Luther und die Bauern Welche Rolle spielte der große Reformator in den Bauernkriegen?

Maren Martell-Münkel  3. Februar 2017

Martin Luther forderte seinerzeit die Fürsten auf, den Bauernaufstand mit Waffengewalt zu unterdrücken. Foto: Martell

Herrsching – „Steche, schlage, würge hier, wer da kann.” Mit diesen allzu bekannten Worten forderte Martin Luther einst die Fürsten geradezu auf, die aufständischen Bauern zu töten. Welche Rolle spielte der große Reformator bei den Bauernkriegen? Wie war eigentlich sein Verhältnis zu dem Landvolk? War er es nicht, der zu der ersten großen Revolution aufrief? Wie kam es dann aber dazu, dass er sich am Ende gegen die Bauern wandte? Fragen, die Andreas Beneker, Pfarrer und Leiter des Evangelischen Bildungs- und Tagungszentrum Bad Alexandersbad, jungen Seminarteilnehmern im Haus der Landwirtschaft in Herrsching stellte.

Die Lage der Bauern zu Beginn des 16. Jahrhunderts war alles andere als rosig. Frondienste und drastische Abgaben wurden immer mehr zur Last und führten zur Verelendung diese Standes. Meist waren die Bauern der Willkür ihrer Grundherren hoffnungslos ausgeliefert. Die dörfliche Bevölkerung begehrte schließlich gegen diese Missstände und Ungerechtigkeiten auf. Martin Luthers Argumentation, dass ein Christenmensch ein Herr über alle Dinge und niemandes Untertan sei, sowie seine Übersetzung des Neuen Testaments ins Deutsche gelten als entscheidende Auslöser für die Aufstände.

Allein durch die Übersetzung der Heiligen Schrift konnten die Bauern jetzt nachvollziehen, was eigentlich vorgeschrieben war. Die ungerechtfertigten Ansprüche von Klerus und Adel konnten plötzlich belegt hinterfragt werden. Und so begannen die Bauern plötzlich, für ihre Rechte zu kämpfen. Von Luther fühlten sie sich zunächst unterstützt. Warum aber wandte sich dieser schlussendlich gegen sie? Was bewegte ihn, so hart gegen die Bauern vorzugehen?

„Reagierte er taktisch aus Angst, die Unterstützung der Obrigkeit für seine Sache zu verlieren?” Für Andreas Beneker ist dieser Ansatz zu „kurz gesprungen.”

Er sieht in Luther einen Überzeugungstäter, den nichts schrecken konnte. In seinem Leben habe er mehrfach dem Tode ins Auge geblickt. Doch was war es dann? „Luther sagte sich, alles ist schlechter als Aufruhr, weil Blutvergießen nur noch mehr Blutvergießen fordert”, erläutert Beneker.

So habe Luther zwar den Bauer zugebilligt, mit ihren Forderungen im Recht zu stehen. Doch verurteilte er scharf, dass sie es mit Gewalt durchsetzen wollten, und schreibt in der Folge von den „mörderischen Bauern”. Damit distanzierte er sich sehr von den deutschen Bauernkriegen, die 1525 ihren Höhepunkt erreichten und zehntausende Opfer forderten.

„Luther ging es zunächst wohl nur darum, den Bauern zu vermitteln, dass Aufruhr ihnen noch mehr Unglück bringen werde”, erläuterte Beneker den jungen Seminarteilnehmern in Herrsching.

Dass sich dann seine Hoffnung, die Fürsten würden die Ordnung wiederherstellen, nicht erfüllte, habe Luther schließlich nicht vorhersehen können. Der Bauernkrieg sei eine erste Revolution des gemeinen Mannes gewesen. Die Forderungen der Bauern beinhalteten die Vorformen demokratischer Entscheidungsfindung. „Und viele ihrer Forderungen setzten sich dann später ja auch durch”, betont Beneker zum Schluss des Foyergesprächs im Haus der Landwirtschaft.