Gut Kerschlach feiert 5. Maibaum Aufstellung bei bestem Wetter und ländlicher Frühlingsidylle

Dr. Sabine Vetter  16. Mai 2017

Alle Fachmänner nehmen gleich zu Beginn Baum und Halterung ins Vesier. Dabei sind Jo, alias Stephan Gemander (vorne kniend) und Betriebsleiter von Gut Kerschlach Max Pfender (2. v. r.). Foto: Vetter

Pähl – Zwischen der kleinen Kirche St. Ulrich und dem Herrenschlösschen von Gut Kerschlach liegt ein idyllischer Biergarten mit blühenden Obstbäumen, daneben eine Wiese und ein gepflastertes Rondell. In dessen Mitte stellten am Sonntag die Burschen der Freiwilligen Feuerwehr Pähl den neuen Maibaum auf. Zwar „erst jetzt”, Mitte Mai, aber wegen verschiedener gemeindlicher Termine ging es nicht anders. Doch das hinderte die vielen Zuschauer nicht am Kommen. Natürlich weiß man in der Region, dass es auf Gut Kerschlach alles gibt, was es für ein wunderbares Maifest braucht – und wider Erwarten sogar das passende Wetter.

30,8 Meter Baum aus Gutswald

Eigentlich waren ja Wind und viel Regen angesagt, daher hatten die Organisatoren vorgesorgt und einen Kran von Magnus Albrecht aus Etting dabei, den dann der Chef auch persönlich fuhr. Vorsichtshalber stellte er ihn den Burschen als Absicherung des Baums zur Seite, denn sobald es regnet, ist es mit den Schwalben vorbei.

Normal sind es 680 Meter über dem Meeresspiegel, jetzt schaffen es die Kerschlacher auf über 710 Meter. Denn: „Der Baum hat eine Länge von 30,8 Metern, wenn man die kleine Fahnenspitze mitrechnet”, sagt Landwirt Kaspar Spiel. Er und der Betriebsleiter des Guts Max Pfender holten den Baum aus dem Gutswald. Eine Augsburger Firma hat ihm den weißblauen Anstrich gegeben. Max Pfender erzählt ein bisschen vom Gut: „Hier haben wir 13 Mitarbeiter in den landwirtschaftlichen Betrieben.” Er ist seit 2011 dabei und seit vier Jahren leitet er die Bereiche Land- und Forstwirtschaft. Pfender war schon vor vier Jahren beim Maibaumaufstellen dabei, heuer steht er auch an den Schwalben, zusammen mit über vierzig Pähler Burschen. „Es gab wohl schon immer einen Maibaum hier am Gut. Aber früher war er klein”, erinnert sich ein Kerschlacher. 1997 kaufte Werner Mützel das Anwesen, unter seiner Geschäftsführung feiert man seit 2002 die Aufstellung von großen Bäumen. Jetzt ist es der fünfte.

Nathalie Hackauff, Betriebswirtin auf Gut Kerschlach und Tochter des Geschäftsführers Werner Mützel, hisst schnell die Fahne. Wind und Regen wollen nicht mehr warten. Fotos (2): Vetter

„Aber nur der Jo schafft o!”

Das Kommando kommt allein von Jo, das ist jedem klar. Jo? So nennen alle Stephan Gemander, 2. Vorsitzender der Pähler Feuerwehr. Er spornt die Burschen an, sagt unmissverständlich, wer das Sagen hat, ist dann aber auch großzügig: „Wenn nachher die Biermarken nicht reichen, dann kommt zu mir!” Jo wird bei der schwierigen Aktion unter anderem unterstützt von Manfred Hafenmayer und Toni Neumayr, beide ebenso vom Feuerwehr-Vorstand. Mit Pause, in der etliche Burschen die Schwalben gegen ihre Instrumente tauschen und ein paar Takte spielen, braucht es fast zwei Stunden, aber dann steht der Baum sicher in seiner Halterung. Vorher wird noch einmal mit dem Lot aus der Entfernung geprüft, ob er auch wirklich gerade steht. Schließlich können alle Löcher für die großen Schrauben gebohrt werden.

Die Kerschlacher Betriebswirtin Nathalie Hackauff hisst mit Unterstützung ihres Vaters, Geschäftsführer des Guts Werner Mützel, unter der musikalischen Begleitung der Pähler Trachtenkapelle die weißblaue Fahne. Gerade noch rechtzeitig. Denn jetzt hält sich der Wind nicht mehr zurück und die ersten Tropfen fallen, die die dunkle Wolke schon länger bereithält.