in Raisting an. Gaillers Führung der Gläubigen war Kaiser jedoch ein wenig zu nachlässig. Seiner Ansicht nach gingen sie zu wenig in die Kirche und empfingen daher auch zu selten die Sakramente. Unter Kaiser übernahmen die Bürger gerne neue Bräuche und die Gelegenheit ein neues Kirchenfest einzuführen, das bis heute das höchste im Raistinger Kirchenjahr ist und immer am dritten Sonntag nach Pfingsten begangen wird.

Herz ist Symbol für die Liebe

Von der Botschaft des Herz-Jesu-Festes berichtet Pater Jakob. Das Herz sei zwar oft oberflächlich ein Symbol für heile Welt. Sinnbildlich sei es aber Mitte und Ausgang von Vertrauen, Sorge, Mitleid, Freude, Trauer und Dankbarkeit – allesamt Zeichen von Liebe. All diese Gemütsäußerungen werden vom gekreuzigten Jesus symbolisiert. „Ohne gesündigt zu haben, hat er die Peinigungen ertragen und damit uns Menschen die Sünden vergeben“, so der Pater. „Als er am Kreuz gestorben war, wurden ihm nicht die Beine gebrochen, wie es bei Gekreuzigten normalerweise der Fall war, sondern Jesus erhielt stattdessen einen Schwertstich ins Herz, woraus Blut und Wasser floss.“

Die Herzwunde Jesu sei ein Zeugnis seiner Güte und die Herz-Jesu-Bewegung Antwort auf Gottes Wort. „Der Bund der Bruderschaft ist Ausdruck der Liebe Gottes zu allen Menschen. Und das Herz wird zum Zeichen der Verwandelbarkeit durch Liebe. Mit Jesus hat die Liebe ein Gesicht bekommen. Man vertraut sich ihm an, wie ein Kind sich seinen Eltern anvertraut.“ Dies wird auch mit dem „Weihegebet“ ausgedrückt.

Sebastian Hain, sein Sohn Paul (l.) und Emil Frankl trugen sich ins Buch der Bruderschaft ein. Darin sind die ersten Unterschriften aus dem Jahr 1830.

Chor mit Gastsängern

Maria Schmid singt sehr gerne und ist auch dieses Mal wieder im Raistinger Kirchenchor zu hören. „Eigentlich sind hauptsächlich Frauen bei uns, daher laden wir immer gerne Gastsänger ein, dann haben wir auch so schöne Männerstimmen dabei, wie wir sie gerade genießen konnten.“ Maria Schmid ist nicht verärgert wegen des Regens, denn der wäre doch sehr nötig gewesen. So denken offenbar viele. Schade zwar um die Prozession, und dass die Blumenjungs ihre schönen Blüten nur noch auf die nasse Straße vor der Kirche streuen konnten. Aber die Tradition blieb im Kern bestehen.

Eintrag ins Buch der Bruderschaft

Wer sich noch nicht ins Bruderschafts-Buch eingeschrieben hatte, bekam nun wieder die Gelegenheit dazu. Besonders die Kommunionkinder freuten sich, mit ihrer Unterschrift Mitglied der Bruderschaft zu werden. Sebastian Hain stand mit Sohn Paul und dessen Freund Emil Frankl als letzter in der Reihe und zeigte den beiden, was zu tun ist.

Dann suchte er selbst nach seiner Unterschrift, die er als Kommunionskind geleistet hatte – wie er dachte. Aber auf die Schnelle fand er sie nicht, also unterschrieb er gleich noch einmal. Könne sicherlich nichts schaden meinte er. Dem hier ausgelegten Bruderschafts-Buch sieht man sein Alter an. Die ersten Einträge stammen aus dem Jahr 1830.

Nach der Kirche Blüten auf nassem Weg.

Schrittweiser Abschied für Pater Jakob

Vor acht Jahren, 2009, übernahm der aus Indien stammende Pfarrer Sajimon Philip Panankala, „Pater Jakob“, die Pfarreiengemeinschaft Pähl-Raisting-Fischen. Jetzt hielt er seine letzte Predigt zum Fest der Heiligen Bruderschaft, Ende August geht er zurück in sein Heimatland.

Ab September wird die Pfarrgemeinde um Wielenbach, Wilzhofen, Haunshofen und Bauerbach erweitert und dann von Pfarrer Martin Bestele betreut. Er wird in Raisting wohnen und die Traditionen weiterführen, zu denen natürlich das Herz-Jesu-Fest gehört.