Töpfermarkt 2016 60.000 Besucher

Sibylle Reiter  10. Mai 2016

Töpfermarkt in den Dießener Seeanlagen - Aus allen Richtungen strömten die Besucher an den Ammersee. Fotos (10): Jordan

Dießen – Herrliche Tage voller Sonne, warmer Luft und Keramiken aus 150 Werkstätten. Der diesjährige Dießener Töpfermarkt gehörte mit dem Prachtwetter zu den erfolgreichsten der Geschichte dieser viertägigen Veranstaltung. Die Sonne lachte, der See glitzerte. Die Aussteller waren bester Laune, den Besuchern gefiel ihr Angebot. Der am Sonntag zu Ende gegangene Töpfermarkt war wieder ein Festival für Handwerk, Kunst und Design. Aus allen Richtungen strömten die Besucher an den Ammersee, viele kamen zum Marktgelände mit dem Schiff. Über 60.000 Besucher – damit war eine neue Rekordmarke erreicht. Die Stimmung bei Besuchern und den Ausstellern aus 14 Ländern war prächtig. Und zahlreiche Sammler und Vertreter bedeutender Museem schauten sich aufmerksam um.

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Töpfermarkt 2016

Benjamin Rohde (Rohde Brennöfen Utting), l., eröffnet den Markt in den Dießener Seeanlagen zusammen mit Bürgermeister Herbert Kirsch.

Benjamin Rohde (Rohde Brennöfen Utting), l., eröffnet den Markt in den Dießener Seeanlagen zusammen mit Bürgermeister Herbert Kirsch.

Dießen – Chanyeon Cho aus Südkorea mit Werkstatt in Hamburg hatte heuer zum ersten Mal einen Stand in Dießen ergattert. Mit dem Umsatz, den ihr der Markt bescherte, war sie schon am Sonntagmorgen hoch zufrieden.

Dem Thema des zentralen Ausstellungspavillons folgend – „Primo, Secondo, Dolce – Keramik für die italienische Küche“ – hatte sie feinste Keramik für Vor- und Nachspeisen in Pastelltönen mitgebracht, aber auch hübsche Kaffeefilter aus Keramik mit dazu passenden Kannen und Bechern. Ihr Ziel ist es, einen nützlichen Gegenstand herzustellen, ihn aber trotzdem als ein besonderes Objekt wirken zu lassen. Die Kaffeefilter kamen besonders gut an.

Dicht drängten sich die vielen Besucher von Donnerstag an zwischen den vielen Ständen mit ihren Ausstellungswaren, hier zum Beispiel in den Seeanlagen.

Dicht drängten sich die vielen Besucher von Donnerstag an zwischen den vielen Ständen mit ihren Ausstellungswaren, hier zum Beispiel in den Seeanlagen.

„Kommt alle her und erfreut euch am See, entweder beim Baden oder an den wunderschönen Madls wie mir“, scheint diese fröhliche Figur von Pia Keul den Besuchern zuzurufen.

„Kommt alle her und erfreut euch am See, entweder beim Baden oder an den wunderschönen Madls wie mir“, scheint diese fröhliche Figur von Pia Keul den Besuchern zuzurufen.

Der Dießener Markt präsentierte wieder die ganze Bandbreite der Arbeit der Töpfer – Gebrauchsgeschirr, Deko-Gegenstände, Vasen, Schalen, Schmuck, Öfen, Feuerschalen, Tiere, Nistkästen, Skulpturen und nicht zuletzt Pflanztröge. „Keramik und Pflanzen, eine anziehende Kombination. Daher ist auch die Baumschule Wörlein auf dem Töpfermarkt vertreten“, erklärte Marktleiter Wolfgang Lösche.

Georgos Kavgalakis ist in die Fußstapfen seines erst kürzlich verstorbenen Großvaters getreten und führt die Tradition weiter. Sechs Amphoren drehte der Enkel von Gavgalakis in Dießen.

Georgos Kavgalakis ist in die Fußstapfen seines erst kürzlich verstorbenen Großvaters getreten und führt die Tradition weiter. Sechs Amphoren drehte der Enkel von Gavgalakis in Dießen.

Unvergessen in Dießen ist Nikos Kavgalakis von der griechischen Insel Kreta. Der Amphorenmeister war im Januar im Alter von 78 Jahren verstorben (der Ammersee Kurier berichtete). Seit 16 Jahren war sein Stand die Hauptattraktion am Ammersee – die Bilder seiner Werkstatt mit den beeindruckenden großen Amphoren gingen um die Welt. Gefäße, die von alters her die verschiedensten Funktionen erfüllen: zur Aufbewahrung von Oliven, Käse, Wein, als Behausung von Bienen oder zum Wäschewaschen. Tochter Irini und Enkel Georgios führen die Arbeit des verstorbenen Meisters fort.

