Ammersee-Region: Schön aber teuer CSU-Ortsverband Dießen traf sich zu Neuwahlen – Einblick in die Themen der Partei

Dr. Sabine Vetter  19. Mai 2017

Die regionale CSU-Spitze bei der Dießener Ortshauptversammlung, hinten v. l.: der neue Dießener Vorstand mit Robert Behl, Dr. Harald Kollrus, Georg Stadler, sitzend v. l.: Landrat Thomas Eichinger, MdL Alex Dorow und Bürgermeister von Denklingen Michael Kießling. Foto: Vetter

Dießen – Dienstagabend lud der Dießener CSU-Ortsverband zur diesjährigen Hauptversammlung mit Neuwahlen in den Dießener Gasthof Unterbräu. Neben Ortsvorstand und Parteimitgliedern kamen auch MdL Alex Dorow, Landrat Thomas Eichinger sowie der CSU-Bundestagskandidat Michael Kießling. Damit gab es viele Informationen über aktuelle lokale, regionale und nationale Themen. Tobias Schürer erhielt eine Urkunde für 25 Jahre Parteimitgliedschaft.

Personen wechseln, Themen bleiben

Einige Änderungen gab es in den beiden letzten Jahren bei der Dießener CSU. Im Mai 2016 übergab die ehemalige 1. Vorsitzende Susanne Plesch ihren Posten aus Arbeitsgründen an Georg Stadler, der von den CSU-Mitgliedern in einer außerplanmäßigen Neuwahl als ihr Nachfolger bestimmt wurde. Plesch blieb 2. Vorsitzende, aber auch das sollte sich dieses Mal ändern. Stadler berichtet nach der Begrüßung über die politische Situation seiner Partei vor Ort und ihre Themen. Besonders wichtig ist ihm, die Jugend mehr in die Arbeit der CSU einzubeziehen. „Wir brauchen mehr Junge in der Ortsgruppe, aber langsam kommen wir vom Durchschnittsalter ,ü60‘ runter!“

Berufspolitiker berichten

Der CSU-Landtagsabgeordnete Alex Dorow gab zu, dass die lokale Politik in den letzten 14 Tagen wegen der Wahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen (NRW) etwas stagnierte. „Nachdem die Stimmung in der Partei längere Zeit schwierig war, hat sie sich in den letzen Monaten gewandelt“, sagte er und begründete diesen Wandel auch mit der „außenpolitisch besonnenen Hand“ der Kanzlerin Angela Merkel. „Die Regierung in NRW hat Fehler gemacht, vielleicht ist die neue schwarz-gelb, es bleibt spannend.“ Weiter berichtete er von einer Fraktionsreise nach Tschechien, berührte das „Kernthema Sicherheit“ und auch die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit diesen ostbayerischen Nachbarn. Dorow ist zufrieden, dass das Thema G8/G9 endlich entschieden ist und erwähnte, dass mit dem Wechsel zum G9 auch eine umfassende Bildungsreform komme, die alle Schulen betreffe. Auch „bezahlbares Wohnen“ sei ein sehr wichtiges Thema. Man bekäme es deutlich zu spüren: „Die Ammersee-Region ist schön, aber auch teuer. Wir müssen verhindern, dass Brüssel das Einheimischenmodell wegen Diskriminierung Nichteinheimischer verbietet.“ Rainer Jürgen, CSU-Kreisgeschäftsführer, sprach das Mückenproblem am See an. Seine Partei wolle sich dafür einsetzen, dass das Mittel mit dem Wirkstoff BTI wie am Chiemsee nun auch hier eingesetzt wird. Diesen Plan unterstützt auch Landrat Thomas Eichinger (CSU): „Wir untersuchen gerade, wie viele Mücken und welche Arten es gibt, dann können wir gezielt handeln.“ Weiter sagt Eichinger, auch er sei um den sozialen Wohnbau besorgt und bemüht. Jedoch sei man schon mit fünfhundert sozialen Wohnungen, davon einhundert im Dießener Färbergaßl, gut weitergekommen. Er erwähnt einige weitere Projekte der Region, darunter das Ruderbootshaus bei St. Alban, den Raistinger Radweg, die Abfallwirtschaft und die Kreiskulturtage. Die Asyl-Problematik berührend, ist er erleichtert: „Der Strom ist komplett versiegt.“ Man müsse sich nun um Wohnraum für die anerkannten Flüchtlinge kümmern, die würden länger bleiben. Eichinger ist dankbar für die Unterstützung vieler Helfer bei der Integration.

Der Schondorfer Rainer Jürgen fragt, ob sich die Gemeinde um Wohnraum, etwa jetzt für anerkannte Eritreer, kümmern müsse. Dies bejahte Eichinger, aber es gäbe wenige Wohnungen, weshalb die Anerkannten oft in der Gemeinschaftsunterkunft blieben. Er betont: „Das kann man mit den gemeindlichen Mitteln alleine nicht lösen.“ In diesem Zusammenhang verteidigt er das häufig kritisierte Bayerische Integrationsgesetz, denn „die Integration muss gesetzlich geregelt werden, dafür braucht man Leitplanken“.

Ergebnis der Neuwahlen

CSU-Kreisgeschäftsführer Rainer Jünger leitet die Wahlen. Am Ende des Verfahrens hatten die 17 anwesenden Wahlberechtigten sich für eine (fast) neue personelle Besetzung entschieden: 1. Vorsitzender wird Dr. Harald Kollrus (bisher Schriftführer), seine beiden Stellvertreter sind Georg Stadler (bislang 1. Vorsitzender) und Robert Behl (zuvor stellvertretender Kassenwart). Der neue Schatzmeister ist der alte: Johannes Grosser, ebenso bleibt Harald Kollrus Schriftführer. Die vier Beisitzer sind Edgar Maginot, Ulrike Hawel, Rita Behl und Anton Wernseher, Kassenprüfung übernehmen Christoph Gröbl und Caroline Schwarz.

Zum Ende der Versammlung stellten sich der frisch gekürte Ortsvorsitzende Kollrus und der noch zu kürende Bundtagskandidat Michael Kießling vor.

Kollrus ist Rechtsanwalt, gerne „Patchwork-Großvater“ und freut sich nun über seine neue Rolle als CSU-Vorsitzender. Michael Kießling kommt aus Marnbach bei Weilheim, war früher Bauingenieur, wurde dann Denklingens Bürgermeister und kürzlich vom neuen Bundeswahlkreis Landsberg-Starnberg-Germering zum Bundestagskandidaten gewählt. Auch er ist begeisterter Bewohner der Ammersee-Region:
„Hier kommt alles zusammen!“