Barrierefrei am Weilheimer Bahnhof „Neues Mobilitätskapitel“ für Nahverkehr

ak  30. Juni 2017

Das Foto von Julian Leitenstorfer zeigt die politische Prominenz bei der Einweihung, v. l.: Bürgermeister Markus Loth, Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt, Landrätin Andrea Jochner-Weiß, Klaus-Dieter Josel, Konzernbevollmächtiger für den Freistaat Bayern, Landtagsabgeordneter Harald Kühn, Ministerialdirektor Helmut Schütz.

Ammersee – Gerade für Bahnpendler aus Dießen sind zumeist die Verbindungen über Weilheim der schnellste Weg nach München. Nun hat der Umsteigeknoten Weilheim eine (fast) abgeschlossene Modernisierungskur hinter sich. Rund 11,5 Millionen Euro hat der Ausbau gekostet, ein Großteil davon stammt aus Bundesmitteln. Grund genug für Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt, auch einmal einer Bahn-Feierlichkeit die Ehre zu geben.

Barrierefreiheit heißt das Zauberwort: Durch höhere Bahnsteigkanten sind die Züge der Deutschen Bahn nun stufenlos zu erreichen. Auch Leitsysteme für Sehschwache und moderne Anzeigen wurden installiert, erläuterte DB-Manager Klaus-Dieter Josel die Maßnahme. Pünktlich zum Jubeltag – knapp 14 Monate nach Beginn der Umbauarbeiten im Mai 2016 – wurden auch die Aufzüge an den Gleisen 2 bis 5 in Betrieb gesetzt. Einzig der Aufzug zum Gleis 1 wurde noch nicht rechtzeitig fertig, soll aber bis spätestens Mitte Juli ebenfalls in Betrieb gehen. Das Foto von Julian Leitenstorfer zeigt die politische Prominenz bei der Einweihung, v. l.: Bürgermeister Markus Loth, Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt, Landrätin Andrea Jochner-Weiß, Klaus-Dieter Josel, Konzernbevollmächtiger für den Freistaat Bayern, Landtagsabgeordneter Harald Kühn, Ministerialdirektor Helmut Schütz.

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Weilheimer Bahnhof nach 11,5-Millionen-Euro-Modernisierung mit Verkehrsminister Dobrindt eröffnet

Gut gelaunt schlug der DB-Konzernbevollmächtigte für den Freistaat Bayern in Richtung des Verkehrsministers vor, doch auch einmal den ICE nach Berlin zu nehmen. Der werde nämlich, als Nebenfolge der erhöhten Bahnsteige, an Samstagen, ab Dezember, in Weilheim halten und unter anderem eine Direktverbindung von und nach Berlin bieten – mit einer dann durch die Thüringer Neubaustrecke beschleunigten Fahrzeit von etwa fünfeinhalb Stunden.

Der in Peißenberg wohnende Alexander Dobrindt, der zugleich den Wahlkreis Weilheim-Landsberg im Bundestag vertritt, verriet in seinem Grußwort nicht, ob er künftig Bahnfahrer werden wolle. Dobrindt unterstrich aber: „Heute wird hier ein neues Mobilitätskapitel für den Schienenpersonennahverkehr aufgeschlagen.“ Rund 9.000 Personen nutzen den Bahnhof Weilheim an einem Durchschnittstag, darunter viele Umsteiger.

Zugtaufe bei der Bahnhofseröffnung in Weilheim: Unser Bild zeigt Angelika Flock (3. Bürgermeisterin von Weilheim, v. l.), MdL Harald Kühn, Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt und Landrätin Andrea Jochner-Weiß sowie den Hauptdarsteller, einen ICE der Generation „ICE 3“ mit einer Höchstgeschwindigkeit von 330 Stundenkilometern, der nun auf den Namen „Weilheim i.OB.“ hört. Foto: Frey

Pläne für zweigleisigen Bahnhof Raisting in Schublade?

Der Verkehrsminister versprach, das Werdenfelsnetz weiter zu fördern, unter anderem durch Bahnsteigerneuerungen an der Strecke nach Schongau. Während er am Rande noch einmal die Weilheimer Hoffnungen auf eine Umgehungsstraße stützte, hatte er sich mit der Ammerseebahn noch nicht tiefgreifend befasst. Hinsichtlich eines Ausbaus der Station Raisting zum zweigleisigen Begegnungsbahnhof zuckten auch die DB-Vertreter mit den Schultern – offenbar schlummert dieses Projekt derzeit in der Schublade, obwohl es allen Reisenden der Ammerseebahn einen besseren Takt und damit deutlich mehr attraktive Anschlüsse in Weilheim ermöglichen würde.

Für den Freistaat Bayern unterstrich Ministerialdirektor Helmut Schütz ebenfalls das erhebliche Engagement zugunsten der Barrierefreiheit. „Weilheim rangierte unter den 15 größten Stationen Bayerns, die noch nicht über einen barrierefreien Zugang zum Schienenpersonennahverkehr verfügten.“ Jetzt übernehme der Freistaat durch eine Zusatzzahlung von vier Millionen Euro für die kommenden zwei Jahrzehnte den Betrieb und die Wartung der Bahnsteigaufzüge. Weiteres Geld werde in den Ausbau des Bahnhofsvorplatzes fließen, wo Weilheim einen modernen Busbahnhof erhalte. Diese Investitionen seien auch wichtig, denn erstens habe man viele Jahrzehnte lang Investitionen in die Bahn vernachlässigt, sagte der Leiter der Obersten Baubehörde im Bayerischen Innenministerium. Zudem gelte es, noch mehr Menschen zum Bahnfahren zu gewinnen, schließlich sei für München und das Umland ein Bevölkerungszuwachs von bis zu 400.000 Menschen prognostiziert. Erst nach den Bahnsteigerneuerungen zwischen Weilheim und Schongau, die für 2019 angedacht sind, werde die Strecke nach Augsburg modernisiert.

Zum Bahnhof eine Zugtaufe

Einfach nur freuen konnte sich Weilheims Bürgermeister Markus Loth. Der bekam nicht nur einen runderneuerten Bahnhof, sondern gleich noch eine Zugtaufe oben drauf. Zunächst aber gab es Segenswünsche durch die beiden Pfarrer der Stadt, Engelbert Birkle und Corvin Wellner, und das Zerschneiden des Roten Bandes für die symbolische Übergabe des sanierten Bahnhofs. Sodann wurde der bisher namenlose ICE mit der Fahrzeugnummer 403 063-1 auf den Namen „Weilheim i. OB.“ getauft. Verkehrsminister Dobrindt machte die Sache spannend, indem er die offiziellen Namenszusätze der Stadt – „in Oberbayern“ – sehr gedehnt in die Runde der zahlreichen Vertreter der Politik sprach (darunter Landtagsabgeordneter Harald Kühn und Landrätin Andrea Jochner-Weiß), bevor er die Flasche am Zug zerschellen ließ. Die starke Sonneneinstrahlung hatte inzwischen ihr übriges getan und insgeheim Indizien geliefert, dass es sich nicht um eine echte Glasflasche handelte. Der ICE, der künftig „als Botschafter für die Schönheit der Stadt Weilheim“ (Dobrindt) in Deutschland fungieren soll, wird dies also ganz ohne Beule tun können. Er ist der nunmehr 30. ICE, der nach einer bayerischen Stadt benannt ist.

Andreas Frey