Amphoren von Gavgalakis sind im Stephanshof ausgestellt

Figuren von German de Juana und Gorriz Carme aus Spanien sind seit Jahren mit dabei.

Figuren von German de Juana und Gorriz Carme
aus Spanien sind seit Jahren mit dabei.

An den Dießener Markttagen drehten sie sechs Amphoren. „Wie es weitergeht im nächsten Jahr, müssen wir jetzt in Ruhe überlegen, die Familie ist ja noch in der Trauerzeit“, so Marktleiter Wolfgang Lösche. Amphoren von Nikos Kavgalakis sind derzeit im Stephanshof am Marienmünster ausgestellt: „Schöner geht’s nicht“, schwärmt Lösche und empfiehlt einen Besuch dort.

Die weiteste Anreise hatte der chinesische Künstler Jackson Li aus der chinesischen Keramikmetropole Jingdezhen. Dort wird Keramik „so weiß wie Jade und so dünn wie Papier“ hergestellt. Jackson Li bemalt seine Objekte mit feinsten Pinseln, die er selbst aus verschiedensten Tierhaaren (Kamel, Pferde- oder Ziegenhaar) herstellt. Bei den Kollegen waren sie hochbegehrt und bereits am Samstag ausverkauft.

Changyeon Cho aus Südkorea, r., hat ihre Werkstatt in Hamburg. Sie war zum ersten Mal auf dem Dießener Töpfermarkt als Ausstellerin.

Changyeon Cho aus Südkorea, r., hat ihre Werkstatt in Hamburg. Sie war zum ersten Mal auf dem Dießener Töpfermarkt als Ausstellerin.

Die Veranstalter gruppierten die Anbieter aus England, Frankreich, den Niederlanden und Spanien, letzteres war durch die Arbeitsgemeinschaft Kiln vertreten, die acht ausgewählte Ateliers präsentierte. Aus den thüringischen Bürgel kam die Töpferei Reichmann, die das berühmte Bürgeler Blau-Weiß (dunkelblau mit weißen Tupfen) präsentierte, in fünfter Generation wird es dort bereits gefertigt; die Tochter entwickelte daneben eine zeitgemäße farbenfrohe Linie in verschiedenen Farben. Studenten der Muthesius-Hochschule Kiel und der Keramikerschule Landshut präsentierten ihre Arbeiten und kamen in Dialog mit dem Publikum, „eine wichtige Erfahrung über die Lehre hinaus“, so Marktleiter Lösche. Ebenso vertreten: die Töpferei der Herzogsägmühle im Landkreis Landsberg, wo das Arbeiten mit Keramik eine wichtige Funktion in der Therapie bildet.

Auch eine Uhr kann in Keramik kreativ eingebaut werden.

Auch eine Uhr kann in Keramik kreativ eingebaut werden.

Der Markt wartete auch mit einer Muttertagsaktion auf: Wer wollte, konnte eine Schale in Herzform in Raku-Technik herstellen. Die Keramik wird dabei in holzbefeuerten Öfen bei 1100 Grad Celsius gebrannt, anschließend mit Sägemehl bedeckt und mit kaltem Wasser abgeschreckt. Die dadurch erzeugten Spannungsrisse in der Glasur sind unverwechselbares Zeichen dieser Technik.

Den Dießener Keramikpreis, gestiftet von Benjamin Rohde, erhielt Christiane Wilhelm, die aus dem hohen Norden kommt, aber seit langem in München arbeitet. Sie hatte sich mit einer grauen, innen blau glasierten Amphore am Wettbewerb beteiligt, deren Oberfläche durch feine Einkerbungen besticht. Die Jury lobte die „Harmonie, Ruhe und Ausgewogenheit“ in der Gestaltung des Werkes. Christiane Wilhelm lobte den Töpfermarkt: „So paradiesisch schön wie hier ist es nirgendwo, das liegt an der bayerischen Lebensfreude.“

Sehr eigenwillige Figurern schafft der Berliner Ulrich Schumann. Ob er wohl bewusst mit der Farbgebung an den bayerischen Ausstellungsort erinnern wollte?

Sehr eigenwillige Figurern schafft der Berliner Ulrich Schumann. Ob er wohl bewusst mit der Farbgebung an den bayerischen Ausstellungsort erinnern wollte?

Marktleiter Wolfgang Lösche lobte die Dießener Vereine, die für Essen und Trinken sowie für die Sicherheit auf dem Markt gesorgt haben. Normalerweise wird auch immer der schönste Stand mit 500 Euro ausgezeichnet, gestiftet von Andrea Wolbring (Keramik- und Töpferbedarf Baldham). Dieses Jahr wurde aber kein Stand ausgewählt, sondern die hervorragende Arbeit des Dießener Bauhofs prämiert.