Raisting baut für 50 Flüchtlinge Zweigeschossiger Holzständerbau am Probstgelände soll Mitte 2016 fertig sein

Petra Straub  18. Dezember 2015

Auf diesem Platz nahe der Kirche soll ein Gebäude für Flüchtlinge entstehen. Foto: AK-Archiv

Raisting – Seit ungefähr einem Jahr weiß die Gemeinde Raisting, dass sie Flüchtlinge unterbringen muss. Weil der Druck immer größer wird und Kommunen angehalten werden, zwei Prozent der Einwohnerzahl (das wären in Raisting bei 2.229 Einwohnern 45 Personen) aufzunehmen, entschied das Ratsgremium am Dienstagabend mit einer Gegenstimme, auf dem Probstgelände, nordöstlich der Pfarrkirche, ein zweistöckiges Gebäude in Holzständerbauweise für fünfzig Flüchtlinge zu errichten. Finanziert werden soll es mit einem zinslosen Kredit des Förderprogramms „Wohnungspakt Bayern”. In zehn Jahren sollen durch die Mieten, die der Freistaat den Flüchtlingen bezahlt, ein Großteil der Investitionskosten wieder in die Gemeindekasse zurückfließen.

In zwölf Wohnungen von 41 bis 50 Quadratmetern sollen die Flüchtlinge später untergebracht werden. Ausgestattet werden sie mit Bad, zwei Schlafzimmern und Wohnküche. Architekt Norbert Schneck wurde mit der Eingabeplanung beauftragt. Er wird zudem prüfen, ob eine Teilunterkellerung für eine etwaige Nachnutzung sinnvoll ist. Ebenfalls werden die Kosten für eine Ziegelbauweise ermittelt. Im Januar 2016 soll die Planung vorliegen, Mitte 2016 soll das Gebäude stehen.

Gemeinderat Rudi Zemek stimmte gegen das Projekt. Wie viele andere Ratsmitglieder hätte er sich gewünscht, die Flüchtlinge dezentral unterzubringen. Er vertritt zudem die Meinung, dass die Flüchtlingszahl im Ort anfangs niedrig gehalten werden müsse und dann gesteigert werden könne. Er glaubt, dass noch Angebote aus der Bürgerschaft kommen, jedoch keiner der erste sein möchte, der Flüchtlinge beherbergt. Nachbarn des Probstgeländes haben ebenfalls Kritik am geplanten Bau geübt. Mit 23 Metern Länge und 16 Metern Breite sei das Gebäude zu massiv. Zudem wurde bemängelt, dass das Projekt geplant wurde, ohne die Nachbarn zu informieren.

850.000 Euro geschätzte Kosten

850.000 Euro wird der Bau voraussichtlich kosten, so Bürgermeister Martin Höck nach der Sitzung. Die Differenz zu einem isolierten Container für fünfzig Personen, der seinen Angaben nach 610.000 Euro kostet, sei nicht so gravierend. Deshalb habe man sich zum Bauen entschlossen. Sollte sich die Flüchtlingssituation in den nächsten Jahren entschärfen, könnten – bei entsprechendem Vertrag mit dem Landratsamt Weilheim-Schongau – in dem Gebäude auch anerkannte Flüchtlinge, Bedürftige oder Obdachlose, Alleinstehende oder junge Paare zu günstigen Konditionen Wohnungen mieten.

Beim Bau werde darauf geachtet, nachbarschaftsrechtliche Bestimmungen einzuhalten und das Gebäude für die Anlieger verträglich zu gestalten, so Höck. Beispielsweise sei geplant das Dach relativ flach zu gestalten, um die Verschattung gering zu halten. Auf der Südseite des Gebäudes sei ein Gehweg geplant. Parkflächen seien im südöstlichen Bereich des Grundstücks vorgesehen. Sie würden gegebenenfalls bei einer Nachnutzung benötigt.

Bei der Bürgerversammlung, in den Mitteilungsblättern und Gemeinderatssitzungen in Raisting wurde bereits nach Flüchtlingsunterkünften gesucht – doch bislang ohne Erfolg.

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Auch seitens der bayerischen Staatsforsten gibt es bislang nichts Neues; die Behörde will das Forsthaus in der Lichtenaustraße, in dem nach dem Dach nun auch die Heizung saniert wird, vorzugsweise an Mitarbeiter vermieten.

„Mit gemischten Gefühlen” hätten sich die Ratsmitglieder zu dem Bauprojekt durchgerungen. Doch man müsse nun zusammenhalten, sagte Höck. Schließlich gehöre man zur „kommunalen Familie” und kämen wöchentlich 55 Flüchtlinge in den Landkreis Weilheim-Schongau. In der Stadt Weilheim sind bereits knapp fünf Prozent Flüchtlinge beherbergt, also mehr als das Doppelte des Solls. Eine Änderung im Baugesetzbuch ermöglicht es der Regierung von Oberbayern, sich über die Vorgaben des Baurechts hinwegzusetzten, wenn eine Gemeinde noch keine Flüchtlinge aufgenommen hat und Wohnraum geschaffen werden soll, erklärt Höck. Die Gefahr bestehe darin, dass Investoren Bauten planen und die Kommune weder beim Standort noch bei der Gestaltung mitreden könne. Die Flüchtlingsarbeit am Ort müsse jedoch von den Bürgern gestemmt werden, so Höck. „Wenn wir selber bauen, können wir mitreden”.

Auch für Raisting sei ein Investor im Gespräch gewesen. Auf einem Privatgrundstück an der Floßmannstraße habe dieser eine Flüchtlingsunterkunft bauen wollen, informiert der Bürgermeister. „Dort passt es aber nicht ins Ortsbild”, so Höck. Wenn Flüchtlinge anerkannt werden und bleiben dürfen, jedoch keine Arbeit finden und Obdachlosigkeit drohe, sei die Gemeinde für die im Ort lebenden Personen zuständig. Mit einer entsprechenden Klausel im Mietvertrag mit dem Landkreis könne sichergestellt werden, dass anerkannte Flüchtlinge die Unterkunft nach der Anerkennung ihres Flüchtlingsstatus‘ nicht verlassen müssen.

Die Kommune plant mit Start der Planungsphase eine Informationsveranstaltung für die Raistinger Bürger. Dann kann die Flüchtlingshilfe konkrete Formen annehmen.