Von Sylt ans Westufer des Ammersees Renommiertes Glaskünstlerpaar lebt und arbeitet jetzt in Schondorf – Von Natur auch hier inspiriert

Maren Martell-Münkel  12. Januar 2016

Was liegt für einen Glasbläser am Ammersee näher als Fische aus Glas zu blasen? Fotos (2): Martell

Schondorf – „In acht Tagen sehen wir uns wieder – dieses Montagsglas steht für das Loslassen oder den Waschtag, das Dienstagsglas für die Manneskraft oder den Gerichtstag, der Mittwoch ist ein Zwillingtag, der Donnerstag steht für den Donnergott, der Freitag für die Harmonie und die Liebe, der Samstag für den Sabbat und der Sonntag für die Sonne“, erläutert Hans-Jürgen Westphal eine seiner Glasserien. Jedes dieser mundgeblasenenen Trinkgläser sei ein Unikat. Für besondere Anlässe wurden sie von einem Sylter Hotel in Auftrag gegeben. „Da habe ich von jedem Glas 50 Stück gefertigt. Mit der „Produktion“ war ich zwei Jahre lang beschäftigt“, berichtet der Glaskünstler. Seit mehr als 40 Jahren ist der ursprünglich gelernte Glasaparatebläser im eigenen Atelier tätig ist, seit nun bald einem Jahr lebt und arbeitet er zusammen mit seiner Frau Gudrun in Schondorf.

Gudrun Westphal und Hans-Jürgen Westphal haben ihren Wohnsitz von Sylt an das Westufer des Ammersees verlegt.

Gudrun Westphal und Hans-Jürgen Westphal haben ihren Wohnsitz von Sylt an das Westufer des Ammersees verlegt.

Im Februar verlegten die beiden Glaskünstler Atelier, Werkstatt und Wohnsitz von dem alten Kapitänsdorf Keitum auf Sylt ans Westufer des Ammersees. Für Gudrun Westphal ist das auch eine Rückkehr zu ihren Wurzeln. Denn sie ist am Ammersee geboren. Ihr Mann stammt hingegen aus Rendsburg in Schleswig-Holstein. Den rauen Wind, das Rauschen der Meereswellen und das Salz im Wasser. Ein ganz bißchen vermissen die Beiden schon den Norden. Dort schauten sie auf den Hörnumer Leuchtturm, hier mündet ihr gut 3000 Quadratmeter großes Grundstück in einen unter Naturschutz stehenden Wald. Der See ist nicht weit. „Und hier am Ammersee ist es auch schön. Vor allem die Sommerabende sind viel lauer“, betont das Künstlerpaar.

Das Wasser und seine Bewohner, egal, ob im Meer oder in einem See steht im Mittelpunkt von Westphals Arbeiten. Von der Natur und den Gewalten, aber auch von Mythen und Geschichten lässt er sich inspirieren. Da finden sich in seinen teils bunten, teils ganz transparenten Glasbildern Fische oder Muscheln. „Wasser ist für mich ein ganz faszinierendes Element.“ So versteht er sich auch als Glasgestalter, wobei er sich nicht nur auf das Material Glas beschränkt.

Auch Holz, Metall und Bronze bezieht er mit ein. Für große Skulpturen arbeitete er beispielsweise mit dem Holz der immer seltener werdenen Ulme. Für seine „Bootsträger“ gestaltete er kleine Bronzefiguren. Mit dieser Arbeit greift er auch die aktuelle Flüchtlingssituation auf. Westphals Glaskunst begegnet man überall in Deutschland. So hängt ein großes Relief , das die Schöpfungsgeschichte darstellt, in der Westerlander Nikolaikirche. Auf Sylt gestaltete er mit seinen Werken auch die dänische Kirche. Außerdem sind seine Arbeiten in zahlreichen Museen zu sehen, so in Uelzen, im dänischen Ebeltoft, im spanischen Valencia und in Immenhausen bei Kassel. Auch seine privaten Kunden kommen aus ganz Deutschland sowie aus dem Ausland, so aus Belgien, Holland oder Frankreich.

Gudrun Westphal lässt sich von der Natur inspirieren

In seiner Werkstatt arbeitet Westphal mit seiner Frau Gudrun zusammen. Diese hat sich auf Glasschmuck spezialisiert. So erstellt sie farbenfrohe oder monochrome Glasketten mit Hohlperlen. Auch sie lässt sich dabei von den Vorlagen in der Natur inspirieren, so vom Feuer, der Vegetation oder dem Wasser. In vier verschiedenen Öfen brennt Westphal seine Arbeiten. Beeindruckend ist das Materiallager. Für die Gläser und Figuren verwendet er Röhren und Stäbe, für seine Glasbilder bunte Scheiben und Glasmehl in allen Farben.

„Die hitze- und säurebeständigen Röhren beziehe ich aus Tschechien oder von der deutschen Firma Schott. Die Glasscheiben kommen überwiegend aus den USA.“ Beiden Künstlern kann man bei ihrer Arbeit zuschauen. So sind Atelier und Werkstatt in Schondorf immer von Mittwoch bis Samstag jeweils von 14.00 bis 18.00 Uhr geöffnet. Ein Besuch lohnt sich.

Glasatelier Westphal, Brunnenstraße 38, Schondorf am Ammersee; Internet: www.glasatelier-westphal.de.