Der Zauber der Linie Gertraud Dankesreiter zeigt ihre Arbeiten im Otto-Hellmeier-Kulturhaus in Raisting

Nue Ammann  10. Februar 2017

Ein Bildausschnitt aus einem der Werke von Gertraud Dankesreiter macht ihren gekonnten Farbeinsatz deutlich. Foto: Ammann

Raisting – Denkt man an Linien in Verbindung mit Bildern, sieht man vor dem geistigen Auge zunächst eher Zeichnungen oder Radierungen. Wie weit man das Thema „Linie“ jedoch führen kann, zeigt Gertraud Dankesreiter in ihren Gemälden, die derzeit im Otto-Hellmeier-Kulturhaus ausgestellt werden.

Die in Landsberg lebende freischaffende Künstlerin arbeitet, nach mehr als 20 Schaffensjahren in der Aquarell- und Pastellmalerei, seit 2008 mit Acrylfarben und ab 2012 zudem mit Collagen und Assemblagen.

Von letzteren sind auch in Raisting einige Arbeiten zu sehen, die, wie vier doppellagige Gemälde mit Wachs sowie drei Beispiele malerischer Gedichtinterpretationen, ihre großformatigen Auseinandersetzungen zum titelgebenden Thema „Lines“ flankieren.

Die teils großformatigen Gemälde sind ausnahmslos spannend

Der präsentierte Ausschnitt ihrer Arbeit weist Gertraud Dankesreiter als vielseitig interessierte Künstlerin aus, deren Inspiration nicht zuletzt aus den Möglichkeiten ihrer Werkmittel genährt wird. Sie selbst beschreibt diesen Umstand in einem auf ihrer Homepage veröffentlichtem Interview mit den Worten: „Höchste Priorität bei meiner künstlerischen Tätigkeit ist: Offen sein, ohne Normen, sich immer neu erfinden.“

Der Idee zur Ausstellung „lines“ ging außerdem eine Auseinandersetzung mit dem Oeuvre Emil Schumachers voraus, dessen Arbeiten sie nachhaltig beeinflussten.

„Er war der Künstler, mit dem ich gefühlsmäßig sofort verbunden war. Das Thema „Linie“ war für ihn unerschöpflich. Ich war von seinen Arbeiten – mit den meist schwarzen, kräftigen Linien – infiziert und inspiriert“, beschreibt Gertraud Dankesreiter den Ursprung ihrer Faszination.

Gerade in den zehn, zum Ausstellungsmotto entstandenen Gemälden bleibt daran kein Zweifel. Denn bis auf einen farbflächigen Untergrund ist bei dieser Gemäldeserie alles Geschehen im Bild Linie; ganz direkt als linearer Farbauftrag, der mal mäandert, kreist, schraffiert oder tänzelt, aber auch als eine Art malerischer Untersuchungsreihe zu Aspekten wie, wodurch wird eine Linie als solche erkennbar, wann wird sie zur Fläche, wieviel Kontinuität muss eine Linie bieten und viele weitere.

Was kompliziert in Worte zu fassen ist, wird im Gemälde direkt erfahrbar und in den betreffenden Arbeiten von Gertraud Dankesreiter zum optischen Genuss.

Ihre teils großformatigen Gemälde sind ausnahmslos spannend und stimmig komponiert, entfalten ihren wahren Zauber jedoch erst bei einem visuell fokussierten Spaziergang auf der Leinwand: massive Struktur wechselt da mit zarter Textur, dynamischer narrativer Farbauftrag mit ruhigem Grund, pastoser Farbauftrag mit leichter Pinselführung, um nur drei Gegensatzpaare zu nennen; und das alles in einer eindrucksvollen Buntheit, die von großer Farbsensibilität getragen wird.

Die sehenswerte, kleine Ausstellung von Gertraud Dankesreiter unter dem Motto „lines“ im Otto-Hellmeier-Kulturhaus ist noch bis Sonntag, 26. März, samstags und sonntags jeweils von 13 bis 17 Uhr geöffnet.

Mehr Infos über die Künstlerin Gertraud Dankesreiter unter: www.gertraud-dankesreiter.de