Gut verpackte Infos gegen die Müllflut Informationsveranstaltung von Transition Region Ammersee in der Schondorfer Schule

Jutta Bäzner  7. Februar 2017

Informationsveranstaltung von Transition Region Ammersee in der Schondorfer Schule. Fotos (5): Bäzner

Schondorf – „Dem Müll eine Abfuhr erteilen” – unter diesem Motto hatte Transition Region Ammersee (TRA) am Samstag in die Aula der Schondorfer Schule eingeladen. Das Interesse war so groß, dass die Stühle nicht reichten. Das könnte hoffnungsfroh stimmen. Aber das Dilemma solcher Veranstaltungen: Es kommen die, die sich bereits umweltbewusst verhalten – die, die es eigentlich angehen sollten, sind nicht dabei.Und so werden überquellende Abfalltonnen nicht weniger.

Wer von den Anwesenden aber glaubte, bereits alles zur Vermeidung von Plastikmüll und Wasserverschmutzung getan zu haben und sich hier nur in seinem Wohlverhalten bestätigen lassen wollte, lernte eine Menge dazu – spielerisch-fröhlich verpackt und zum Mitdenken anregend (Foto: Bäzner).

Die Veranstalter gingen mit gutem Beispiel voran, boten den selbst gebackenen Kuchen auf Stoffservietten an, die sie aus zerschnittener Bettwäsche genäht hatten, und zeigten viele praktische Beispiele, wie das geht.

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Sylvia (li.) vom Uttinger Naturkostenladen La Vida stellte ihren Beitrag zur Müllvermeidung vor: Sie verkauft viele Produkte ohne Verpackung. Stattdessen füllt man die Ware in Stoffbeutel oder mitgebrachte Gefäße. Caroline von TRA ist begeistert.

„Dem Müll eine Abfuhr erteilen”

Etwas irritiert schaute man auf den großen Tisch vorn, der mit lauter leeren „Igitt-Produkten” bestückt war: Flaschen, Eimer und kleine Container aus Plastik, Verbundstoff-Behälter, Versandkartons und Verpackungsfolie. Aber dann kamen Musiklehrerin Katrin und Tochter Elena (angehende Tanzpädagogin) und verteilten das Zeug im Publikum. Eine Müll-Percussion begann: Abteilungsweise sollten die „Instrumente” geschlagen oder geschüttelt werden, in dem Rhythmus, den Katrin klatschend vorgab. Das klappte hervorragend, die Stimmung stieg.

Man freute sich auf die Protagonisten der ultimativen Abfallvermeidung, die ihre Methoden und Produkte vorstellen würden.

Mit Vergnügen schlugen die Besucherinnen und Besucher der TRA-Veranstaltung rhythmisch auf „Igitt“-Produkte ein.

Aber zunächst kam Lena, 26, die Müll zum Lebensthema ihrer jungen Jahre gemacht hat. Beim Studienaufenthalt in den USA war ihr einerseits das ungeheure Müllaufkommen aufgefallen („Und alles ungetrennt in dieselbe Tonne!”), andererseits las sie gleichzeitig das Buch von Lea Johnson über ein müllfreies Leben. Lena: „ Ich fing an nachzudenken. Was heißt wegwerfen, das ist doch dann nicht weg, es ist nur weg von mir und existiert noch irgendwo.” Sie probierte, laborierte – und gibt heute Workshops in Regensburg, hat ein Buch geschrieben und breitete hier bei TRA den Inhalt ihrer Handtasche als Beispiel für nachhaltigen Einkauf aus:

„Wohlfühlsackerl“ und „Power Water“ in blauen Flaschen enthalten Mineralien und energetische Schwingungen. Wer sie benutzt, ersetzt Kosmetika und Putzmittel. Die Wirkung ist in der Praxis bewiesen.

Ein Etui mit Essbesteck, Essstäbchen und Trinkhalm aus Edelstahl, eine – teure – metallene Trinkflasche mit Ewigkeitsgarantie („habe ich noch nie irgendwo stehen lassen”), eine Stoffserviette, einen – teuren – Schreibstift mit Nachfüllpatrone („noch nie liegen gelassen”), eine stabile Falttasche für Einkäufe. Und, klar, selbst gerührte Hautcreme. Im übrigen stellt sie sich vor jedem Kauf die Frage: „Was will ich von dem Gegenstand und brauche ich ihn wirklich? Kann ich ihn mir nicht auch durch Tausch besorgen?”

Dann wurde es praktisch: Zunächst Jürgen (bei TRA werden nur Vornamen verwendet) mit seinem „Power Water”, auch „fleißiges Wasser” genannt und seinen „Sackerln”. Wahre Wunder hatten diejenigen erlebt, die das Wasser in der blauen Flasche schon in Gebrauch hatten: Fett- und Marmeladeflecken auf weißem Couchbezug verschwanden für immer, Autofelgen glänzten wie neu. Mehr noch: Wenn man eines der Sackerl benutzt, die Jürgen vorstellte, werden Schweißfüße und Fußpilz gemildert, „Waschsackerl” und „Wohlfühlsackerl” nennt er sie. Woher die Wirkung kommt? Aus Energieschwingungen und der Eigenschaft von Mineralien – mehr gibt es nicht zu erklären. Aber: Es wirkt nachweislich (entsprechend war der Andrang bei Jürgen am Ende der Veranstaltung).

Auch eine Idee, leere Plastikgefäße einer längerfristigen Nutzung zuzuführen …

Friederike kam dann mit einem großen weißen (Plastik!!-)Eimer. „Das ist Natron”, erklärte sie, „damit putze ich alles und ersetze damit neun Reinigungsmittel”. Nachvollziehbar, es ist ein uraltes Hausmittel unserer Ahnen.

Auch Sylvia knüpfte an vergangene Zeiten an, als man Lebensmittel unverpackt kaufte und in der spitzen Papiertüte im Korb nach Hause trug: In ihrem Uttinger Naturkostladen kann man grüne, durchlässige Baumwollsäckchen für Obst und Gemüse kaufen oder Leinenbeutel für Teigwaren, Getreideprodukte und Hülsenfrüchte erstehen, die aus hygienischen Spendern kommen. „Genauso können meine Kunden aber auch ihre eigenen Behältnisse mitbringen, die werden dann vor dem Kauf leer gewogen”, sagte Sylvia. „Ab sofort wird es auch die Frischkäsezubereitungen nur noch in Pfand-Schraubgläsern geben. Ich will Plastikverpackungen aus dem Laden verbannen, wo immer es möglich ist.”

Großer Beifall aus dem Auditorium. Ein Satz, der im Laufe des Abends fiel, bleibt haften: „Wenn man am Abgrund steht, ist der Rückschritt ein Fortschritt.” Da stehen wir, was den Umgang mit unseren Ressourcen angeht.