„Do habt‘s an Riesenkoffer aufgmacht“ Franz Götzfried feiert 60. Geburstag – Typisches Fischereier Fest

Beate Bentele  17. März 2017

Der SCU – Ski-Club Unterbräu – gratuliert Franz Götzfried mit Stephan Hiebler, Claus Lehmann, Sven Prumbaum (v. l.). Nicht im Bild Klaus Henrici an der Cachon. Foto: Bentele

Dießen – „Ein Stammhalter, der den Namen Franz erhielt, ist bei dem Gastwirtsehepaar Franz Götzfried und Emma, geb. Miller, angekommen.” – So steht es Schwarz auf Weiß im Ammersee Kurier, in der Ausgabe vom Mittwoch, 20. März 1957. Mit einer schmalmageren Linie von der Rubrik Rot-Kreuz-Kurse getrennt, stehen in dieser denkwürdigen Ausgabe die Nachrichten vom Standesamt. Vergessen wurde damals allerdings, das Geburtsdatum des Neuankömmlings zu drucken: 11. März 1957. – Samstag, 11. März 2017, konnte man sich in Dießen überzeugen, zu was für einem stattlichen Kerl sich das Kindlein ausgewachsen hat.

„Der Bräu hat doch zu. Wegen Ferien.” So hieß es in der Fischerei immer wieder, als am vergangenen Samstag augenscheinlich doch was los war. Dass geschlossen ist, hat auch der Jubilar der Wirtsfamilie gedacht. In seinem Alltagsgwand – Jeans und kariertes Hemd –ging er die Mühlstraße runter, um mit a paar Spezln vom Stammtisch anlässlich seines Runden ein Bier zu trinken. Klein und privat.

Spätestens beim Hendl-Wagen, der sonst am Viktualienmarkt in der Von-Eichendorff-Straße parkt, beschlich ihn ein merkwürdiges Gefühl. Als dann binnen kürzester Zeit Wirtsstube, Saal und auch noch der Hausgang voll waren, sagte er lapidar zu seiner Tochter Anna Brink, „do habt’s aber an Riesenkoffer aufg‘macht.”

Aus dem Riesenkoffer ist ein Riesenfest rausgekommen. Familie, Freunde, Mitarbeiter, jahrzehntelange Wegbegleiter, Stammtischbrüder, was halt so Rang und Namen hat. Gerührt war der Franz schon, als dann noch seine Lieblingsmusi aufspielte, die Ramseer Musikanten unter der Leitung von Alfred Böswald, zwölf Herzblutmusiker, die mit ihrer böhmischen Marschmusik weit über die Fischerei hinaus verkündeten, dass was los ist im Unterbräu. „Allerdings”, schmunzelt Böswald, „seitdem ich nimmer in Dießen bin, hat sich scho was verändert: Früher hat ma hier laut und kräftig mitgesungen.”

Als visueller und verführerischer Höhepunkt war die Geburtstagstorte das meist fotografierte Objekt der heißen Nacht. Fünfstöckig aus Schokoladenteig und Schoko-Creme, dekoriert mit farbigen handmodellierten Marzipanrosen (60 Stück) und aufgetischt mit Feuerwerk. Rosl Althen, die jüngere Schwester vom Franz, hat die Festtagstorte gezaubert. Und der Franz, assistiert von Enkeln, von Tochter Anna und Schwiegersohn Martin, hat vor lauter Aufregung das erste Riesenstück abgeschnitten – das auf dem Fußboden landete.

Die Brotzeitpause der Ramseer kam dem Ski-Club Unterbräu, kurz SCU (nicht CSU), gerade recht. In Windeseile bauten sie ihre Technik auf und reagierten auf die Blasmusik mit Rock. Mit dabei Stephan Hiebler (Gitarre), Claus Lehmann (Melodica) Sven Prumbaum (Gitarre) und Klaus Henrici (Cachon).

Neu im Bräu war das energiereiche Bewirtungskonzept: Frisch im Hendlwagen gegrillt sind ausgegeben worden: 50 Riesen-Bio-Freiland-Göckel, 20 Kilo Spareribs, 17 Kilo Pommes, den Kartoffelsalat hat keiner gewogen.

In seiner Festansprache betonte Martin Brink die Ausnahmesituation des Fests: „Als ich hier Wirt geworden bin, habe ich versprochen, dass ich nie Pommes auftische. Nur über meine Leiche. Es ist heute das erste und auch das letzte Mal, dass im Bräu Fritten auf den Tisch kommen.”

Der Rest des Fests möge bald wieder fortgesetzt werden!