Regional-Literatur: Zwischen den Toren Die dritte Anthologie des Landsberger Autorenkreises ist erschienen: 31 Autoren

oh  12. Januar 2016

Die Sammlung von Arbeiten des Landsberger Autorenkreises

Landsberg – Als Initiator und Herausgeber der Buchreihe „Anthologien des Landsberger Autorenkreises” hat Helmut Glatz im Jahr 2006 mit „Ein Elefant am Bayertor” und 2011 mit „Literarisches Lechrauschen” eine Plattform entwickelt, die Autoren des Landsberger Autorenkreises den Weg eröffnet, aus dem geschützten, kleinen Wirkungsbereich einer Interessengemeinschaft, eines Lesekreises heraus ihre Werke gemeinsam der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Mit dem aktuellen dritten Band „Zwischen den Toren”, herausgegeben von Max Dietz, stellt der Landsberger Autorenkreis 2015 sein neuestes Werk vor.

Andeuten und Raum lassen

Nehmen wir das Buch zur Hand, so wird schon auf den ersten Blick deutlich, dass an Symbolik nicht gespart wird. Auf der Frontseite des Buchdeckels werden zwei Tore angedeutet, eines hell, das andere dunkel. Die beiden Tore verschränken sich kontrastreich, perspektivisch unwirklich, wie in einer optischen Täuschung. Ihre Mauerfronten tragen Schriftzeichen, als wären sie anstatt von Steinen aus Buchstaben errichtet.

Auf dem Rückumschlag deutet ein Miniaturbild den Ausschnitt einer Stadtsilhouette an. Darunter finde ich das von der Frontseite über den Buchrücken fortgesetzte dunkle Mauerwerk des hinteren Tores wieder, auf dem eine hell kontrastierte Tafel angebracht ist.

Die Sammlung von Arbeiten des Landsberger Autorenkreises

Die Sammlung von Arbeiten des Landsberger Autorenkreises

Darunter heißt es, 31 Autoren hätten Lyrik und Prosa zu einem Kompendium ihrer Weltsicht und Lebenserfahrung gemischt. Nach dem Buchtitel möchte ich auf Erfahrungen, Erkenntnisse und Einsichten schließen, die sich auf dem Lebensweg zwischen zwei Toren, zum Beispiel zwischen Eingangstor und Ausgangstor einer betrachteten Welt ergeben. Er lenkt den Leser symbolisch, lässt jedoch gleichzeitig in seiner Kürze genug Raum für eigene Gedanken. Dieses Motiv des Andeutens und Raumlassens finde ich auch in den Texten des Werkes immer wieder, insbesondere in den lyrischen Gedichten der Autoren, stets neu angewendet und erforscht.

 

Auf 296 Seiten wird ein vielseitig versiertes Werk präsentiert, das Prosatexte – Erzählungen, Märchen und fantastische Kurzgeschichten – wie auch breit aufgestellte Lyrik bietet. Ich finde romantische, philosophische, erzählende, mundartliche, verspielte, nüchterne und prägnante Gedichte, darunter auch moderne und sogar experimentelle Lyrik. Eine Fülle poetischer Spielarten, lebendiger Bilder und Emotionen entstehen, wie auch ausdrucksvolle Gedanken, die hinter der kühlen rationalen Fassade ästhetischer Begriffe verborgen sind. Durch Illustrationen einiger Autoren, schwarz-weiß gezeichnet, in Farbe gemalt oder in Fotografien abgebildet, erhält das Werk zudem auch die optische Würze, die sich Leser geschmackvoller literarischer Kost wünschen.

Für mich sind Vorworte wichtige Duftmarken, die mich als Leser für die folgenden Inhalte in Stimmung bringen können. Im Vorwort sinniert Helmut Glatz in flüssig-witzigen, teils provozierenden, hintergründigen Gedanken darüber, dass die deutsche Sprache voller Seltsamkeiten sei. Die Aussage „Ich würde auch gerne Lyrik schreiben”, nimmt Helmut Glatz als Aufhänger seiner Ausführungen und fügt die darüber hinaus an ihn gestellte Frage an: „Können Sie mir da einen Ratschlag geben?” „Natürlich kann ich einen Rat geben, aber er ist immer verkehrt, weil er vom Standpunkt des Betrachters (des Autors, der Wasserstandsmeldungen, der Urlaubstermine) abhängt”, entgegnet der Befragte. Nachfolgend bietet Glatz jedoch eine breite Fülle möglicher Antworten, die neben den augenscheinlichen positiven Perspektiven auch die Kehrseiten beleuchten. Autoren wie Leser finden erfrischend humorvoll präsentiert lehrreiche Worte, mit einer wohltuenden Portion Selbstironie. Neugierig blätterte ich weiter, um in den nachfolgenden Texten die Motivationen der Autoren, ihre Gedanken und Empfindungen zu ergründen.

Künstlerisch versiertes Werk

Mit dem vorliegenden Werk ist Herausgeber und Gestalterin, Max Dietz und Carmen Kraus, zusammen mit 29 weiteren Autorinnen und Autoren ein künstlerisch versiertes Werk gelungen, das jedem Literaturfreund witzige, nachdenkliche, raffinierte, unterhaltsame, kritische wie auch unbeschwerte Momente bietet, das zum Denken anregt, aber auch immer wieder die Mundwinkel fröhlich nach oben ziehen lässt. Freunde von Märchen, Kurzgeschichten, Erzählungen, bildhaft formulierter Prosa wie auch Liebhaber der Lyrik – sowohl freier zeitgemäßer wie auch romantischer Lyrik, aber auch komprimierter moderner und experimenteller Lyrik – werden anregende Mosaiksteine finden, die den Raum sichtbar machen, der, durch ihre Brille gesehen, zwischen zwei Toren zu finden ist. Der 3. Anthologieband, „Zwischen den Toren”, setzt die bewährte Tradition der Buchreihe des Autorenkreises Landsberg im Jahr 2015 in sehr erfrischender Weise fort.

Reinhard Wendland

„Zwischen den Toren” ist im Buchhandel für 15 Euro erhältlich. Bei Direktabnahme bereits für 12 Euro. www.landsberger-autorenkreis.de oder Telefon 08191 – 39922.