Forderung nach Gewerbeflächen Am Sonntag fand der traditionelle Handwerkerempfang des Kreises im Landratsamt Landsberg statt

ak  10. Februar 2017

Einen großen Beifall erhielt auf dem Handwerkerempfang die weithin bekannte Meisterfrau Ingrid Rauch, auf dem Foto zwischen Wolfgang Zeit, l., und Michael Riedle. Mit 13 Jahren im elterlichen Betrieb begonnen bildete sie sich weiter, wurde Innungssiegerin, Landes- und Bundessiegerin und engagiert sich neben Firma und Familie auch sozial. Foto: Herold

Landsberg – Dass der Handwerker-Empfang nicht nur von den Mitgliedern der verschiedenen Innungen gerne angenommen wird, bewies der Zuspruch am Sonntag im Sitzungssaal des Landratsamtes. Denn dabei besetzten die geladenen Gäste aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens zahlreiche Stühle. Kreishandwerksmeister Michael Riedle betonte das in seiner Ansprache: „Hier trifft man nicht nur sehr nette Menschen. Es bietet sich vor allem die hervorragende Gelegenheit, das Vorjahr aus der Sicht des Handwerks Revue passieren zu lassen und die Perspektiven für das begonnene Jahr zu diskutieren.“

Riedle konnte dabei auch mit Zahlen aufwarten. Demnach arbeiten derzeit in den 2320 Handwerksbetrieben 691 Auszubildende. Stolz machten ihn aber auch, so Riedle, „die 269 Ausbildungs-Neuabschlüsse im Landkreis“. Das sei ein Plus von immerhin neun Prozent, während der Bezirk Oberbayern ein Minus von fünf Prozent verzeichne. Riedle: „Wir Handwerker sind zwar nur 17,2 Prozent der Betriebe insgesamt, bilden aber zu 33 Prozent junge Menschen aus. Das, liebe Kollegen im Saal, ist ihr Verdienst.“

Als „entscheidenden Faktor für den Erfolg des Handwerks“ bezeichnete Riedle danach die Versorgung mit Gewerbeflächen in den Kommunen. „Unsere Betriebe müssen für ihre Kunden erreichbar sein. Verbote und Beschränkungen aus Gründen des Umweltschutzes bei der Zufahrt sind Gift für den Wirtschaftsverkehr.“ Und bei der Auftragsvergabe müssten auch kleine und mittlere Betriebe angemessen berücksichtigt werden. Schließlich sei allein das billigste Angebot nicht immer das wirtschaftlichste, mahnte er. Am Schluss seiner Rede wies Riedle auf die erfolgreiche Benefizaktion „Handwerk mit Herz“ hin. Mit den eingegangenen Spenden sei damit 2016 ein Ferienprogramm für bedürftige Kinder aus dem Landkreis realisiert worden.

Als „Hausherr“ freute sich Landrat Thomas Eichinger darüber, „dass es dem Handwerk gut geht“. Kleinere Probleme sehe er in der Fachkräfte-Versorgung. Deshalb sei er froh über die Beruflichen Schulen in Landsberg, „die dafür sorgen, dass Handwerk und der Mittelstand im Landkreis Nachwuchs-Fachkräfte gewinnen können“.

Der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für München und Oberbayern (HWK), Dr. Lothar Semper – ein gerne gesehener Gast und Redner beim Handwerksempfang – kündigte in seinem Grußwort an, dass er nach 35-jähriger HWK-Tätigkeit im Laufe des Jahres das gesetzliche Rentenalter erreichen werde und daher zum letzten Mal beim Handwerker-Empfang in Landsberg dabei sei.

Nachdem er in seinen Worten einen weiten Bogen über die globale Entwicklung in Europa und in den USA gespannt hatte, sagte er voraus: „Das Handwerk steht vor gewaltigen Herausforderungen durch die Digitalisierung, den Fachkräftemangel und neue Regularien. Aber ich bin sicher, unsere Mitarbeiter und nachwachsenden Fachkräfte werden diese Herausforderungen annehmen.“

Das Grußwort für die Stadt Landsberg sprach die Zweite Bürgermeisterin Doris Baumgartl zu Wort. Ihre Botschaft: „Ich freue mich sehr, hier zu sein und insbesondere darüber, so viele Handwerker versammelt zu sehen. Das gibt mir das gute Gefühl: Es ist immer ein Handwerker da, wenn man einen braucht.“ Und das sei über das Jahr hinweg „ziemlich oft der Fall.“ Denn handwerkliche Leistung lasse sich nicht „online“ erwerben, betonte Doris Baumgartl.

Nachdem sie in Zahlen und Daten die stetige Entwicklung der Stadt Landsberg als „positive Prognose“ für das Handwerk beschrieben hatte, sagte sie: „Unsere Aufgabe als Stadt Landsberg wird sein, geeignete Gewerbegebiete auszuweisen.“

Ihr Ziel sei es dabei, dass Handwerksbetriebe nicht nur am Rand der Stadt angesiedelt, sondern auch in Wohngebiete integriert werden, „denn das ist einer der Bausteine für eine lebendige und lebenswerte Stadt – und das ohne noch mehr Verkehr.“ Nachdem sie eine Änderung des Flächennutzungsplans angekündigt hatte, stellte sie fest: „Sie sehen, es ist uns wichtig, dem Handwerk einen ‚goldenen Boden’ zu verschaffen.“

Ludwig Herold