„feuerstuhl“– sensible Funken sprühen Goys Letzte Montage: Einklang von Gedichten und Musik im Maurerhansl

Dr. Sabine Vetter  30. Oktober 2015

Egon Günther, Herausgeber des ersten „feuerstuhl“, ist trotz all des Leidens und der Kämpfe um Freiheit und Toleranz optimistisch. Foto: Vetter

Dießen – Anlass und zentrales Thema, das Sebastian Goy für seinen letzten Montag dieses Mal wählte, war der „feuerstuhl No. 1 – Zeitschrift für Brot und Rosen“ – der neue Gedichtband, den Herausgeber Egon Günther aus Riederau vorstellte. „feuerstuhl“ ist eine Sammlung von Gedichten und Texten, die sich allesamt um die Themen Freiheit, Gerechtigkeit und Emanzipation drehen.

Die Zeitung vereinigt Schriften von längst Verstorbenen, wie Arthur Rimbaud oder B. Traven, mit Reflexionen heute in deren Tradition stehenden Künstlern. Darunter einige aus der Ammersee-Region, wie Goy selbst. Auch er trägt sein Gedicht an diesem Abend vor: „territorien (1-5)“.

Ein Feuerstuhl gegen Ignoranz

Egon Günther sagt, er sei angesichts all des Leidens und der schwierigen Kämpfe um Freiheit und Toleranz dennoch optimistisch. Die Werke der oft zu früh verstorbenen Dichter hinterlassen Funken der Inspiration und der Hoffnung, wie auch B. Travens Ausführungen über den Feuerstuhl: der Amtssitz, auf dem bei einem indianischen Volk der Häuptling Platz nimmt. Seine Untergebenen machen ihm deutlich: Hier sitze er nicht zum Ausruhen, sondern um für das Volk zu arbeiten.

„Brot und Rosen“ ist ein weiterer Roter Faden bei der Lesung. Dieser Slogan der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung Anfang des 20. Jahrhunderts will sagen, dass Menschen nicht nur Arbeit und Lohn brauchen, sondern auch Würde, Liebe und Kultur.

Gedichte und Blues gegen Sklaverei

Auch Guido R. Schmidt, Drucker, Musiker und Schriftsteller aus Andechs, ist ein Teil des „feuerstuhl“, nicht nur als Drucker der Zeitschrift, sondern auch mit einem Auszug aus seinem Roman „Woher der Wind weht“.

Zudem steht er mit Tom Höhne jetzt auf der Bühne beim Maurerhansel, sie sind „Senor Blues“. Ihr eindringlicher, sensibler Blues mit Texten zu Sklaverei, Flucht, Liebe und Sehnsucht versetzt das mitgehende Publikum in die vollen Züge und Boote von damals wie von heute.

Persönliche und historische Verbindungen zwischen den Künstlern am Ammersee und in Kalifornien zeigen sich immer wieder in der Zeitschrift. Dafür stehen Dichter wie Allen Ginsberg, Gary Snyder oder auch Jack Kerouac, denen es mit ihren Werken ebenfalls immer auch um das Leiden und ein freies Leben des Menschen geht.

Will Staple von der kalifornischen Westküste war erst kürzlich wieder hier und stellte seinen neuen Gedichtband vor (wir berichteten).

Bogen zum Surrealismus

Die surrealistische Bewegung Anfang des letzten Jahrhunderts war gleichermaßen inspiriert durch soziale und individuelle Zerrissenheit sowie die Suche nach dem, was man mit Lebenskunst und Lebenshaltung, mit Experimenten im Geist und im künstlerischen Ausdruck den traditionellen Normen und Mechanismen der Ungerechtigkeit entgegenhalten kann. Egon Günther zeigt mit „feuerstuhl“, wie eng verschiedene soziale und künstlerische Bewegungen miteinander verbunden sind.

Das Duo „Senor Blues“ holt sich dann noch Johann Fliegauf aus Dießen mit seiner Mundharmonika auf die Bühne. Beim Sound der drei Muiker fühlt sich das Publikum in den Cotton Club versetzt, eine Mafia-Kneipe im New York um 1920.

Feuerstuhl No. 1 Herausgegeben von Egon Günther, Riederau, 2015 Reihe Medien Streu Verlag Peter Engstler, Ostheim Ulenspiegel Druck GmbH, Andechs ISBN 978-3-941126-71-8 18 Euro.