Künstler stellen weiteres Konzept vor Suche nach neuer Nutzung des Blauen Hauses in Dießen – Unabhängigkeit gefordert

pm  30. August 2016

Ähnlich der Säulenhalle in Landsberg soll das Blaue Haus ein unabhängiger Kulturraum werden, wünscht sich eine Künstlergruppe aus Dießen. Foto: pm

Dießen – Zum 1. Juli 2017 läuft der Pachtvertrag mit Architekt Jürgen Bahls für das Blaue Haus in der Prinz-Ludwig-Straße in Dießen aus. Nun entwickeln Bürger Ideen für eine weitere Nutzung des Gebäudes. Bayernpartei-Gemeinderat Michael Hofmann wünscht sich dort beispielsweise eine Bleibe für die Schätze Dießener Handwerkskunst (wir berichteten). Eine Interessengruppe um die Textilkünstlerin Christine Graf, die mit ihrem Mann seit Herbst 2015 das Kultcafé im Blauen Haus führt, möchte künftig auch den Veranstaltungsraum mieten und dort ein Kulturprogramm bieten. Die Gruppe hatte im Vorfeld zweimal zum „Blauen Tisch” eingeladen, um Ideen zu sammeln (wir berichteten). Nun gibt es ein weiteres Konzept. Eine Künstlergruppe um Annunciata Foresti gibt ihre Nutzungsvorstellungen in folgendem offenen Brief kund:

„Lieber Gemeinderat, im folgenden offenen Brief möchten wir Ihnen unsere Vorstellungen zur Nutzung des Blauen Hauses zur Kenntnis bringen: Wir wollen den großen Saal im Blauen Haus als öffentlichen und unabhängigen Kulturraum für ‚Kunst und Kultur‘ erhalten und damit der Kulturszene in Dießen und Umgebung einen kostengünstigen leeren Raum zur Verfügung stellen, der zwar von der Gemeindeverwaltung gesteuert wird (über einen Belegungsplan), jedoch frei an Vereine und sonstige Kulturschaffende vergeben werden kann. Der Zeitraum soll angemessen sein (zum Beispiel ein bis vier Wochen). Damit besteht die Möglichkeit, dass Dießen als Ort für kulturelle Aktionen weiter an Profil gewinnt und somit im Ganzen belebt wird. Der dahinter liegende Raum kann sehr gerne (als Lagerraum/Theaterraum oder Erweiterung des Ausstellungsraumes) dazugegeben werden. Sollte es weiterhin als Büro vermietet bleiben müssen, muss sich der Mieter beziehungsweise das Büro im hinteren Raum lediglich auf mehr Veranstaltungen einstellen, kooperieren und keine Konkurrenzsituation zu den Kulturveranstaltungen darstellen. Das gelegentliche Streichen der Wände und für bessere Lichtverhältnisse zu sorgen, obliegt der Gemeinde (dies ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt unzureichend). Die Nutzer des großen Raumes sollen im Gegenzug einen Unkostenbeitrag zahlen, der die Nebenkosten, Reinigung etc. beinhaltet. Der Raum soll jeweils ordentlich übergeben werden, sodass der nächste Veranstalter wieder einen ordentlichen Raum bekommt. Die Bestuhlung, die im Blauen Haus lagert (im Osten EG) soll, je nach Bedarf, kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Das Café wäre bei Veranstaltungen eine gute Ergänzung (Konsumieren) und könnte davon profitieren und umgekehrt. Dies sollte grundsätzlich aber vom Veranstaltungsraum getrennt sein, was räumlich auch möglich ist. Die Veranstaltungen im großen Raum sollen völlig autonom sein und auch keinem Konsumzwang unterliegen.

Wir sind uns sicher, dass der Saal immer gut belegt sein wird, weil dies ein gut geeigneter großer Ausstellungsraum ist und es im Ammerseebereich keinen vergleichbaren neutralen Ort gibt, der dazu zur Verfügung steht. In Dießen und am Ammersee haben wir eine aktive und große Künstlergemeinde, viele Kulturschaffende und auch viele Kunstinteressierte. Die Säulenhalle in Landsberg wird gleichermaßen von der Stadt Landsberg belegt und ebenso nur so verwaltet. Es funktioniert sehr gut. Dabei wird den Ausstellern täglich eine Pauschale berechnet, die in erster Linie die Unkosten deckt; Auf- und Abbautage werden mit einen niedrigeren Betrag berechnet. Studio Rose ist ebenfalls voll ausgebucht und wird ebenso lediglich verwaltet und an Künstler weitergegeben. (Sollte wirklich ein Bedarf an Fachentscheidungen vorliegen, könnte möglicherweise eine kleine neutrale Lösung Abhilfe schaffen). Die Pressearbeit /Einladungen, Vernissagen, Aufsicht etc. wird von dem jeweiligen Künstler selbst gemacht, so wird es in Landsberg und auch in in Schondorf gehandhabt. Es werden lediglich kostengünstig Räume für Kulturschaffende zur Verfügung gestellt, ohne kommerzielle Gründe. Ansonsten kann das Blaue Haus so bleiben, wie es im Moment ist, außer dass der große Raum frei, unabhängig und öffentlich bleibt und von der Gemeinde verwaltet und nicht einem Privatpächter/Verein überlassen wird. Kultur-Interessenten aus dem Haus selbst könnten sich ja gleichermaßen zu denselben Konditionen in den großen Saal einmieten.”

Folgende Kunst- und Kulturschaffende schließen sich dem Konzeptvorschlag an: Annunciata Foresti (KunstFormat e.V., Das kleine Format), Dießen; Matthias Rodach (Bildhauer), Dießen; Gabi Meyer Brühl (Fotografin), Dießen; Nani Weixler (Textilkunst und Licht), Dießen; Katharina Ranftl (Bildhauerin), Dießen; Katalin Fischer (Theaterregie, Journalistin), Dießen; Thomas H. Zagel (Leitung Kammerchor Dießen), Dießen; Nue Ammann (Künstlerin, Kulturjournalistin); Angelika Forster-Walter, (Commedia Dießen); Saskia Pavek (Fotokünstlerin), Dießen; Konstantin Moreth (Schauspieler), Dießen; Sabine Jakobs (Fotografin), Dießen; Gabriele Rothweiler (Fotomalerei), Dießen; Burkhard Niesel (Maler, Kunstlehrer), Dießen.