Rosi mags Wauwauschwanzlwackldanzl Frauenbund Dießen lädt Stianghausratschn ein – Im Traidtcasten wurde viel gelacht

Beate Bentele  28. Oktober 2016

Viel Applaus erntete Rosi Spielberger für ihre Jokes mitten aus dem Leben, die den Besuchern im Traidtcasten einen vergnügten Abend bescherten. Fotos (2): Bentele

Dießen – Sie hat geschafft, was manch einer anzweifelte: Rosi Spielberger alias d‘ Stianghausratschn hat den Traidtcasten mit fast zweihundert Gästen nicht nur bis auf den letzten Platz gefüllt, sondern es wurden auch noch die Stuhl-Depots geräumt, damit alle einen Sitzplatz bekommen. Obwohl der Veranstaltungsbeginn für 18 Uhr angesetzt war und das Programm Schlag 19 Uhr startete. Die Musikkabarettistin mit ihrem unverkennbaren Dialekt, wie man ihn in Aßling bei Ebersberg spricht, begleitet von Frau Gescheit und Frau Haferl, sowie den Herren Wohl und Stand hat ohne spektakuläre Bühnenshow ihr 200-Personen-Publikum lässig um den Finger gewickelt. Keiner wollte heim und alle wollten mehr.

Rosi kehrt vor der eigenen Haustür

Rosi mit den roten Haaren und dem Kopftuch, das sie nach Putzfrauen-Art um die Stirn wickelt, ist ein Phänomen. Ein aussterbendes – weil es nicht mehr so viele Stiegenhäuser gibt, wo noch g‘ratscht wird. Allerdings könnte man in den kleinräumigen Strukturen der Gemeinden am Ammersee eher von einer Dorfratsch’n sprechen, die alles sieht, nix überhört und zu allem was weiß. Rosi ist eine sympathische Rasch’n – im Gegensatz zu ihren „echten” Vorbildern, weil sie nicht nur die anderen derbleckt, sondern auch mit Leidenschaft vor der eigenen Haustür kehrt. Wer sie ärgert oder verkrätzt, dem schreibt sie a Liadl. Die sind in ihrer lebendigen Wahrheit nicht geschönt, sondern echt. Rosi schaut den Menschen aufs Maul und deren Handeln und Fehlverhalten – in Versform und auf der Gitarre begleitet – quittiert sie mit Spott. Am Ende klingen dann immer wieder versöhnliche Töne an, damit kein bitterer Nachgeschmack bleibt, sondern das Leben, die Liebe, das Miteinander, Durcheinander und Aufeinander fröhliche Urständ‘ feiert und letztlich die gute Einsicht oder das Verständnis siegen.

Maria Steinle (r.) und Brigitte Haugg (l.) vom Dießener Frauenbund dankten Rosi Spielberger alias d‘ Stianghausratschn für den fulminanten Auftritt.

Maria Steinle (r.) und Brigitte Haugg (l.) vom Dießener Frauenbund dankten Rosi Spielberger alias d‘ Stianghausratschn für den fulminanten Auftritt.

„Mei”, sagt ein Riederauer, der hartnäckig am Bühnenrand steht und einfach keinen Stuhl mehr ergatterte, „wenn d‘ Stianghausratschn schon amoi an den Ammersee kommt, werd‘ ich den Teufel tun und wegen vollem Saal gehen – da muss ich doch noch einen Stuhl kriegen.” Er hat ihn bekommen und ungefähr drei Stunden lang nonstopp gelacht. „So haben wir uns das gewünscht”, schmunzelt Brigitte Haugg vom Frauenbund Dießen, die die Stianghaus-Rosi entdeckt und kurzerhand eingeladen hat. Dass die Musikerin und Kabarettistin so ein Phänomen ist, wusste man in der Region nur bis Hechenwang, wo wie regelmäßig auftritt. In Dießen hat sie jetzt Premiere gefeiert und am Ende eines von Applaus bebenden Abends voller Überzeugung angekündigt, dass sie bald wieder kommt.

Dauer-Déjà-vu

Warum sie jedes Polit-Spektakel aussticht? Die Rosi ist menschlich, da stinkt der Alltag auf der Bühne genauso wie im Leben, Männer, Kinder und Familie sind die Hauptthemen, bei denen sich alle im Saal wieder gefunden haben. Die kleinen Sachen, die so tierisch nerven und so bösartig unter die Haut gehen, die kleinen Nadelstiche und großen Irrtümer, die unter jedem Dach daheim sind, die bringt Rosi an die Öffentlichkeit – und das Publikum erlebt ein Dauer-Déjà-vu.

Aldi-Großkampfdog

Zum Beispiel in ihrer selbstkritischen Ballade, warum sie in jedes Fettnapferl tritt. Oder mit dem Aldi Großkampfdog, einem Lied, wo sie allen garantiert, bei künftigen Einkaufstouren immer dranzudenken, und automatisch zu singen: „Aldi du meine Heimat, du bist mei Lebenselexier, Aldi i miaßat hungan, hätt nix zum ohziang ohne dia.” Spätestens beim Wauwauschwanzlwackldanzl gerät das Publikum in Bewegung und beim Bayrischkurs tauchen Begrifflichkeiten auf, die keiner mehr kennt. Auch da ist Rosi sicher: Bayrisch schimpfa, des is mei Leidenschaft, denn in koaner Sprach gibt’s mehr Schimpfwörter als bei uns! Da hat sie recht, denn allein ihr Bayrisch-Repertoire ist ein Spiel ohne Grenzen. Alles miteinander perfektioniert sie mit ihren Handpuppen. Wenn der Herr Wohl mit seinem Stianghausnachbarn Herr Stand diskutiert und die Treppenhausgemeinschaft, die Gscheit und die Haferl alles besser wissen als die anderen.

Wer sich genau versichern will, weil in der affenartigen Geschwindigkeit, wie die Rosi die Themenwelten aneinanderreiht, kann sich keiner die handfeste Wortfülle, die Jokes und Pointen merken, der hört sich alles daheim noch einmal an. Ihre neuen DVDs mit den Titeln „So is hoid” und „Ollawei de Stianghausratschn” gibt es unter Telefon 08092 – 709267. bb