Strandbad Riederau feiert Großes Geburtstagsfest am Freitag – Mit sechs Kabinen fing alles an

Alois Kramer  20. Juni 2017

Diese Postkarte aus dem Jahr 1934 zeigt die damalige Anlage des Riederauer Strandbads. Links im Bild die neuen weißen Kabinen, rechts daneben die alten. Foto: Stephan Widler

Dießen/Riederau – So ganz sicher war sich die Betreiberin des Strandbades Riederau, Michaela Horvat nicht, als sie den 50. Geburtstag der Schwimmanlage auf Plakaten verkündete. „Ein Teil der Badegäste behauptete, das Bad wäre vor 50 Jahren, der andere Teil war felsenfest der Meinung, die Anlage am Ammersee-Westufer wäre erst 1968 eröffnet worden“, erklärte sie dem Ammersee Kurier.

Stephan Widler vom Verschönerungsverein Riederau – immer eine gute Adresse zum Nachfragen bei Ortsgeschichte – gab prompt die klare Antwort. Er hatte in alten Dokumenten und Archiven nachgeschaut. Es bleibt dabei. In Riederau wurde am 30. Juni 1968 das Freibad eröffnet.

Michaela Horvat wird das Jubiläum mit einem großen Geburstagsfest am Feitag, 23. Juni im Strandbad trotzdem feiern. 50 Jahre hin oder her. Ab 14 Uhr steigt das Fest und ein DJ spielt Hits von den 70er Jahren bis heute. Dabei sind auch Aktionen wie Kinderschminken und eine Spendentombola. Abends wird am Buffet gespeist.

Feierlich startete das Bad 1968 mit dem ungewöhnlich gestalteten Kiosk in seine Zukunft. Im Ammersee Kurier vom Mittwoch, 3. Juli des Jahres war unter der Überschrift „Strandbadeinweihung mit prominenten Gästen“ zu lesen: „Der herrliche und wie es sich für eine Strandbad-Einweihung gehört, so strahlend heiße Sommertag dürfte in der Chronik von Riederau ein besonderes Ruhmesblatt einnehmen. Die offizielle Weihe-Feier hat nicht nur geladene Prominenz zur Teilnahme bewogen, auch nahezu 1.000 Badegäste lagerten rings auf den luftigeren Liegewiesen.“ Selbst Landtagspräsident Dr. Rudolf Hanauer gab sich an diesem 3. Juli 1968 die Ehre eines Besuches zum Festakt. Da er in Herrsching seinen Wohnsitz hatte, war es für ihn wohl nur ein Katzensprung. Andächtig werden in dem Bericht die Honoratioren aus Kirche, großer Politik und Lokalpolitk bei Namen und Titeln genannt.

Riederaus Bürgermeister Theodor Seibold blickte in seiner Begrüßung auf die Anfänge des Bades vor 60 Jahren, also 1908, zurück.

Der Platz war vor allem als Langholzablage und Floßlände in Benutzung. Lediglich sechs Kabinen standen den Badenden zur Umkleide zur Verfügung. Die Entscheidung zum Bau des Strandbades fiel 1964, mit den Arbeiten begann man 1965. Den Anstoß zum Bau gab Riederaus 1. Bürgermeister, Diplom-Ingenieur Robert Weber. Er konnte die Fertigstellung nicht mehr erleben, er war nämlich am 5. März 1968 verstorben. Die Kosten für das Strandbad beliefen sich auf 573.000 Deutsche Mark (DM), was heute umgerechnet rund 285.000 Euro sind.

230.000 Euro sind gegenwärtig für den Dießener Kiosk in den Seeananlagen angesetzt. Allein der Umbau des Kiosks in der Carl-Orff-Schule beläuft sich auf 407.000 Euro, wie jüngst in der Sitzung des Schulverbandes bekannt gegeben wurde. Alois Kramer

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Strandbad Riederau feiert am Freitag

Das Bad am Ufer des Ammersees wurde am 30. Juni 1968 eingeweiht

Mit 230.000 DM beteiligte sich der Staat am Bau des Bades, der Landkreis mit 30.000 DM, Eigenmittel in Höhe von 243.000 DM steuerte die Gemeinde bei. Eine Finanzierungslücke von 13.000 DM blieb übrig. Architekt Heinz Kloepfer, der sich selbst als „Riederauer Lausbub“ bezeichnete, erinnerte bei der Einweihung an das Bad seiner Jugendtage.

Traumhafter Blick, angenehme Liegflächen, Schatten und erfrischendes Nass. Es ist ein Vergnügen, im Strandbad Riederau zu baden.

Bis 1958 gab es nur drei Badeplätze am Ammersee

Bereits in den 30er Jahren waren die bis dahin sechs Umkleidekabine um weitere Kabinen ergänzt worden. Diese sind in der Fotografie auf Seite 1 dieser Ausgabe in weiß zu sehen. Bis in die 60er Jahre hinein war der Betreiber des Strandbades der Verschönerungsverein Riederau. Ab 1968 hat es die Gemeinde Rieden mit Sitz in Riederau in Verantwortung. Ob das Strandbad bereits seit damals verpachtet worden ist, konnte nicht in Erfahrung gebracht werden.

Landrat Müller-Hahl erinnerte bei der Eröffnung vor 49 Jahren daran, dass bis ins Jahr 1958 nur lediglich drei „bescheidene Badeplätze am ganzen Ammersee“ zu finden waren, während im Juni 1968 gleich drei große Bäder im Kreis eröffnet worden seien. Landtagspräsident Hanauer stellte fest, dass „weit und breit kein so schönes Bad zu finden ist“.

Heute, wie am Eröffnungstag vor 49 Jahren, strömen an heißen Sommertagen bis zu 1.000 Besucher nach Riederau ins Strandbad. Pächterin Michaela Horvat ist fast rund um die Uhr dort. Sieben Tage die Woche, von 9 bis 21 Uhr ist geöffnet. Horvat ist meistens schon um 7 Uhr morgens da und richtet alles für den Ansturm des Tages her.

Voriges Jahr hatte sie ihre erste Saison. Bis Ende November hielt sie das Bad offen. Freilich konnte dann niemand mehr im Ammersee baden, aber die Terrasse mit ihren einhundert Sitzplätze nutzen. „Die Freischankfläche ist an guten Tagen zweimal komplett belegt“, berichtet Horvat.

Nur wenn es in Strömen regnet, sperrt sie die Anlage zu. Selbst wenn‘s kalt wird, macht sie die Kasse auf. So hatte sie Mitte Februar bereits den Kiosk geöffnet. Offiziell ist das Bad bis Mitte September für Gäste zugänglich. Mit 15 Mitarbeitern schmeißt Michaela Horvat den Laden. Die meisten von ihnen sind geringfügig Beschäftigte. Wenn es aber sein muss, ist die Kioskbetreiberin an allen Stellen zu finden: In der Küche, im Service, an der Kasse.

Für die Betreiberin ist das nicht schwierig, denn sie hatte fünf Jahre lang bei den ehemaligen Pächtern des Riederauer Strandbades mitgearbeitet. Die sind jetzt für das Bad von St. Alban zuständig.

Michaela Horvat ist normalerweise an der Kasse und am Kiosk. Wenn Not ist, dann bedient sie schon auch oder ist in der Küche zu finden. Hier bekommt ihr Gast Eden Kalaycioglu etwas zu Trinken. Fotos (2): Kramer